Gleise in Thesdorf : Bahn sichert Tore nur provisorisch

Tore von der Bahn mit Absperrband verknotet. Pforte neben der Treppe an der S-Bahnstation ist nun mit einem Kettenschloss bestückt worden.

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10. Juni 2015, 10:00 Uhr

Thesdorf | Die Deutsche Bahn (DB) hatte schnelles Handeln zugesagt. Denn gleich zwei Tore am Thesdorfer Bahnhof waren vergangene Woche nicht gesichert. Sie zu öffnen war kinderleicht. Die dahinterliegenden Gleise könnten zur Todesfalle werden. Laut Bahn-Sprecherin Sabine Brunkhorst war ein DB-Mitarbeiter am 2. Juni vor Ort. Er habe die Tore gesichert. Allerdings nur provisorisch.

Die Pforte neben der Treppe an der S-Bahnstation ist nun mit einem Kettenschloss bestückt worden. Das andere Tor, beim Park&Ride-Parkplatz, ist mit rot-weißem Absperrband umwickelt. Ein Knoten hält es zu. „Das ist doch skurril“, sagt Peter Lindemann. Der 63-jährige Fernsehjournalist hatte sich an diese Zeitung gewandt. Den Missstand beobachtet Lindemann mittlerweile seit vier Wochen. Er hat bereits Kinder auf den Gleisen spielen sehen. Dort, wo regelmäßig S-Bahnen sowie Güter- und Schnellzüge entlang rauschen. „Das ist fahrlässig und ignorant“, kommentiert der 63-Jährige die offenen Tore. Zweimal rief er bei der Service-Hotline der Bahn an, wies auf die Gefahr am Thesdorfer Bahnhof hin. Zweimal erhielt er die Antwort: „Wir kümmern uns.“

Brunkhorst beschwichtigte bereits vergangene Woche auf Anfrage dieser Zeitung: „Wir sind nicht verpflichtet, dort überhaupt Tore anzubringen oder alles einzuzäunen. Dazu gibt es keine Vorschrift.“ Dennoch gestand sie ein: „Die Tore sollten geschlossen sein. Wer sie geöffnet hat, wissen wir nicht.“ Und Brunkhorst versprach: „Ein DB-Mitarbeiter wird kurzfristig die Tore schließen.“

Der Überwurf soll laut Bahnsprecherin noch befestigt werden. (Foto: Oster)
Der Überwurf soll laut Bahnsprecherin noch befestigt werden. (Foto: Oster)
 

Mit der jetzigen Konstruktion ist Lindemann unzufrieden. „Das ist ein absolutes Provisorium“, sagt er. Doch das wird laut Sprecherin Brunkhorst vorerst so bleiben. „An der Ausgangssituation hat sich ja nichts geändert. Generell gilt: Niemand darf die Gleise betreten. Da können die Tore dreimal offen sein“, betont sie. Peter Lindemann ist darüber fassungslos. „Das ist doch Blödsinn. Die Bahn gibt so viel Geld für teure Gebäude aus und wickelt dann hier so ein altes Absperrband darum“, wettert er. „Es wird am falschen Ende gespart. Es geht hier um die Sicherheit“, sagt er.

Das Betreten von Bahngleisen ist generell verboten und kann eine Geldbuße von bis zu 5000 Euro nach sich ziehen. Bei einer konkreten Gefährdung des Eisenbahnbetriebs kann ein solcher Eingriff auch als Straftat mit einer Freiheitsstrafe bis zu zehn Jahren geahndet werden. Ein komplettes Einzäunen der Gleise ist laut DB nicht möglich. An Gefahrenstellen gebe es Hinweisschilder. Das Einzäunen sei aufgrund der Größenordnung – wie bei Wasserstraßen und Autobahnen – nicht möglich. Denn die DB verfügt über ein Streckennetz von rund 33.500 Kilometer Länge. Somit wäre ein Zaun mit einer Länge, die zweimal um den Äquator reicht, erforderlich. Dieser Zaun würde jedoch viele Lücken haben müssen. Zum Beispiel an Bahnübergängen oder an Zugängen für Reisende und Rettungskräfte. Die Bahn prüfe im Einzelfall Sicherheitsmaßnahmen.
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