Schutz trägt Früchte : Baby-Boom bei den Helgoländer Kegelrobben

<p>Eine junge Kegelrobbe (Halichoerus grypus) lässt es sich in der Brandung gut gehen.</p>

Eine junge Kegelrobbe (Halichoerus grypus) lässt es sich in der Brandung gut gehen.

426 junge Kegelrobben gab es in der laufenden Saison auf der Düne. Ein Wunder im Vergleich zu den Beständen der 1970er.

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29. Januar 2018, 08:00 Uhr

Helgoland | Die Nordsee tobt unter bleigrauem Himmel, und eine wütende Brandung peitscht Gischt den Strand hinauf: Im Winter präsentiert sich die Düne vor Helgoland von ihrer besonders rauen Seite. Dabei ist das Sand-Eiland in diesen Tagen eine behütete Kinderstube. Die Helgoländer Düne ist während der Winterstürme die Geburtsstätte für Deutschlands Kegelrobben. In dieser Saison zählten Tierschützer bislang 426 Jungtiere. Ein Rekord, sagt Helgolands Seehundjäger Rolf Blädel.

Dazu kommen noch sechs weitere Jungtiere an verschiedenen Sandbänken im Schleswig-Holsteinischen Wattenmeer: Dem Süderoogsand, dem Norderoogsand, und dem Jungnamensand. „Das deutet darauf hin, dass sich die Kegelrobbe im Nationalpark neue Wurfplätze suchen“, sagt Christof Götze. Denn bislang hätten die „Kegler“ nur den Jungnamensand als Kinderstube genutzt. Die kleine Sandbank westlich der Insel Amrum ist jedoch flacher geworden, wird häufiger überspült, und damit für die Kegelrobben zunehmend unattraktiv, sagt der Biologe. Einige seien auf der Suche nach neuen Standorten nach Helgoland abgewandert, vermutet er.

Dort haben sich die meisten Tiere auf dem Nordstrand der Düne gesammelt. Für Robben-Verhältnisse liegen sie dort „sehr dicht gedrängt“, sagt Volker Redeker von der Naturschutzgesellschaft Verein Jordsand: Ungefähr alle 20 Meter eine Mutter mit ihrem Jungtier, dazwischen die Bullen, die ihren Harem bewachen. Auf Helgoland umfasst ein Harem in der Regel sechs bis sieben Weibchen.

Solange das Robbenbaby gesäugt werden muss, bleibt das Muttertier an seiner Seite. Trotzdem sieht man immer wieder junge Robben allein am Strand. „Weil die Mutter vier bis fünfmal am Tag für ein, zwei Stunden ins Wasser geht, um sich abzukühlen“, erklärt Redeker.

Kegelrobben haben im Gegensatz zum Menschen keine Schweißdrüsen, um die Köpertemperatur automatisch zu regulieren. „Wenn sich ihr Körper aufheizt, muss sie ihn selber herunter kühlen.“ Das Robbenbaby muss sich vor seinem ersten Ausflug in die eiskalte Nordsee eine isolierende Speckschicht anfuttern, denn das weiße Fell, mit dem sie zur Welt kommen, ist nicht wasserdicht und schützt nur vor Wind und Kälte. Dank der extrem fetthaltigen Muttermilch legen die kleinen Kegelrobben gut zwei Kilo am Tag zu: In nur drei bis vier Wochen erhöhen sie ihr Geburtsgewicht von 10 bis 14 Kilogramm auf rund 50 Kilo, weiß Biologin Tanja Rosenberger von der Seehundstation Friedrichskoog.

Als angeblicher Konkurrent der Fischer waren Kegelrobben über die Jahrhunderte in der Nordsee nahezu ausgerottet. Heute gibt es neben Helgoland noch weitere Kolonien mit Jungen im Wattenmeer: Unter anderem nahe der westfriesischen Insel Terschelling (Niederlande), sowie auf Sandbänken nahe Juist (Niedersachsen) und Amrum. Nach Angaben der Naturschutzgesellschaft „Schutzstation Wattenmeer“ wird der Kegelrobben-Bestand auf weltweit 150.000 Tiere geschätzt.

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