BDB fordert Entschädigungsfonds : Baumschulbetriebe im Kreis Pinneberg: „Schädlinge werden uns treffen“

So tickt die Baumschulwirtschaft: BDB-Geschäftsführer Frank Schoppa (links) und BDB-Vorsitzender Axel Huckfeldt sprachen über die Herausforderungen der Branche.
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So tickt die Baumschulwirtschaft: BDB-Geschäftsführer Frank Schoppa (links) und BDB-Vorsitzender Axel Huckfeldt sprachen über die Herausforderungen der Branche.

Die Betriebe fürchten Quarantänezonen und üben Kritik an den Branchendaten der Statistiker.

shz.de von
31. Januar 2018, 10:00 Uhr

Ellerhoop | Mitglieder und Ehrengäste des Landesverbands Schleswig-Holstein im Bund deutscher Baumschulen (BDB) haben während ihrer Mitgliederversammlung in Ellerhoop am Montag auf die Herausforderungen in der Branche geblickt. Eine Sorge: Invasive Schädlinge könnten Quarantänezonen mit sich bringen, welche die Branche lähmen würden. Die Mitgliederversammlung bietet traditionell einen Blick in die Befindlichkeiten der Branche.

„Derzeit sprechen alle über die afrikanische Schweinepest. Doch auch die Baumschulen können von eingeschleppten Schädlingen massive getroffen werden“, sagte Axel Huckfeldt, Landesvorsitzender des BDB. „Auch die Baumschulwirtschaft ist globalisiert. Es wird auch uns treffen.“ Sollten sich Schädlinge ausbreiten, welche Quarantänezonen erforderten, seien Betriebe schnell in ihrer Existenz gefährdet. „Sperrzonen, Pufferzonen und Transportverbote werden die Betriebe hart treffen.“

Biologischer Pflanzenschutz gefordert

Klar ist für Huckfeldt auch: Es geht ums Geld. „Im Gegensatz zu anderen Bereichen in der Landwirtschaft gibt es für uns keine Entschädigungslösung. Und deswegen haben wir den Entwurf für einen Entschädigungsfonds vorgelegt“, sagte der Verbandsvorsitzende. Er forderte zudem stärkere Forschungsbemühungen im biologischen Pflanzenschutz. Die Baumschuler selbst gingen mit gutem Beispiel voran. „Wir sind der einzige Verband, der zertifizierte Schädlingsspürhunde einsetzt.“

Wie in anderen zweigen der Landwirtschaft auch haben die Baumschulen seit Monaten mit schlechtem Wetter zu kämpfen. „So etwas habe ich noch nicht erlebt. Die Böden sind völlig aufgeweicht und mit den Maschinen kaum zu bearbeiten“, sagte Huckfeldt. Die Stürme „Herwart“ und „Xavier“ hätten zudem in der besten Pflanzzeit zugeschlagen. Schlimmer noch als die unmittelbaren Wetterschäden sei, dass die gesamte Vermarktungskette gestört werde. „Wenn die Abnehmer wie Gartenbaubetriebe nicht arbeiten, werden wir unsere Produkte nicht los. Wir stellen ein verderbliches Produkt her. Wenn die Pflanzen bis Mai nicht in den Boden kommen, können wir da nur noch Biomasse draus machen.“

Heftige Kritik übte der Verbandsvorsitzende an den Erhebungsmethoden des Statistikamts Nord, welches jüngst die Branche unter die Lupe genommen hatte. Ergebnis der Studie: Sowohl die Zahl der Baumschulen als auch die Anbauflächen gingen zurück. Nach Ansicht des BDB zeichnet die Studie jedoch ein verzerrtes Bild der Baumschulwirtschaft. „Wir sind zwar in einem Strukturwandel und die Zahl der Betriebe sinkt. Die Anbaufläche jedoch ist stabil geblieben.“ Dies sei auch mit Beitragszahlungen der BDB-Mitglieder belegbar. Die Beiträge werden in Abhängigkeit von der Fläche erhoben. „Niemand meldet freiwillig Flächen, die er nicht hat. Der Umfang der sogenannten Beitrags-Hektare ist somit eher zu niedrig als zu hoch“, sagte Huckfeldt.

Auch die Fachkräftegewinnung treibt die Baumschuler um. „Unsere Imagekampagne hat keine Verbesserung gebracht“, räumte Huckfeldt ein. Trotzdem sei die Aktion „Ausbildungsbetrieb des Jahres“ ein positives Zeichen.

Während der Versammlung standen auch Vorstandswahlen an. Huckfeldt, der nun in die dritte Amtszeit geht, wurde im Amt bestätigt. Ebenfalls zum Vorstandsteam gehören Angelika Steffen und Jan-Hinrich Heydorn als Stellvertreter, Niels Reinke als Beisitzer, Mathias Münster als Schatzmeister und John-Hermann Cordes als Beisitzer.

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