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Versuchte Brandstiftung beim THW : Barmstedter zu 16 Monaten auf Bewährung verurteilt

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Aus der Redaktion der Elmshorner Nachrichten

Grundlage für das Urteil war eine Verständigung – eine umgangssprachlich als Deal bezeichnete Vereinbarung – zwischen dem Angeklagten, der Staatsanwaltschaft und dem Gericht.

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erstellt am 04.Mär.2016 | 10:00 Uhr

Elmshorn/Barmstedt | Der THW-Helfer Marcel S. ist am Donnerstag vom Amtsgericht Elmshorn wegen versuchter Brandstiftung zu einem Jahr und vier Monaten Gefängnis, ausgesetzt zur Bewährung, verurteilt worden. Zudem muss er 1000 Euro Geldstrafe zahlen. Richterin Renate Päschke-Jensen sah es als erwiesen an, dass er am 7. Februar des vergangenen Jahres auf dem THW-Gelände in Barmstedt Feuer gelegt hatte. Damals brannte es unter dem Vordach einer Fahrzeughalle. Unter dem Vordach lagerten auch Gasflaschen.

Grundlage für das Urteil war eine Verständigung – eine umgangssprachlich als Deal bezeichnete Vereinbarung – zwischen dem Angeklagten, der Staatsanwaltschaft und dem Gericht. Dem Angeklagten war eine Freiheitsstrafe zwischen zwölf und 18 Monaten in Aussicht gestellt worden, sollte er gestehen. Das tat er gleich zu Beginn der Verhandlung. Seine Darstellung: Abfällige Äußerungen von Kollegen im Technischen Hilfswerk hätten ihn frustriert. Am Abend des 7. Februar sei er zum Gelände der Katastrophenhelfer gefahren. Dort habe er angefangen, mit einem Feuerzeug an gestapelten Kunststoffsäcken zu zündeln. Nachdem sich die Flammen nicht mehr löschen ließen, flüchtete er. Den Notruf wählte er nicht.

Ein Feuerwehrmann berichtete gestern als Zeuge von einer hellen Flamme, die auf Brandbeschleuniger hindeute. Er habe zudem geöffnete Gasflaschen entdeckt. Die Rettungskräfte befürchteten Explosionen.

„Habe die Säcke angezündet“

Für die Barmstedter Feuerwehr war es ein riskanter Einsatz. Nachdem sie am 7. Februar des vergangenen Jahres zu einem Brand auf dem Gelände des Technischen Hilfswerkes (THW) gerufen wurden, mussten die Einsatzkräfte aus einer Deckung heraus löschen. Denn in einem Lager, aus dem Flammen schlugen, waren auch halbleere Gasflaschen abgestellt. Die Rettungskräfte fürchteten Explosionen.

Weil die Feuerwehr Hinweise auf geöffnete Flaschen hatte, ermittelte die Polizei wegen Brandstiftung. Die Spur führte damals zu dem Barmstedter Marcel S. Der THW-Helfer wurde gestern vom Elmshorner Amtsgericht wegen versuchter Brandstiftung zu 16 Monaten Freiheitsstrafe, ausgesetzt zur  Bewährung, verurteilt. Der Schuldspruch lautet auf versuchte Brandstiftung, weil die Flammen nicht auf die Fahrzeughalle übergriffen und sie von der Feuerwehr gelöscht werden konnten. Außerdem muss der Verurteilte 1000 Euro Strafe zahlen und eine Therapie machen, um private Probleme in den Griff zu bekommen. Der 22-Jährige hatte gestanden, in dem Lager neben einer Fahrzeughalle Kunststoffsäcke angezündet zu haben. An den Gasbehältern habe er sich aber nicht zu schaffen gemacht.

Richterin  Renate Päschke-Jensen blieb in ihrem Urteil unter der Forderung von Staatsanwalt Peter Müller-Rakow. Er forderte 18 Monate Freiheitsstrafe auf Bewährung und 1000 Euro „symbolische Wiedergutmachung an das THW“. Rechtsanwältin Claudia Hauck-Delhey beantragte  zwölf Monate auf Bewährung.

Der Verhandlung war eine Verständigung, ein sogenannter Deal zwischen Staatsanwaltschaft, Angeklagtem und Gericht, vorausgegangen. Dem Barmstedter war ein Strafrahmen von zwölf bis 18 Monaten Gefängnis auf Bewährung in Aussicht gestellt worden, sollte er gestehen. Das bezog Päschke-Jensen in ihre Begründung ein. „Sie haben gestanden. Sie zeigen Reue. Und Sie sind nicht vorbestraft. Das ist zu Ihren Gunsten zu berücksichtigen“, sagte die Richterin. Die Bewährungszeit legte sie auf drei Jahre fest.

Das Risiko in Kauf genommen

Päschke-Jensen sagte aber auch: „Es handelt sich nicht um einen minderschweren Fall. Sie wussten, dass etwas Schlimmes passieren kann. Das haben Sie billigend in Kauf genommen.“ Laut Müller-Rakow war ein Schaden von etwa 52.000 Euro entstanden. Hinweise auf eine verminderte Schuldfähigkeit sah Päschke-Jensen nicht. In der Tat sieht sie einen besonderen Vertrauensbruch. „Umfragen zeigen, dass die Deutschen in Organisationen wie Feuerwehr und THW besonders großes Vertrauen haben. Sie sollten helfen, nicht zerstören.“ Zu den 1000 Euro Geldstrafe, die an eine Tafel gehen, sagte sie: „Wir wissen um Ihre hohen Mietschulden und die Unterhaltsverpflichtungen für Ihr Kind. Aber sie sollen die Strafe auch spüren.“ Der Betrag ist in monatlichen Raten von 50 Euro abzustottern.

Zu seinen Motiven sagte der Tiefbauer gestern: „Ich habe mich beruflich umorientiert und weniger Zeit ins THW investiert. Deswegen habe ich Druck bekommen. Kollegen haben sich abfällig über mich geäußert. Außerdem gab es private Probleme mit meiner damaligen Freundin, mit der ich auch ein Kind habe.“ Was der konkrete Auslöser für die Zündelei gewesen sei, wisse er nicht mehr. Vor Gericht hatte ein Einsatzleiter der Barmstedter Feuerwehr gesagt, drei geöffnete Gasflaschen entdeckt zu haben. Dass Marcel S. sie aufgedreht hatte, sah das Gericht allerdings nicht als erwiesen an.

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