„Bauhöfe dürfen nicht fusionieren“

Der Mann, dem die Bürgermeister vertrauen: Zu seiner Verabschiedung drückten alle drei Bürgermeister, unter denen Holger Fuß arbeitet, ihm seine Anerkennung aus.
Der Mann, dem die Bürgermeister vertrauen: Zu seiner Verabschiedung drückten alle drei Bürgermeister, unter denen Holger Fuß arbeitet, ihm seine Anerkennung aus.

Holger Fuß arbeitete 38 Jahre für Prisdorf

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18. August 2018, 16:26 Uhr

Als Urgestein der Gemeinde Prisdorf ist er erst vor wenigen Wochen feierlich in den Ruhestand verabschiedet worden. 38 Jahre leitete Holger Fuß den Bauhof, 36 Jahre ist er zudem auch aktiver Feuerwehrmann. Darüber, wie sich die Gemeinde und somit auch die Arbeit des Bauhofes in seiner Amtszeit verändert hat, sprach er mit unserer Zeitung im Freitagsgespräch.

Eingestellt wurde Fuß am 1. Februar 1980. Damals war er der einzige Arbeiter. Das Hab und Gut des Bauhofes passte in eine Pkw-Doppelblechgarage. Modernstes Gerät sei ein Aufsitzrasenmäher gewesen – ohne Kabine. Hilfe bekam er damals, wenn größere Geräte von Nöten waren, von Landwirten und Baumschulbetrieben aus dem Ort. „Jutta und Jürgen Breckwoldt haben mich von ihrer Baumschule aus in den Achtzigern enorm unterstützt“, sagt er. Insbesondere bei Winterdiensten sei das nötig gewesen.

1981 bekam Fuß einen Kollegen: Klaus Quars sollte bis zu seinem Ruhestand 1997 an Fuß’ Seite arbeiten. Mitte der achtziger Jahre, damals unter Bürgermeister Hans-Albert Höft (CDU) bekam der Bauhof auch den ersten Trecker: Das Modell „Bergmeister“ kam aus dem Weinbau und hatte 50 PS. Zur gleichen Zeit zog auch die Feuerwehr in eine neue Wache und der Bauhof konnte deren vorigen Sitz übernehmen. Außerdem habe die Gemeinde auch eine Scheune als Lagerraum für Materialien wie Streusalz angemietet. „Das war schon was“, erinnert sich Fuß an seine wachsende Dienstausstattung.

Der Arbeitsaufwand wurde aufgrund der Neubaugebiete immer größer. Gerade bei der Planung des Gebietes Schneckenfeld sei Arbeit auf den Bauhof zugekommen. Ausgleichsflächen hätten damals noch vor Ort geschaffen werden müssen. Entsprechend hatte der Bauhof viele Grünbereiche zu betreuen. Auf Wunsch von Bürgermeister Höft seien auch große Mengen Blumen gepflanzt worden: „12 000 Krokusse haben wir einmalig und 15 000 Blumen jedes Jahr ausgesetzt“, erinnert sich Fuß. Das sei mittlerweile aber aufgrund des gestiegenen Arbeitspensums deutlich zurückgeschraubt worden.

Wohngebiete wie das Schneckenfeld, Römken und vorm Dickersbach – die Gemeinde wandelte sich zunehmend vom landwirtschaftlich geprägten Dorf zu einer Wohngemeinde. „Es hat sich verändert, aber es ist nicht schlechter geworden“, betont Fuß.

1991 kam mit Ingo Falkenhagen die dritte Kraft in den Bauhof. Johann Kappes löste 1997 seinen Vorgänger Quars ab. Und 1995 kam ein technischer Mitarbeiter hinzu: Ein Pflegeschlepper. 2018 ist jetzt für etwa 75 000 Euro das dritte Modell in den Dienst genommen worden. „Alle Bürgermeister, mit denen ich gearbeitet habe, haben immer unterstützt, was wir benötigten. Dafür bin ich dankbar“, sagt Fuß rückblickend. Mit einer vernünftigen Begründung zur Notwendigkeit der Anschaffung sei jeder Bürgermeister kooperativ gewesen.

Aktuell sind nur zwei Mitarbeiter auf dem Bauhof tätig, da der dritte Mann krankheitsbedingt länger ausfällt. „Dauerhaft ist das aber nicht zu schaffen“, mahnt Fuß. Die Arbeit sei auch bürokratisch aufwendiger geworden. Täglich sei Fuß einige Stunden im Büro gewesen, weil die Aktivitäten des Bauhofs mittlerweile genau dokumentiert werden müssen. Stören tue ihn das aber nicht. „Das dient letztlich zu unserem Schutz“, erläutert er. „Sollte irgendwas passieren, ist belegbar, dass wir ordentlich gearbeitet haben.“ Das nenne sich Süfo, was für Selbstüberwachungsverordnung steht. Zu den Aufgaben des Bauhofes gehört zum Beispiel die Kontrolle der 21 Einlaufstellen von Regenwasser in Pinnau und Bilsbek. Drei Spielplätze im Gemeindebereich müsse der Bauhof kontrollieren: Die Geräte werden wöchentlich begutachtet, monatlich sei eine Verschleißkontrolle durchzuführen.

Fuß lobt die Kooperation, die sich mit dem Kummerfelder Bauhof etabliert habe. Gegen ein Zusammenlegen mehrerer Bauhöfe ist er aber strikt: „Wenn man seinen eigenen Bauhof hat, haben die Mitarbeiter eine andere Verbindung und Identifikation mit ihrem Ort und den Bürgern“, sagt er. Sich gegenseitig zu helfen und eventuell teure aber selten benötige Geräte zu teilen, sei hingegen sinnvoll.

Fuß’ Nachfolge trat der Prisdorfer Torben Conrad an. Den kennt Fuß bereits von der Feuerwehr. Dort habe Ersterer Fuß Dienst als Atemschutzgerätewart übernommen. „Das ist ein Amt, bei dem man 150 Prozent geben muss. Wenn am Atemschutz etwas nicht stimmt, kann das den Kamerad das Leben kosten“, sagt Fuß. Entsprechend habe er dessen Bewerbung befürwortet: „Weil er ein vernünftiger Junge ist.“

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