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Rücksicht auf das „Schutzgut Mensch“ : Bauausschuss: Erweiterungspläne des Baustoffzentrums Hass+Hatje sind vertagt

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Die Fraktionen und Anwohner des geplanten Baus pochen auf weitere Zugeständnisse.

Rellingen | Vertagt. Am Dienstag, 20.52 Uhr, war das das entscheidende Wort während der öffentlichen Sitzung des Rellinger Ausschusses für Bauwesen und Umwelt im Rathaus. Vertagt wurde die Entscheidung über einen Entwurfs- und Auslegungsbeschluss für die Erweiterungspläne des Baustoffzentrums Hass + Hatje in der Rellinger Eichenstraße 30-40. Vertagt wurde die Entscheidung darüber, ob es für die anwesende Geschäftsführung um Ines Kitzing und Ralf Lüthje grünes Licht gibt für den Bau einer weiteren Lagerhalle zur Kapazitätsverdoppelung auf dann 60.000 Quadratmeter.

Für Eckhard Schlesselmann, Vorsitzender des Gremiums, kam die Beschlussfassung überraschend. Für den Christdemokraten stand im Vorfeld fest, dass nach langen Gesprächen mit allen Beteiligten, nach der Ausformulierung der Fakten auf mehr als 1000 Seiten, eine Einigung hätte erzielt werden können. Doch ausgerechnet sein Parteifreund Rolf-Rüdiger Schmidt war es, der als Kritiker Bedenken äußerte.

Es dürfte Schmidts Versprechen geschuldet sein, das er den Bürgern vor 15 Jahren für den ersten großen Ausbau gegeben hatte: Es solle die letzte Investition in der Größenordnung sein, hieß damals der Wortlaut. Dass nun der Investor nachlegen und expandieren will, dürfte den Kommunalpolitiker Schmidt in Gewissensnöte bringen.

Irritiert über den Verlauf des Abends: Die Rellinger Hass  +  Hatje-Geschäftsführer Ines Kitzing und Ralf Lüthje.
Irritiert über den Verlauf des Abends: Die Rellinger Hass + Hatje-Geschäftsführer Ines Kitzing und Ralf Lüthje. Foto: Vogel
 

Sachlich trug Schmidt vor, dass er und seine Fraktion das Ziel verfolgen würden, dass es „keine Gewinner und keine Verlierer gibt“. Doch brach er eine Lanze für die zahlreich erschienenen Anwohner, organisiert als Anlieger Interessen Gemeinschaft (A.I.G) mit ihren Sprechern Wolfhart Pauksch und Jürgen Schleser. Schmidt wollte dem Gutachten, vorgetragen von Peter Scharlibbe vom BISS Büro für integrierte Stadtplanung in Aukrug, nicht ganz Glauben schenken. Besonders der Komplex Verkehr ließ ihn zweifeln: „Der wird zunehmen. Da müssen wir nachschärfen.“ Zudem müsse geprüft werden, ob Schallreflexionen von der Hallenwand technisch eingedämmt werden können. Auch müsse die Begrünungsanlage bis an die Gärtnerstraße heran geplant werden, das Hallendach begrünt und eine Blendschutzeinrichtung – mehr als drei Meter hoch – in Richtung zu den Wohngebieten eingeplant werden.

Der BUND spreche in diesem Kontext vom „Schutzgut Mensch“, sagte Scharlibbe während seines Vortrags. Für Achim Diekmann (Grüne) Grund genug, ebenfalls auf Nachbesserungen zu pochen. Grundsätzlich lobe er die Zusagen von Seiten der Investoren. Genannt seien die Begrünung, Verzicht auf Werbeflächen, der Erhalt der Baumreihe hin zur Gärtnerstraße. „Sie sind substanziell zu würdigen.“ Doch die Grünen würden das Vorhaben ablehnen, hoffen aber weiter auf Annäherung. Auch SPD-Parteichef Christian Zimmermann betonte, dass es keinen Beschluss geben dürfe, solange nicht die Lärmschutzfrage in die Pläne eingeflossen sei.

Will mehr Schutz für Anwohner: Rolf-Rüdiger Schmidt (CDU).
Will mehr Schutz für Anwohner: Rolf-Rüdiger Schmidt (CDU). Foto: Vogel
 

Pauksch von der Anwohnerinitiative machte Druck: Der neue Baukörper müsse der Wohnbebauung angepasst sein, Dach und Wand begrünt und eine Schutzmauer zum Eichenplatz und zur Eichenstraße angelegt werden. Eine mögliche Absenkung des Grundwassers müsse verhindert werden. Pauksch pochte so unnachgiebig, dass Schlesselmann ihm ins Wort fiel: „Ihre Forderung, dass die Ausgleichsfläche auf der vorhandenen umgesetzt werde, ist unrealistisch und nicht verhandelbar.“

Nachdem auch noch A.I.G.-Sprecher Jürgen Schleser und Anwohner Jochen Hilbert, seit 1958 im Banskamp wohnhaft, massive Kritik äußerten, drängte Schlesselmann auf einen Schluss der Debatte. Er schlug vor, die Anregungen der Parteien und Bürger planerisch überprüfen zu lassen, um „im nachhinein abwägen zu können, was machbar und realisierbar ist.“ Gründlichkeit gehe vor Schnelligkeit – die Ergebnisse dürften wohl erst nach der Sommerpause vorliegen.

Hass + Hatje-Chefin Ines Kitzing reagierte am Ende irritiert: „Das wird eine unendliche Geschichte. Ich weiß nicht, wie es weitergeht. Ich dachte, wir hätten alle Auflagen erfüllt. Entscheidungen müssen getroffen werden.“

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erstellt am 23.Jun.2016 | 16:00 Uhr

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