„Außenseiter gibt es nicht“

Die Feuerwehr nennt Torben Bürger seine Berufung. Mit zehn Jahren trat er in die Jugendwehr ein.
Die Feuerwehr nennt Torben Bürger seine Berufung. Mit zehn Jahren trat er in die Jugendwehr ein.

Torben Bürger ist seit 2009 Ausbilder bei der Feuerwehrjugend Kummerfeld / Er selbst begann dort vor 30 Jahren seine Laufbahn

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02. August 2018, 13:44 Uhr

Im kommenden Jahr ist Torben Bürger 30 Jahre bei der Feuerwehr Kummerfeld. Eingetreten war er mit zehn Jahren bei der Jugend der Brandbekämpfer. „Ich konnte damals von meinem Velux-Fenster direkt auf den Feuerwehrhof schauen“, erinnert er sich. „Das hat mich fasziniert und ich wollte da mitmachen“. Inzwischen ist der 39-Jährige selbst Jugendwart und in der aktiven Wehr Hauptlöschmeister.

Beinahe hätte der gebürtige Kummerfelder die Kameraden seines Heimatortes aber verlassen müssen. „Es ist ein großes Problem in Kummerfeld, bezahlbaren Wohnraum zu finden“, erläutert Bürger. Deswegen sah er sich gezwungen, nach Pinneberg umzuziehen. „Feuerwehrtechnisch ist es notwendig, im Wohnort zur Wehr zu gehen, damit die Wege kurz sind im Einsatzfall“, erläutert er. Da er aber in Pinneberg Nord nahe der Grenze zu Kummerfeld wohne, sei der Weg dorthin immer noch der Kürzere und somit ein Verbleiben dort vertretbar. Der fehlende Wohnraum mache sich auch bei den Mitgliedszahlen der Feuerwehr bemerkbar. Von 54 Kameraden noch vor zwei Jahren seien dieses Jahr noch 48 übrig. „Es liegt daran, dass junge Kollegen keine passende Wohnung am Ort finden“, sagt Bürger. „Das ist dann schon ein Wermutstropfen – man bildet die jungen Leute selber aus, und dann gehen sie aus so einem Grund verloren.“


Große Beliebtheit bei der Jugend

Dabei ist der Zulauf in der Jugendwehr immens: Dort betreut Bürger aktuell 24 Nachwuchsfeuerwehrleute zwischen zehn und 18 Jahren. Weitere zehn Kinder und Jugendliche stehen auf der Warteliste. Die Aufnahme in die Wehr ist, wenn Platz ist, ab zehn Jahren möglich. Laut Bürger sind sieben der wartenden Kinder bereits alt genug. „Die Feuerwehr übt auf Kinder meistens eine Faszination aus“, erläutert Bürger. Zudem sei es spannend für alle, die sich für Technik interessieren. „In unseren Jugendwehrdiensten, die immer dienstags stattfinden, lernen die Kinder bereits wichtige Grundsätze der Feuerwehrarbeit: Löschangriffe aufbauen zum Beispiel und die meisten Geräte kennen.“ Einiges ist allerdings noch tabu: Atemschutz, Kettensäge und hydraulisches Rettungsgerät bekomme der Nachwuchs noch nicht in die Hand. Bürger: „Aber wir führen es ihnen vor und sie lernen darüber schon die Theorie.“

Besonders mache den Dienst in der Jugendfeuerwehr, dass es so abwechslungsreich zugehe: „Wer Basketball spielt, der spielt bei jedem Training eben Basketball. Hier gibt es immer wieder etwas Neues,“ erläutert Bürger. Auch die Kameradschaft lobt er: „Dass jemand, der vielleicht etwas anders ist, oder in manchen Bereichen nicht so mithalten kann, ausgegrenzt wird, habe ich ganz ehrlich in meiner Zeit bei der Feuerwehr noch nicht erlebt“, berichtet er. Bei der Wehr gebe es sehr unterschiedliche Aufgaben und jeder könnte dort etwas finden, wo er genauso nützlich ist wie andere. „Auch das ist anders als beim Sport.“ Und noch einen Vorteil kann Bürger nennen: „Es ist ein extrem kostengünstiges Hobby. Zu bezahlen sind eigentlich nur schwarze Schuhe, ein weißes Hemd, das man sowieso immer mal brauchen kann, und ein geringer Beitrag zum Pfingstzeltlager einmal im Jahr“, sagt Bürger.


Wichtig für die Gemeinde

Dafür geben die Jugendlichen aber auch einiges zurück: 40 Dienste im Jahr gehören dazu. Neben dem regulären wöchentlichen Dienst beteiligen sich die jungen Kameraden an gesellschaftlichen Ereignissen im Dorf. Ob Laternenumzug, Tannenbaumverkauf oder Neujahrsempfang: Die Jugendwehr hilft. Besonders sei bei der Jugendwehr, die noch nicht zu Einsätzen ausrücken darf, der hohe Freizeitanteil. Dazu gehört auch gemeinsames Filme-Gucken, Bowlen oder Ausfahrten in den Hansaparkt: „Etwa 40 Prozent der Dienste sind Freizeitbeschäftigungen.“

Finanziert wird das durch einen Förderverein, aber auch durch die Gemeinde. „Kummerfeld ist zwar verschuldet, aber sie kommt ihrer Aufgabe trotzdem gut nach und schaut immer, dass die Feuerwehr hat, was sie braucht“, so Bürger.

Nicht alle Jugendwehrmitglieder treten auch in den aktiven Dienst über: „Da gibt es natürlich weniger Freizeitaktivität“, sagt Bürger. Einige möchten diesen Schritt nicht gehen, insbesondere Mädchen schieden häufiger mit dem 18. Lebensjahr aus. „Woran das liegt, weiß ich nicht.“

Generell gelte: Die Jugendlichen blieben entweder kurz oder sehr lange. Dass es eine Warteliste gibt, findet Bürger gar nicht schlecht. So schätzten die Jugendlichen das Erreichte mehr und überlegten auch zweimal, ob sie wirklich austreten sollten – wenn sie einmal eine Unlustphase verspüren.

> Nächste Woche im Freitagsgespräch: Rolf Heidenberger, Initiator von Appen Musiziert.

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