Ellerbek : Awo-Ortsverein aufgelöst

Seit 2006 war Hans Kröger Vorsitzender des Ellerbeker Awo-Ortsvereins.
Seit 2006 war Hans Kröger Vorsitzender des Ellerbeker Awo-Ortsvereins.

Am Schluss hatt der Ortsverein nur noch zehn Mitglieder. Das Restvermögen wurde gespendet.

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28. Juli 2015, 10:00 Uhr

Ellerbek | Im kommenden Jahr wäre der Ellerbeker Ortsverein der Arbeiterwohlfahrt (Awo) 70 Jahre alt geworden. Doch diesen Geburtstag erlebt der Verein nicht mehr: „Wir haben bereits im März den Verein aufgelöst“, berichtet der ehemalige und letzte Vorsitzende, Hans Kröger (SPD).

Als abschließenden wohltätigen Akt spendete Kröger den verbliebenen Kassenbestand. „Jeweils 1300 Euro bekamen die Ellerbeker Jugendwehr, der Schulverein und die Familie Athmer“, berichtet Kröger. Ein Sohn der Athmers hatte sich bei einem Sturz so schwer verletzt, dass die Mutter monatelang mit ihm im Krankenhaus und der Reha verbrachte und die Familie Geld benötigte, um die Betreuung der anderen drei Söhne zu gewährleisten.

Gegründet 1946, kümmerte sich die Awo vorrangig um die Betreuung von Flüchtlingen und bedürftigen Personen. „Zählte Ellerbek zu Beginn des Zweiten Weltkriegs noch 782 Einwohner, hatte sich die Zahl ein Jahr nach Kriegsende mit 1477 fast verdoppelt“, heißt es in der Chronik, die 1996 anlässlich des 50-jährigen Bestehens veröffentlicht wurde.

Fortan wurden zweimal jährlich Haussammlungen organisiert, Spielnachmittag veranstaltet und Erholungsfahrten für Kinder und Jugendliche eingerichtet. In einer Nähstube wurde Kleidung ausgebessert, schließlich die Schulspeisung für unterernährte Kinder eingeführt. Es folgten gesellige Veranstaltung wie Theaterfahrten und Weihnachtsfeiern – und das Wirtschaftswunder in den 60er Jahren.

Zulauf bis in die 90er Jahre

„Der Ortsverein hatte noch bis in die 90er Jahre Zulauf, doch dann wurde es immer weniger“, berichtet Kröger. Schließlich beschränkte sich das Engagement darauf, älteren Menschen bei der Bewältigung des Alltags zur Seite zu stehen: Arztbesuche begleiten, Besorgungen erledigen, zur Bank oder zum Friedhof fahren.

„Seit 20 Jahren können wir keinen einzigen Eintritt mehr verzeichnen – das Ende war absehbar“, bedauert Kröger. Das Bedürfnis, sich zu engagieren, habe in allen Bereichen nachgelassen, auch zahlreiche andere Ortsvereine seien inzwischen kaum noch lebensfähig. „Die Arbeiterwohlfahrt hat sich überholt, sie entspricht nicht mehr dem Zeitgeist“, ist Kröger überzeugt. Und warnt: „Ich fürchte, dass den politischen Parteien schon bald dasselbe Schicksal droht.“

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