Kunst aus Klumpen und Lumpen : Ausstellung „Handeln durch Nichthandeln“ im Pinneberger Stadtmuseum

„Strandholzbibliothek“ heißt dieses Werk der Pinneberger Künstlerin Inken Woldsen.
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„Strandholzbibliothek“ heißt dieses Werk der Pinneberger Künstlerin Inken Woldsen.

Die faszinierenden und sinnlichen Bilder und Skulpturen der Künstlerin sind bis zum 29. April zu sehen.

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01. März 2018, 13:00 Uhr

Pinneberg | Öl- und Aquarellfarben, Kreide, Kohlestifte und Pinsel – das sind wohl die gängigsten Utensilien, zu denen Künstler gewöhnlich greifen. Inken N. Woldsen geht einen ganz anderen Weg. Nichts ist vor ihr sicher: Metalle, Erde, Wasser, Tuch, Torf, Rinde, Karton, alte Zeit- Magazine, Tagebuchblätter, japanische Mangas und sogar Asche und Tierknochen sind die Materialien, aus denen die Pinneberger Künstlerin, die in Friedrichstadt geboren wurde, faszinierende sinnliche Werke schafft. Materialien – gefunden und aufgelesen in der Natur. Oft weggeschmissen und vergessen. Doch in den Werken von Woldsen werden die Fundstücke in einen neuen Kontext gesetzt.

Anlass ist der 70. Geburtstag

Ab Freitag gibt eine Werkschau unter dem Titel „Handeln durch Nichthandeln“ im Pinneberg Museum Einblick in die Entwicklung ihres künstlerischen Schaffens. Anlass ist der 70. Geburtstag der quirligen und eloquenten Künstlerin. Woldsen öffnete zusammen mit Museumsleiterin Ina Duggen-Below und Anders Petersen, Vorsitzender des Bundesverbands Bildender Künstlerinnen und Künstler Schleswig-Holstein, für unsere Zeitung die Türen für eine Vorbesichtigung.

Gleich zu Beginn der Ausstellung fallen zwei Collagen, die eine in Blau, die andere in Rot gehalten, ins Auge. Hierfür hat Woldsen die Zeit-Magazine so behandelt und mit Ölfarbe bemalt, dass ein Papierteppich entstanden ist – die Texte in den Heften sind nicht mehr zu erkennen. „Mich hat das Material gereizt. Die Magazine habe ich gesammelt“, sagt sie und verrät, dass sie nichts wegschmeißen kann.

Im zweiten Raum fällt der Blick auf 70 Bücher. „Strandholzbibliothek“ nennt die Künstlerin dieses Werk. Das darf man wörtlich nehmen: „Das Holz habe ich am Strand aufgelesen.“ Durch das Abrunden des Holzes sei die Buchform entstanden.

Von einem Tempel in Kyoto

Auch in einem total vermüllten Tempel in Kyoto in Japan wurde die Künstlerin fündig – davon zeugen die mit Eisenfundstücken versehenen Mangas. In einer weiteren Vitrine sind Skulpturen zu sehen, für die Tierschädel unter anderem von Enten und Mäusen verwendet wurden. Diese Werke muten wie Totemfiguren an.

Selbstverständlich fehlen auch nicht die drei Bilder von Woldsen, die dem Museum kürzlich als Schenkung der Fielmann AG übergeben worden sind. Dafür umwickelte sie Metall mit T-Shirts und legte diese in einen Bach. Vergraben in den Boden entstanden über Wochen durch Korrosion ganz individuelle Abdrücke auf dem Tuch. Und da sind auch noch die Werke mit dem Abdruck von Backblechen in kräftigen braunroten Farbtönen. Kurios, aber schön.

Was will uns die Künstlerin damit sagen? „Es ist Naturkunst. Ich verwende Materialien, die ich nicht kaufen kann.“ Elaborierter beschreibt es Stefan Schipper, der das Vorwort zum Ausstellungskatalog verfasst hat: Er sieht in dem Werk von Woldsen Berührungspunkte mit der Aktionskunst, mit der Landart und auch der Arte Povera, der Kunstform, bei der man zu den „armen“ Mitteln greift, zu Klumpen und Lumpen.

Die Ausstellung wird Freitag um 17 Uhr im Museum eröffnet. Das Grußwort spricht Bürgermeisterin Urte Steinberg (parteilos), Petersen gibt eine Einführung in das Werk von Woldsen. Zu sehen ist die Ausstellung bis zum 29.  April.

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