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Blitzmarathon im Kreis Pinneberg : Autofahrer gehen vom Gas

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Die Polizei im Dauereinsatz: Im Kreis Pinneberg wurde an 28 Stellen kontrolliert - und wir haben die Beamten dabei begleitet.

Polizeioberkommissar Martin Kühn blickt gelassen die Straße hinunter. Die Lage im Kirchhofsweg ist an diesem Morgen um 6.30 Uhr überschaubar. Vereinzelt fahren Autos mit gemächlichem Tempo die kleine Straße im Westen der Kreisstadt Pinneberg hinunter. „Wir stellen uns hier auf“, ruft er seinen vier Kollegen zu. Damit meint der 36-Jährige Kreis Pinneberger Beamte die Einfahrt zum Parkplatz der Luther Kirche. Auf einem Teilstück darf maximal Tempo 30 gefahren werden. Direkt hinter einem Baumstamm bauen die vier Männer und eine Frau ihre „Traffi Patrol“-Messstation auf. Etwa eineinhalb Stunden wird Martin Kühn mit seinem Team an dieser Stelle bleiben. Danach geht es weiter nach Kummerfeld und Rellingen.

Die Beamten nehmen am ersten bundesweiten Blitzmarathon teil. Dauer der Aktion: insgesamt 24 Stunden, Start war in ganz Deutschland um Punkt 6 Uhr.

Kontrollstellenleiter Martin Kühn geht an diesem Morgen von einer ruhigen Schicht aus. „Wer heute gemessen wird, ist selbst schuld – bei der Aufklärungsarbeit, die wir im Vorfeld geleistet haben“, sagt der 36-Jährige und beginnt mit den ersten Messungen entgegenkommender Fahrzeuge. Dazu visiert er über das kleine Messgerät das Nummernschild an. „Die Laserstrahlen werden reflektiert. So misst das Gerät, wie schnell das Auto fährt“, erklärt der Polizeioberkommissar. Außerdem wird auf dem Gerät die aktuelle Entfernung des Fahrzeugs angezeigt. Bis zu einer Entfernung von 500 Metern kann das geeichte „Traffi Patrol“-Gerät die Geschwindigkeit feststellen. Jedes Mal, wenn Kühn zur Messung ansetzt, gibt das Gerät einen Signalton von sich. „Sobald ich jemanden habe, der über der voreingestellten Höchstgeschwindigkeit liegt, höre ich auch ein anderes akustisches Signal“, erzählt er. An diesem Morgen ist die Lage ruhig, so wie wie Kühn erwartet hat. Eine Radfahrerin fährt an den Beamten vorbei, auf deren Höhe ruft sie: „Heute fahren sie alle langsam, das ist ja schon fast unheimlich.“

Kurz darauf ertönt plötzlich das Warnsignal des Messgeräts. Ein weißer Sprinter einer Dachdecker-Firma rauscht auf die Beamten zu. Das Messgerät zeigt Tempo 44 an – auch nach Abzug der drei Kilometer pro Stunde Toleranz eindeutig zu schnell.

Verständnisvolle Verkehrssünder

Polzeihauptmeister Marc Trojan zückt in dem Moment auch schon die Kelle. Mit einer gelben Warnweste ist er auch in den schummrigen Lichtverhältnissen gut zu erkennen. Der Sprinter bremst und fährt wie ihm befohlen auf den kleinen Parkplatz der Pinneberger Lutherkirche. Zwei Beamte nehmen sich des Fahrers an und stellen seine Personalien fest. Der Mann, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen möchte, zeigt sich einsichtig. „Ich habe von der Blitz-Aktion gehört, aber ich war in Eile“, sagt er. Nun müsse er zu seinem Vergehen stehen, räumt er ein. 11 Kilometer pro Stunde zu schnell bedeuten für ihn ein Verwarngeld von 25 Euro. Der Pinneberger Fahrer akzeptiert die Strafe und verlässt wenig später die Szenerie am Kirchhofsweg.

Das Verkehrsaufkommen in der Straße nimmt immer mehr zu. Lkw, Autos, Roller, Fahrräder fahren an den Beamten vorbei. Plötzlich hält ein schwarzer Audi neben ihnen: „Schöne Aktion, aber stellt euch mal weiter dahinten hin – am Blauen Kamp herrschen Verhältnisse wie auf einer Autobahn“, berichtet der Fahrer. Martin Kühn nimmt diese Info freundlich auf, der Audi fährt davon.

Nach eineinhalb Stunden beendet Kühn die Messung im Kirchhofsweg. Einen Temposünder zogen die Beamten aus dem Verkehr. Auch bei den weiteren Messpunkten des Teams in Kummerfeld und Rellingen war nur ein weiterer Autofahrer zu schnell unterwegs. Kühns Fazit: Man habe deutlich gemerkt, dass die Autofahrer von der Aktion wussten. Polizeisprecherin Sandra Mohr sagt dazu: „Das war auch unser Ziel. Die Leute haben größtenteils das gemacht, was wir wollten“. Sie habe außerdem ausschließlich positive Resonanz auf den Blitzmarathon erhalten. „Die Leute wünschen sich mehr solcher Aktionen“, so Mohr.

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erstellt am 12.Okt.2013 | 06:00 Uhr

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