Bönningstedt : Baustopp an der Brakelstwiete

Richter widersprechen der Auffassung der Forstbehörde und geben dem Antragsteller recht: Das Gebäude steht zu nah am Wald.
Richter widersprechen der Auffassung der Forstbehörde und geben dem Antragsteller recht: Das Gebäude steht zu nah am Wald.

Verwaltungsgericht Schleswig gibt Eilantrag des Nachbarn statt: Umstrittener Pferdestall darf vorerst nicht fertiggestellt werden.

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11. Dezember 2014, 10:00 Uhr

Bönningstedt | Ganze drei Arbeitstage benötigte das Schleswiger Verwaltungsgericht, um diese Eilentscheidung zu treffen: „Es lässt sich mit hinreichender, das heißt überwiegender, Wahrscheinlichkeit feststellen, dass die angefochtene Baugenehmigung des Antragsgegner vom 5. Oktober 2014 Nachbarrechte des Antragstellers verletzt.“

Anders ausgedrückt: Der Antrag des Bönningstedter Landwirts und Grundstücksnachbarn Karsten Blohm, den Bau eines Pferdestalls an der Hasloher Brakelstwiete vorläufig zu stoppen, hatte Erfolg. Seit gestern vormittag müssen die Arbeiten ruhen. Ausführlich begründen die Richter sechs Seiten lang ihre Entscheidung, die „auf der Grundlage einer umfassenden Interessensabwägung“ erfolgte: Auf der einen Seite die der Bauherren, die ihre bereits erteilte Baugenehmigung umsetzen wollen.

Auf der anderen Seite die des Nachbarn Karsten Blohm, der geltend macht, dass seine Rechtsposition „durch den Bau und die Nutzung des genehmigten Vorhabens unerträglich oder in einem nicht wieder gutzumachenden Maße beeinträchtigt beziehungsweise gefährdet wird“, wie es in dem Schriftstück heißt.

Dabei folgen die Richter der Argumentation des Nachbarn: Das Gebäude steht zu nah am etwa ein Hektar großen Wald, dessen Eigentümer ebenfalls Karsten Blohm ist. Statt der gesetzlich geforderten 30 Meter beträgt der Abstand „kaum mehr als zwölf Meter“, wie das Gericht feststellt. Zwar könne die Bauaufsichtsbehörde im Einvernehmen mit der Forstbehörde eine Unterschreitung des Mindestabstands zulassen, wenn eine Gefährdung nicht vorliege. „Diese Voraussetzungen liegen hier jedoch nicht vor“, stellen die Richter klar.

Das sieht Axel Suersen, zuständiger Mitarbeiter des Unteren Forstamts Neumünster, allerdings anders: „Ich bin zu der Erkenntnis gekommen, dass der Unterschreitung des Mindestabstands zugestimmt werden kann“, sagt er auf Nachfrage dieser Zeitung. Zuvor habe er eine Einschätzung des Kreisbrandschutzexperten eingeholt.

„Die Brandschutzexperten des Kreises haben bestätigt, dass durch den Waldabstand zum Gebäude nur eine unterdurchschnittliche Brandgefahr vom Gebäude ausgeht“, bestätigt Kreissprecher Oliver Carstens. Das sieht das Gericht nicht so: „Es fehlt an ausreichenden Gründen, um von einer zu vernachlässigenden Brandgefahr auszugehen“, schreiben die Richter. Immerhin bestehe das Haupttragwerk der Außenwände und des Daches aus Holz.

Blohm kann über die widersprüchlichen Auffassungen und die Vorgänge inzwischen nur noch den Kopf schütteln: „Wenn ich mir den gesamten Werdegang dieser Baugenehmigung ansehe, dann wird mir ganz gruselig zumute.“ Als nächsten Schritt prüft der Kreis, gegen den Beschluss des Gerichts Beschwerde einzulegen. Anschließend wird in der Sache beim Schleswiger Oberverwaltungsgericht verhandelt. Bis dahin darf nicht weitergebaut werden.

In der nicht-öffentlichen Sitzung des Bönningstedter Bauausschusses versagte das Gremium am 31. Juli 2014 das gemeindliche Einvernehmen für den Bau. Die zu dem Zeitpunkt amtierende Bürgermeisterin Anke Rohwer-Landberg (BfB) stufte diese Entscheidung als rechtswidrig ein und kassierte den Beschluss. Eine erneute Debatte in den gemeindlichen Gremien konnte nicht stattfinden, weil die Bearbeitungszeit des Bauantrags beim Kreis Pinneberg maximal drei Monate betragen darf. In Folge dessen wurde am 5. September 2014 die Genehmigung erteilt.
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