Bauern beklagen Flächenschwund

Obstbauer und Verbandsfunktionär Georg Kleinwort gibt der Landtagsabgeordneten Barbara Ostmeier (CDU) einen Fingerzeig und klagt ihr auf seiner Kirschenplantage das Leid der Landwirte.
Obstbauer und Verbandsfunktionär Georg Kleinwort gibt der Landtagsabgeordneten Barbara Ostmeier (CDU) einen Fingerzeig und klagt ihr auf seiner Kirschenplantage das Leid der Landwirte.

Hoftermin in Haselau-Hohenhorst: CDU-Politiker informieren sich über Probleme der Landwirte / Naturschützer in der Kritik

shz.de von
24. Juni 2014, 16:00 Uhr

Bauern in Angst um die Kulturlandschaft: Seit Jahren schon beklagen sie immer wieder den Flächenschwund. Damit meinen die Landwirte nicht nur die Versiegelung von Boden mit Straßen und Gebäuden. Sie kritisieren auch den hohen Bedarf an Ausgleichsflächen, die für Bauprojekte angelegt und dem Naturschutz dienen müssen. Am Montag trafen sich Vertreter des Kreisbauernverbands Pinneberg und Politiker der CDU auf dem Obsthof Deekenhörn in Haselau-Hohenhorst, um über die Zukunft der Branche zu diskutieren. Gastgeber dort war Georg Kleinwort, der zugleich Vorsitzender des Kreisbauernverbands ist.

Knackpunkte aus Sicht der Landwirte: Ein geplantes Vorkaufsrecht für Naturschutzbehörden oder Stiftungen, die anvisierte Ausweitung von Naturschutzgebieten von 13 auf 15 Prozent der Landesfläche, strengere Schutzregeln für Dauergrünland und der hohe Bedarf an Ausgleichsflächen für Bauprojekte.

Tatsächlich ist die landwirtschaftlich genutzte Fläche im Kreis Pinneberg während der vergangenen zehn Jahre immer kleiner geworden. 2011 waren es laut dem Statistikamt Nord etwa 41 200 Hektar und damit etwa 62 Prozent der Kreisfläche. 2001 waren es noch etwa 43 200 Hektar – und damit etwa 65 Prozent. In diesen Zahlen ist allerdings nicht abgebildet, ob die Fläche intensiv als Ackerland oder extensiv, etwa für Beweidungsprojekte im Naturschutz, genutzt werden. Da die Stiftung Naturschutz während der vergangenen Jahre zunehmend Flächen übernommen hat, ist davon auszugehen, dass der Flächenverlust aus Sicht der intensiv wirtschaftenden Bauern noch deutlich größer ist (siehe Infokasten).

Schuld daran ist nach Ansicht der Bauern zunehmende Versiegelung durch Bauprojekte. Darin sind sie sich mit Naturschutzverbänden einig. Streit gibt es bei sogenannten Ausgleichsflächen (Artikel unten). Dieses Land muss für den Naturschutz reserviert werden, wenn etwa Straßen oder andere Infrastrukturprojekte angegangen werden. „Es kann nicht sein, dass wertvollstes Ackerland aus der Produktion genommen wird, um es extensiv zu bewirtschaften oder brachliegen zu lassen“, sagt Peer Jensen-Nissen, Geschäftsführer des Kreisbauernverbands.

Im Kreis Pinneberg ist das Problem besonders garvierend. Weil es Hamburg an Flächen mangelt, könne für Großstadtprojekte auch Ausgleich in den benachbarten Landkreisen geschaffen werden. Außerdem sei ein schleswig-holsteinweites Vorkaufsrecht für Naturschutzbehörden geplant, wenn Land den Eigentümer wechselt. „Das alles erhöht Kauf- und Pachtpreise, die ohnehin auf hohem Niveau sind“, klagt Jensen-Nissen. Innerhalb der vergangenen zehn Jahre hätten sich die Pachten etwa verdoppelt.

Der Verband fordert andere Ausgleichsmöglichkeiten. „Überdachungen von Obstbäumen sparen bis zu 80 Prozent Spritzmittel“, sagt Kleinwort, der seit fünf Jahren Kirschbäume mit Folien schützt. Das solle angerechnet werden. Außerdem solle die Begrünung von Stadtgebieten auf Ökokonten gutgeschrieben werden. Und auch andere Branchen, wie etwa die Hafenwirtschaft, müssten Umweltschutzbeiträge leisten, die angerechnet würden.

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