Denkmalschutz : Auszeichnung für drei Gebäude im Kreis Pinneberg

Der Eigentümer des alten Kreishauses in Pinneberg, Alexander Demandt, hat sich vorbildlich um den Erhalt des Bauwerks bemüht.
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Der Eigentümer des alten Kreishauses in Pinneberg, Alexander Demandt, hat sich vorbildlich um den Erhalt des Bauwerks bemüht.

Das Alte Kreishaus in Pinneberg, Langes Tannen in Uetersen und die Villa Ottens in Rellingen tragen nun Plaketten.

shz.de von
25. Januar 2018, 15:00 Uhr

„Im Speckgürtel der Metropole Hamburg gibt es nicht viele so hochkarätige Anlagen, die die Kultur präsentieren“, schwärmt Berthold Köster, oberster Denkmalschützer des Landes. Von der Sachgesamtheit der Anlage Langes Tannen in Uetersen mit dem klassizistischen Herrenhaus als Ensemble mit Remise, Eiskeller, Waschhaus, Gartenanlage und dem 1940 gesprengten, trotzdem kulturhistorisch bedeutsamen Schornsteinrest, aber auch von der „à la bonheur“ renovierten Villa Ottens in Rellingen und der „unprofilierten Fassade“ des alten Kreishauses in Pinneberg, „die durch die Fenster lebt.“

Die drei Objekte erhielten am Mittwoch als erste im Kreis Pinneberg eine Plakette des Landes „als Anerkennung für das Verständnis für den Denkmalschutz und die im allgemeinen Interesse übernommenen Verpflichtungen bei der Bewahrung des kulturellen Erbes“, so die offizielle Formulierung. Sie zeigt das Landeswappen und weist Besucher künftig darauf hin, dass sie vor einem kulturhistorisch bedeutsamen Gebäude stehen.

Das Uetersener Herrenhaus Langes Tannen hat das Landesamt bereits 1981 unter Denkmalschutz gestellt. Nach der Renovierung der Fassade in den Jahren 2015 und 2017 erstrahlt es wieder in frischem Glanz. Rund zwei Drittel der 90.000 Euro teuren Maßnahme hat der Förderverein des Museums Langes Tannen getragen, überwiegend aus Mitteln aus dem Vermächtnis des Uetersener Bürgers Heinz Thiem. Die Arbeit des Vereins lobt Köster ausdrücklich: „Die Kommunen können sich nicht allein um die Sache kümmern, es ist wichtig, das Menschen mit Sachverstand engagiert dahinterstehen.“

Außer einem Zuschuss aus dem Nachlass von Werner Lange und Mitteln des ordentlichen Haushalts der Stadt Uetersen haben weitere Sponsoren für den Rest der Finanzierung gesorgt. Das Landesamt für Denkmalpflege hat sich aus diesem Punkt herausgehalten. „Sie haben nur die Beratung gegeben, aber die war unbezahlbar“, bedankt sich Museumsleiterin Ute Harms für die gute Zusammenarbeit.

Im Beratungsgespräch hat Köster auch den Kreishaus-Eigentümer Alexander Demandt in nur einer Viertelstunde von der Qualität der alten Fenster überzeugt. Um die schlanken Profile zu erhalten, wurden die Fenster ausgebaut, die Rahmen gesäubert, gelaugt, gegen Blaufäule geschützt, verglast und wieder an ihrem alten Platz eingebaut. Doch nicht nur die Fassade des 1868 erbauten und 1934 von dem Architekten Klaus Groth umgebauten Kreishauses steht unter Schutz, auch im Inneren sind viele Objekte original, von den Treppenstufen über die Geländer bis zu den Türbeschlägen.

Anna-Lena Ottens lobt ebenfalls den Fachverstand der Denkmalbehörde: Anfangs konnte sie sich mit dem originalen Ocker-Ton, den die ehemalige Baumschulvilla in Rellingen nun wieder trägt, nicht anfreunden, nun sagt sie aber: „Das war genau die richtige Entscheidung.“ Sie und ihr Mann Florian Ottens sind stolz auf ihr Heim, das seit vier Generationen im Familienbesitz ist. Für die Summe, die die Renovierungsarbeiten verschlungen haben, hätten sie auch einen Neubau finanzieren können, doch „wir haben viel über die Geschichte des Hauses gelernt. Wir wollten den Charme des Hauses bewahren und hoffen, dass es nochmal hundert Jahre hält.“

Mehr als 650 Bauwerke im Kreis Pinneberg sind zur Zeit bei der oberen Denkmalschutzbehörde in Kiel eingetragen. Seit der Novellierung des Denkmalschutzgesetzes im Jahr 2015 entfällt die Unterscheidung zwischen „einfachen“ und „besonderen“ Denkmalen. Engagierte Bürger, Initiativen oder Heimatvereine machen die Denkmalschutzbehörde auf schützenswerte Gebäude aufmerksam. Eine Möglichkeit für den Eigentümer, den Denkmalschutz zu beantragen, gibt es aber nicht. Die Denkmalschutzbehörde prüft, ob das Objekt bestimmte Kriterien erfüllt, wie ein besonderer geschichtlicher, wissenschaftlicher, künstlerischer, technischer oder städtebaulicher Wert. Ist der Eigentümer nicht damit einverstanden, dass sein Haus unter Denkmalschutz gestellt werden soll, kann er Widerspruch einlegen und dem zuständigen Landesamt Argumente unterbreiten. Die Veranlassung der Prüfung kann sowohl selbst als auch anwaltlich erfolgen, eine Fristbeachtung gibt es nicht.
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