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Bußgeld für Flüchtlingspaar : Bahnsteigkarte in Pinneberg: Das Hinweisschild am Bahnhof ist weg

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Pinneberg spricht seit Tagen über die Bahnsteigkarten-Pflicht - und ihre Abschaffung. Die Verwirrung wächst.

shz.de von
erstellt am 15.Apr.2015 | 10:34 Uhr

Pinneberg | Die Debatte um die Bahnsteigkarte am Bahnhof in Pinneberg hält weiter an. Und jetzt ist auch noch das einzige Schild, das auf die Bahnsteigkartenpflicht hinweist, nicht mehr da. Sind neu aufgekommene Forderungen nach der Abschaffung der Ticketpflicht damit hinfällig? Noch besteht darüber keine Klarheit, denn bisher ist ebenfalls unklar, wer das Schild entfernt hat. Wir bleiben weiter an dem Thema dran.

Die Ticketpflicht am Pinneberger Bahnhof. Sie gilt bislang auch, wenn man ihn nur zu Fuß passieren möchte, ohne eine Regional- oder S-Bahn zu nutzen. Die Stadt schaltet sich nun ebenfalls ein, appelliert an die Deutsche Bahn, auf die Bahnsteigkarte in der Kreisstadt zu verzichten. Das ist auch das langfristige Ziel der ehrenamtlichen Flüchtlingshelferin Beate Seifert. Die 66-jährige Pinnebergerin hatte sich an das Pinneberger Tageblatt gewandt, nachdem ein irakisches Ehepaar um 80 Euro abgezockt wurde. Weil es keine Bahnsteigkarte hatte und – ohne mit der Bahn fahren zu wollen – die Unterführung am Bahnhof nutzte.

Außer ihrer Tätigkeit als Flüchtlingshelferin, hat Seifert das Amt der Grünen-Vorsitzenden inne. Sie schlägt der Stadt und der Politik in einem Schreiben vor, das Thema in einem der kommenden Ausschüsse zu diskutieren. Denn nicht nur, dass viele Pinneberger nichts von der Pflicht gewusst hätten. Den öffentlichen Tunnel für Fußgänger und Radfahrer, der sich etwa etwa 100 Meter weiter befindet, vermeiden sie. „Zu diesem Tunnel schreibt eine Facebook-Nutzerin, dass er für sie und ihre kleine Tochter zu unheimlich und unsicher sei. In der Bahnhofsunterführung fühle sie sich wohler“, berichtet Seifert. 

„Wir können uns einfach nicht vorstellen, dass die Bahnsteigkarte für den HVV eine wichtige Einnahmequelle ist“, erklärt Seifert. Genau wie Klaus Seyfert, stellvertretender Bürgermeister, schlägt sie vor, künftig auf die Bahnsteigkarte zu verzichten. „Und das bevor die Bahn oder der HVV nun aufrüsten und neue oder fehlende Beschilderungen im stadtseitigen Zugangsbereich installieren“, so die Grünen-Vorsitzende. Ob die Forderungen durch das jetzt fehlende Hinweisschild jetzt überflüssig werden, ist unklar.

Außerdem plädiert Seifert dafür, die Ticketpflicht auch am Bahnhof in Thesdorf aufzuheben: „Ich bin der Meinung, dass der HVV nur in den Zügen die Beförderung kontrollieren sollte. Das reine Aufhalten auf dem Bahnsteig muss gebührenfrei sein.“

In Elmshorn geht’s ohne Bahnsteigkarte

Wie ist die Situation in Elmshorn? Am Beginn der beiden Fußgängertunnel ist kein Hinweisschild zu entdecken. Auf dem Bahnsteig wird zwar per Schild darauf hingewiesen, dass bei „Schnee und Glätte zeitweise nicht geräumt und gestreut“ wird. Nicht aber auf eine Vorschrift, eine Bahnsteigkarte erwerben zu müssen.  

Auch die Hausordnung der Deutschen Bahn, die in der Nähe der Bahnhofsmission aushängt, hilft nicht weiter. Unter anderem ist dort aufgelistet, dass auf dem Bahnhof und in seinem Umfeld unter anderem das „Durchsuchen der Abfallbehälter“, „übermäßiger Alkoholkonsum“ und das „Füttern von Vögeln“ verboten sind. Bahnsteigkarten werden nicht erwähnt. 

Auch die Fahrkartenautomaten lassen nicht erkennen, dass es möglich wäre, eine Bahnsteigkarte zu erwerben. Ohnehin würde man sich in Elmshorn, würden die harten Maßstäbe von Pinneberg angewandt, bereits strafbar machen, bevor man auch nur die theoretische Chance hätte, eine Bahnsteigkarte zu kaufen. Denn die Fahrkartenautomaten sind vor einiger Zeit, um Fahrgäste vor aggressiven Bettlern zu schützen, auf die Bahnsteige verlegt worden. Folglich muss man den Bahnsteig betreten, bevor man an die Automaten kommt.

Doch das alles ist ohnehin für Reisende in Elmshorn kein Thema. Bahnsteigkarten sind nur dort vorgeschrieben, „wo S-Bahn und U-Bahn fahren“, sagt Silke Seibel, Pressesprecherin des Hamburger Verkehrsverbunds (HVV) auf Anfrage. Und auch Egbert Meyer-Lovis von der Deutschen Bahn erklärt, dass dort, wo nur die Deutsche Bahn im Einsatz ist, keine Bahnsteigkarten vorgeschrieben sind. Damit sei die Bahnsteigkarte in Elmshorn ebenso wenig wie in Tornesch, Prisdorf oder den AKN-Haltestellen beispielsweise in Sparrieshoop oder Barmstedt vorgeschrieben.

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