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Pinneberger Tageblatt

21. Oktober 2017 | 01:39 Uhr

Regio Kliniken : Babyklappe auf der Kippe

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Eine vertrauliche Geburt ist seit dem 1. Mai möglich. Die Regio Kliniken und der Kreis wollen weiteren Bedarf prüfen.

shz.de von
erstellt am 03.Mai.2014 | 06:00 Uhr

Pinneberg | Seit dem 1. Mai gibt es eine Alternative für Mütter in Not, die ihre Kinder bisher nur in der Babyklappe ablegen konnten. Einrichtungen wie die der Regio Kliniken in Pinneberg waren von Anfang an umstritten, weil die Kinder keine Möglichkeit haben, Informationen über ihre Herkunft zu erhalten. Nun ist ein Gesetz über die so genannte „vertrauliche Geburt“ in Kraft getreten. Die Neuregelung ermöglicht einer Schwangeren, die keinen Ausweg mehr sieht, ihren Säugling in einem Krankenhaus oder bei einer Hebamme zur Welt zu bringen.

Zunächst bleiben die Frauen anonym, erst wenn der Nachwuchs 16 Jahre alt ist, werden die Daten weitergegeben. Mit dieser Regelung soll auch verhindert werden, dass verzweifelte Schwangere ihr Kind heimlich gebären und möglicherweise sogar aussetzen oder töten.

Angesichts der neuen Alternative will der Kreis die Notwendigkeit der Babyklappe in Pinneberg prüfen. „Wir werden gemeinsam mit den Regio Kliniken eine Neubewertung vornehmen“, erklärte Kreissprecher Marc Trampe auf Nachfrage. Dass die Klappe auf dem Prüfstand steht, bestätigt auch Sebastian Kimstädt, Pressesprecher der Regio Kliniken. Natürlich werde die Einrichtung nicht gleich abegeschafft.

Aber sollte die vertrauliche Geburt in der Pinneberger Klinik verstärkt nachgefragt werden, müsse überprüft werden, ob so eine Klappe „noch sinnvoll “ ist. „Wir begrüßen den Vorstoß des Gesetzgebers, weil wir sehen, dass es für das Kindeswohl und die Sicherheit der Mutter besser ist, wenn die Geburt in einem geschützten Raum passiert“, betont Kimstädt. „Das minimiert das Risiko für beide.“

Die tatsächliche Schutzwirkung der Babyklappen sei bei Fachleuten schon länger umstritten. „Frauen, die unsere Einrichtung nutzen, sind schon so verantwortungsbewusst, dass sie auch eine andere Möglichkeit gefunden hätten.“ Allerdings liege der klare Vorteil in der unmittelbaren medizinischen Betreuung des Säuglings.

Einer Studie des Deutschen Jugendinstituts zufolge wurden in den Jahren 2000 bis 2010 in Deutschland 973 Kinder anonym abgegeben. 278 davon wurden in Babyklappen abgelegt.

In Pinneberg sind seit der Einrichtung im Jahr 2007 bislang drei Säuglinge in der Babyklappe abgelegt worden. Alle Findelkinder leben nach Angaben des Jugendamts heute in Pflegefamilien und sind wohlauf.

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