zur Navigation springen

Bahnsteig-Posse in Pinneberg : Bahn montiert Schild ab - Bahnsteigkarten sind vorerst Geschichte

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Einziger Hinweis, der am Pinneberger Bahnhof auf die Bahnsteigkartenpflicht verwies, ist damit vorerst verschwunden.

shz.de von
erstellt am 16.Apr.2015 | 10:00 Uhr

Pinneberg | Die Posse um die Bahnsteigkarte am Bahnhof in Pinneberg hat vorerst ein glückliches Ende gefunden: Das einzige Hinweisschild auf das umstrittene Ticket ist verschwunden. Die Deutsche Bahn hängte es kurzfristig ab – und räumte einen Fehler ein: „Das Schild hing nicht an der richtigen Stelle, deswegen haben wir es erstmal abgenommen“, sagte Egbert Meyer-Lovis, Sprecher der Deutschen Bahn (DB) Nord auf Anfrage des Pinneberger Tageblattes. Die Bahnsteigkarten-Pflicht ist damit hinfällig. Zumindest vorerst: Die Bahn hat gemeinsam mit dem Hamburger Verkehrsverbund (HVV) eine Begehung geplant. Denn bei der Deutschen Bahn gibt es die Bahnsteigkarte schon lange nicht mehr – beim HVV hingegen schon.

In der Kreisstadt gibt es jedoch eine besondere Situation: Beide Unternehmen teilen sich einen Bahnsteig. Gleis 3 wird von Regionalzügen angefahren, Gleis 2 vom HVV. Nur über diesen Bahnsteig können Passanten zur Unterführung gelangen, die Innenstadt und Quellental miteinander verbindet. Ein Flüchtlingspaar geriet dort Anfang März in eine Kontrolle, musste 80 Euro Bußgeld zahlen, weil es auf dem Bahnsteig unterwegs war. Daraufhin wandte sich ihre Betreuerin  Beate Seifert  an das Pinneberger Tageblatt. „Dass das Schild abmontiert wurde, freut mich sehr. Ich hoffe das bleibt so, aber alles andere wäre ja auch grotesk“, sagte Seifert. Der Hinweis auf die Bahnsteigkarte war vor dem Zugang zu den Gleisen 4 und 5 angebracht. Die gehören der Deutschen Bahn. Doch lediglich beim Hamburger Verkehrsverbund (HVV ) werden Passanten, die keine Bahnsteigkarte für 30 Cent gekauft haben, bestraft wie Schwarzfahrer. Zwischenzeitlich hatte Seifert, Vorsitzende der Grünen in Pinneberg, das Thema außerdem auf die Tagesordnung einer kommenden Ausschusssitzung gesetzt. „Wenn ein Antrag gestellt werden soll, muss man sich an den HVV wenden“, sagte Meyer-Lovis dazu.

Jetzt gibt es kein einziges Schild mehr am Pinneberger Bahnhof, auf dem steht „Betreten nur mit Fahr- oder Bahnsteigkarte“. Das bedeutet: Derzeit kann jeder, egal ob Bahnfahrer oder nicht, die Unterführung nutzen. Ein Ticket für den Bahnsteig muss dafür nicht mehr am Automaten gelöst werden. Auch wenn das vorher schon kaum jemand gemacht hat, denn von der Ticketpflicht wusste in Pinneberg fast niemand. Zumindest nicht bis zu dem Vorfall mit einem Flüchtlingspaar.

Die Vorgeschichte: Die Unterführung am Pinneberger Bahnhof nutzen viele Bürger, um von einer zur anderen Seite der Stadt zu gelangen. Es ist einer von vier möglichen Wegen, die Innenstadt und Quellental verbinden. Ein junges Ehepaar, Flüchtlinge aus dem Irak, querte Anfang März den Bahnhof und geriet in eine Kontrolle. 80 Euro mussten sie für die wenigen Fußmeter zahlen.

Hier hing bis Dienstag das einzige Schild (siehe oben rechts), das am Bahnhof in Pinneberg auf die Bahnsteigkartenpflicht hingewiesen hat. Jetzt ist es weg.
Hier hing bis Dienstag das einzige Schild (siehe oben rechts), das am Bahnhof in Pinneberg auf die Bahnsteigkartenpflicht hingewiesen hat. Jetzt ist es weg. Foto: Oster
 

Der 24-Jährige und seine 19-jährige Ehefrau flohen aus dem Irak, weil sie der verfolgten religiösen Minderheit, den Jesiden, angehören. Sie waren seit zwei Wochen in Deutschland, verstanden weder Deutsch noch Englisch. Doch das einzige Schild, welches auf die Karte hinwies, war in diesen beiden Sprachen verfasst. Da auch kaum ein Pinneberger um die Ticketpflicht wusste, konnte niemand die beiden warnen. Trotzdem verlangten die Kontrolleure der DB-Sicherheit ein erhöhtes Beförderungsentgelt. Eingeschüchtert zahlte das Paar das Bußgeld. Doch ein deutscher Jugendlicher geriet in dieselbe Kontrolle, auch er wusste nichts von der Ticketpflicht. Zahlen musste der 17-Jährige nicht. Denn seine Mutter rief bei der Fahrgeldstelle an, da hieß es: „Die Regelung gilt für Pinneberg nicht mehr.“ Die Verwirrung um das kleine Stück Papier für 30 Cent war perfekt.

Wiederholt fragte das Pinneberger Tageblatt bei der Bahn nach. Stets lautete die Antwort: „Wer die Unterführung nutzen möchte, braucht eine Bahnsteigkarte.“ Aufgrund des Schildermangels war eine Begehung geplant. Das Schild wurde nun aber kurzerhand demontiert. „Die Begehung findet dann diesen oder nächsten Monat statt“, sagte Meyer-Lovis am Mittwoch. Danach solle sich klären, ob neue Schilder aufgehängt werden oder ob der Bahnhof frei zugänglich sein soll.

Karte
zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen