Bewässerungsanlagen im Dauereinsatz : Baumschulen im Kreis Pinneberg: Die Hitze treibt die Kosten hoch

Per Schlauch wird das Wasser aus dem rund 200 Meter entfernten Brunnen der Baumschule Steffen transportiert und dann mit der Regenkanone auf die  Felder gebracht. Seit Mai ist die Beregnungsanlage fast im Dauereinsatz.

Per Schlauch wird das Wasser aus dem rund 200 Meter entfernten Brunnen der Baumschule Steffen transportiert und dann mit der Regenkanone auf die  Felder gebracht. Seit Mai ist die Beregnungsanlage fast im Dauereinsatz.

Seit Wochen müssen die Betriebe ihre Pflanzen bewässern. Kleinen Baumschulen fehlen oft eigene Brunnen.

shz.de von
23. Juli 2018, 10:10 Uhr

Kreis Pinneberg | Die Sonne brennt vom Himmel. Und Regen ist nicht wirklich in Sicht. Das, was für Urlauber, Ausflügler und Badefans ein Traum ist, ist für viele Baumschuler ein großes Problem: Sie müssen seit Monaten ihre Pflanzen  bewässern. Und das geht ins Geld.

Die Baumschulen sind ein wichtiger Wirtschaftsfaktor im Kreis Pinneberg. Zwischen Hamburg und der dänischen Grenze gibt es etwa 400 Baumschulbetriebe. Zusammen bewirtschaften sie  etwa 4200 Hektar Fläche. 73 Prozent der Betriebe und  85 Prozent der Produktionsfläche, rund  3500 Hektar,  befinden sich im Kreis Pinneberg. Der Kreis Pinneberg ist damit  eines der größten geschlossenen Baumschulgebiete der Welt mit mehr als  200-jähriger Tradition.

Besonders betroffen sind Baumschuler, die ihre Pflanzen im Freiland anbauen. Und das sind die meisten im Kreis Pinneberg. Viele haben zwar eigene Brunnen. Doch gefördert werden muss das Nass häufig mit Dieselmotoren. „Das geht ins Geld“,  weiß Angelika Steffen, stellvertretende Vorsitzende des Landesverbands Schleswig-Holstein im Bund deutscher Baumschulen. Denn nicht auf allen Feldern sind Regenrohre installiert. Anderswo sind  Regenkanonen im Einsatz.  Doch die müssen hin- und hertransportiert werden. Das kostet Zeit und Personal. „Vor allem im Freiland ist die Trockenheit deshalb ein großes Problem. Da kann man kaum hinterherlaufen“, sagt Steffen. Sie spricht von „erheblichen Kosten“ der Betriebe, die in einigen Fällen sogar fünfstellige Eurobeträge sein könnten.

Es kommt auf den Regen an

Der Regen in der zweiten Juliwoche, „hatte die Lage etwas entspannt“, sagt sie. Zumal es ein leichter und gleichmäßiger Regen war. Bei kurzen, kräftigen Schauern, kann der trockene  Boden das Wasser meist gar nicht richtig aufnehmen. Doch nun brennt schon wieder seit Tagen die Sonne. Und deshalb wird wieder Wasser aus den Brunnen gepumpt und auf die Felder gebracht.  „Das ist alles sehr aufwendig“, sagt Steffen. Auch die Beregnungsmaschinen sind nicht überall einsetzbar. „Der Strahl von Regenkanonen ist für Jungpflanzen oft zu hart“, erläutert  sie.

Als Folge der Witterung sei zudem das Wachstum  bei vielen Pflanzen geringer als üblich gewesen. „Die brauchen Wasser und Wärme.“ Wärme habe es genug gegeben. Mit dem Wasser habe es oft gehapert. Zudem gibt es Pflanzen, wie Hortensien, die trotz guter Bewässerung unter der Hitze leiden und Trockenschäden bekommen.

Eigene Brunnen als Vorteil

Betriebe, die eigene Brunnen haben, sind weitaus weniger finanziell gebeutelt, als die, die auf die öffentliche Wasserversorgung  zugreifen müssen. Allerdings gibt es auch Brunnen, deren Wasser sehr eisenhaltig ist. Das hinterlässt braune Flecken auf Blättern und muss deshalb herausgefiltert werden. Deshalb steht für Steffen fest: „Regen ist immer noch am besten."

Aber auch Betriebe, die sich auf Containerpflanzen konzentriert haben und eine kleinere Fläche bewirtschaften, zahlen mehr. Sie fördern ihr Wasser mit Elektromotoren. Und das treibt die Stromkosten in die Höhe. Richtig übel dran sind angesichts der langen Trockenheit kleine Betriebe, die keine eigenen Brunnen haben. Die müssen das Wasser aus dem öffentlichen Netz nehmen. Und da für jeden Liter Frischwasser auch die Abwassergebühr berechnet wird, schlägt das heftig zu Buche. „Für diese Betriebe ist das wirklich drastisch in diesem Jahr“, sagt die Baumschulerin. 

Viele dieser Betriebe hätten im Frühjahr vorausschauend weniger Pflanzen gesetzt. Denn nach der späten, aber langen Frostperiode hatte schon bald die Trockenheit begonnen. „Seit Anfang Mai hatten  wir gerade dreimal etwas stärkere Regenfälle“, sagt Angelika Steffen. Ihr Wunsch ist deshalb nachvollziehbar: „Ein schöner, gleichmäßiger Regen.“

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