Heuss-Gymnasium : Baupfusch: Wann wird aufgeklärt?

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Mangelhafte Sanierung des Heuss-Gymnasiums: Stadtverwaltung rechtfertigt sich mit unzureichenden Finanzmitteln.

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14. März 2014, 16:00 Uhr

Es ist Mitte Juli 2013, als das Pinneberger Tageblatt den mutmaßlichen Baupfusch an der Theodor-Heuss-Schule (THS) öffentlich macht. Bei der Sanierung der Schulfassade ist offenbar geschlampt worden. Ein Aufschrei geht durch die Stadt. Politiker fordern Aufklärung. Bürgermeisterin Urte Steinberg verspricht, dem nachzukommen. Jetzt liegt erstmals eine schriftliche Stellungnahme des Bauamts vor. Tenor: Die Politik hat nicht genug Geld bereitgestellt.

Bei dem Schreiben handelt es sich um das Protokoll zu einer Ratsversammlung. Es soll Antworten auf Fragen geben, die bereits während einer Sitzung im Oktober 2013 gestellt worden waren. Seinerzeit hatte Ulrike Graefen, Mitglied des Elternbeirats der THS, wissen wollen, wie es zu Baumängeln kommen konnte. Hintergrund: Die Fassade der Schule war 2011 teilweise abgebrochen – und nur mittels Bauplanen gegen die Witterung geschützt worden. Die Sanierung war jedoch weder 2012 noch 2013 fortgesetzt worden. Folgen: Feuchtigkeit in Klassenräumen. Und Schaden an der Bausubstanz.

Die Stadtverwaltung verweist in dem erst kürzlich veröffentlichten Protokoll darauf, dass „für den 2011 zur Sanierung vorgesehenen Fassadenabschnitt nicht genug Mittel“ zur Verfügung gestanden hätten. Weiter heißt es: „Im Haushalt 2012 wurden zunächst noch 430.000 Euro bereitgestellt, die dann aber im Rahmen der Kürzungsvorgabe des Landes bei der Haushaltsgenehmigung für das Jahr 2012 gestrichen wurden.“

Im zweiten Nachtragshaushalt 2012 seien im Herbst des Jahres zwar 100.000 Euro vorgesehen gewesen. Das Geld sei jedoch „für die Sanierung der Fassaden des Innenhofes nicht ausreichend“ gewesen und zudem „zu spät bereit gestellt“ worden.

Ulrike Graefen hätte die Antworten auf ihre in öffentlicher Sitzung gestellten Fragen gern persönlich entgegen genommen. Darauf wartet sie jedoch bis heute vergeblich. „Ich habe kein Schreiben erhalten.“ Die Argumentation der Stadtverwaltung ist für sie zudem nicht schlüssig. Graefen ist verärgert, spricht von offensichtlichen Planungsfehlern. Und fragt, warum die 100.000 Euro, die 2012 bereitstanden, nicht für eine Sicherung der Fassade genutzt wurden. „Da wurden Folgeschäden in Kauf genommen, für mich ein Skandal.“

Nach den Versäumnissen der vergangenen Jahre blickt Graefen aber auch nach vorn: „Wir sind in großer Sorge, die Zeit drängt.“ Sanierungen an der THS müssten zeitnah in Angriff genommen werden. Vor allem der Innenhof müsse noch in diesem Jahr angepackt werden. „Es geht darum, den Schülern endlich ein würdiges Umfeld zu bieten.“ Ob daraus etwas wird, ist zumindest fraglich. Zwar hat die Politik Geld für Schulsanierungen in den Etat 2014 eingearbeitet. Doch der liegt aktuell zur Genehmigung im Innenministerium. Gut möglich, dass Kiel – wie bereits 2012 – Kürzungen vorschreibt.

Für Andreas Meyer, Fraktionschef der Christdemokraten, sind die Antworten aus der Stadtverwaltung nicht ausreichend. Er fordert eine grundlegende Aufarbeitung der Baumängel am Heuss-Gymnasium. „Ich will wissen, wo die Fehler im System sind“, so Meyer gestern. „Bürgermeisterin Steinberg hat uns zugesagt, dass externe Prüfer beauftragt werden.“ Ihm sei mitgeteilt worden, dass das erst geschehen könne, wenn der Etat 2014 genehmigt sei. „Die Geschichte ist nicht vom Tisch, wir bleiben dran“, so der CDU-Fraktionschef. Und wird deutlich: „Wir wollen wissen, wie so etwas überhaupt passieren kann.“

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