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Pilotprojekt in Halstenbek : Baumschuler im Kreis Pinneberg auf der Suche nach Alternativen zu chemischen Schädlingsvernichtern

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Mit dem Bügeleisen über den Acker: Betriebe kämpfen mit Bodenbedampfung gegen Würmer und Pilze. EU fördert die Forschung im Kreis Pinneberg.

shz.de von
erstellt am 10.Jun.2016 | 10:00 Uhr

Halstenbek | Es sieht gefährlich aus, was da auf dem Acker von Holger Grelck passiert. Ein Mitarbeiter des Halstenbeker Baumschulers ist mit einem Traktor unterwegs. Im Schlepp ein riesiger Heizkessel, der unablässig heißen Dampf auf das Feld bläst. „Am Anfang hatte ich einen Heidenrespekt vor dem Ding. Aber es lässt sich gut bedienen“, sagt Grelck.

Der Unternehmer testet ein neues Verfahren gegen Bodenmüdigkeit. Was Bodenmüdigkeit genau ist, bleibt vage. „Wir beobachten kümmerliches Wachstum bestimmter Pflanzen“, sagt Heinrich Lösing vom Versuchs- und Beratungsring Baumschulen (VUB) Schleswig-Holstein. Einige Verursacher des Phänomens seien bekannt, darunter Fadenwürmer und Pilze. Doch würden auch Prozesse im Boden vermutet, deren Bedeutung für die Bodenmüdikeit noch nicht geklärt sein. Bisher wurde sie mit Basamid-Granulat bekämpft.

Doch die Chemikalie ist schon seit Jahren nicht mehr zugelassen und durfte von den Baumschulen in der Region zuletzt nur mit einer Ausnahmegenehmigung ausgebracht werden. „Doch damit ist jetzt Schluss. Deswegen brauchen wir dringend Alternativen“, sagt Grelck. Im vergangenen Jahr habe er auf einem Feld bis zu 20 Prozent der Jungpflanzen verloren. „Normal sind etwa drei Prozent.“

Während der Traktor mit einer Geschwindigkeit von etwa 100 bis 150 Metern pro Stunde über die Baumschulfläche kriecht, wuseln Theresa Hoyer und Marie-Luise Schachtschneider über das Feld und notieren wichtige Daten wie Geschwindigkeit der Maschine und die Bodentemperatur. 80 Grad Celsius müssen es sein, um die Erde zu desinfizieren. „Es macht einen großen Unterschied, ob ich den Boden im Frühjahr bei etwa sechs Grad Celsius oder im Sommer bei mehr als 20 Grad Celsius bedampfe“, sagt Lösing.

Beratungsring erforscht neue Methode

Eine Projektgruppe, zu der auch der VUB gehört, hat etwa 300.000 Euro Fördergeld von der EU bekommen, um die Testläufe mit dem überdimensionalen Bügeleisen zu dokumentieren und zu evaluieren. Welchen Einfluss haben Volumen und Feuchtigkeit des Bodens? Wie verhält sich das Unkraut? Was passiert mit den Nährstoffen im Boden? Wie schnell kann der Traktor fahren? Es sind nur einige von vielen Fragen, die in dem Pilotprojekt beantwortet werden sollen.

Und es geht um die Wirtschaftlichkeit der Methode. Und damit um bares Geld. 5000 bis 7500 Liter Heizöl schluckt der Heizkessel pro Hektar. Bis zu 10.000 Euro kostet das. Das ist etwa doppelt so viel wie die Anwendung von Basamid und damit teuer. Und es ist auch umweltschädlich. „Ein Ziel des Projektes ist auch, die Maschinen deutlich effizienter zu machen“, sagt Lösing. Serienmodelle gibt es nicht. Auf dem Acker fährt der Prototyp eines süddeutschen Unternehmens. Die Dampfhaube ist etwa einen Meter breit. Damit schafft das Gerät ein Beet pro Fahrt. In Zukunft soll eine breitere Maschine drei Beete zugleich bearbeiten. Die Baumschule Grelck gehört mit ihren 40 Hektar für Forstbäume zu den größeren Betrieben im Kreis Pinneberg. „Im Moment erscheint die Bedampfung alternativlos“, sagt Grelck. Weitere vier Unternehmen im Kreis Pinneberg erprobten das Verfahren.

Auf der Fläche nahe des Krupunder Sees haben Mitarbeiter der Baumschule nach der Bedampfung Saat ausgebracht. Ein zweiter Traktor streut Sand aus. Er soll verhindern, dass der Boden bei Hitze zu schnell austrocknet, brüchig wird und die jungen Keimlinge eingehen. Was die neue Methode für das Wachstum von Unkraut bedeutet, wird sich schon bald zeigen. Ob sie auch den Jungpflanzen hilft, lässt sich erst im Sommer sagen.

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