Azubi-Ticket verzögert sich

Monatskarte kommt frühestens im August 2021

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17. Juni 2020, 20:00 Uhr

Elmshorn | Der Wirtschaftsausschuss des Pinneberger Kreistags hat beschlossen, die Entscheidung über das neue Azubi-Ticket im HVV-Gebiet auf den Herbst zu vertagen. Statt wie ursprünglich geplant von Januar 2021 an können die Auszubildenden im Kreis Pinneberg die staatlich geförderte Monatskarte somit frühestens ab August des kommenden Jahres bekommen.

Der Hamburger Verkehrsverbund (HVV) hat ein Konzept zur Einführung eines 360-Euro-Bonus-Tickets für Azubis erarbeitet. Bisher gab es diese Karte im Abo nur in Hamburg. Sie kostete den Auszubildenden 30 Euro im Monat – also 360 Euro im Jahr.

Das neue Konzept ist auf die Ausbildungsstätten in den Kreisen ausgerichtet, von den Kreisen zu finanzieren und setzt Beschlüsse in den Kreistagen voraus. Das Ticket gilt grundsätzlich im gesamten HVV-Gebiet und kostet 70 Euro pro Monat: 30 Euro zahlt der Auszubildende, 20 Euro der Kreis und 20 Euro der Arbeitgeber. Der Kreis Pinneberg wird Kosten von insgesamt etwa 195 000 Euro pro Jahr tragen müssen, wie aus einer Vorlage für den Wirtschaftsausschuss hervorgeht.


Grundsätzlich besteht offenbar Einigkeit

Für einen Start im Januar 2021 hätten alle politischen Gremien bis zum 30. Juni zustimmen müssen. Der Wirtschaftsausschuss hat nun empfohlen, über das Azubi-Ticket erst im Zusammenhang mit den Haushaltsberatungen abzustimmen. Diese Beratungen werden in der Regel nicht vor Dezember abgeschlossen. Nach Angaben der Kreisverwaltung gibt es aber grundsätzlich eine fraktionsübergreifende Zustimmung zu dem Ticket. Gesellschafter des HVV sind Hamburg (85,5 Prozent), Schleswig-Holstein (drei Prozent) und Niedersachsen (zwei Prozent) sowie die an Hamburg grenzenden Kreise (zusammen 9,5 Prozent). In einer Aufsichtsratssitzung des HVV wurde von einigen Gesellschaftern, besonders den Kreisen aus Schleswig-Holstein, eine kundenfreundlichere Tarifgestaltung gefordert. So sollte der ÖPNV-Ausbau mit besseren Tarifen forciert werden. Damit könnten nach Ansicht der Kreisverwaltung auch der Corona-bedingte Nachfragerückgang wettgemacht sowie die großen Zukunftsthemen Klimaschutz und Verkehrswende effektiv vorangebracht werden.

Der HVV-Aufsichtsrat hat demnach beschlossen, in der Tarifentwicklung zweigleisig zu fahren. Denn weil eine Tarifreform bis zu drei Jahre dauern kann, sei es notwendig, auch kurzfristig umsetzbare kundenfreundliche Verbesserungen zu entwickeln. In den Umlandkreisen gab es allerdings Ärger, weil der HVV mit seinem Azubi-Ticket für Hamburg vorgeprescht war. Es war kurz vor der Bürgerschaftswahl in der Hansestadt im Februar beschlossen worden. Der HVV wurde deshalb aufgefordert, schnellstmöglich eine Übertragung des Hamburger Modells auf das gesamte HVV-Gebiet vorzubereiten und dazu spätestens einen Lösungsvorschlag vorzulegen.

Mit dem HVV-Bonus-Ticket für Azubis wird es nun ein Angebot geben, das dem Semesterticket für Studenten gleicht. Auch Schüler sollen in Zukunft von diesem Ticket profitieren. Dazu heißt es aus der Kreisverwaltung: „Im Ergebnis würden damit dann alle in Ausbildung befindlichen Gruppen im HVV gleichbehandelt.“

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