Kreis Pinneberg : Ausbildungs-Muffel sollen „Strafe“ zahlen

Laut Bundesagentur für Arbeit suchten Ende Juni noch 785 junge Erwachsene eine Lehrstelle. Das ist fast die Hälfte der 1694 registrierten Bewerber in der Region Pinneberg.
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Laut Bundesagentur für Arbeit suchten Ende Juni noch 785 junge Erwachsene eine Lehrstelle. Das ist fast die Hälfte der 1694 registrierten Bewerber in der Region Pinneberg.

Die Gewerkschaft will Unternehmer zu Kasse bitten. 785 Jugendliche ohne Vertrag.

shz.de von
12. Juli 2015, 11:00 Uhr

Kreis Pinneberg | Für viele Jugendliche aus dem Kreis Pinneberg steht die berufliche Zukunft noch in den Sternen. Laut Bundesagentur für Arbeit suchten Ende Juni noch 785 junge Erwachsene eine Lehrstelle. Das ist fast die Hälfte (46,3 Prozent) der 1694 registrierten Bewerber in der Region. Uwe Hahn, Bezirksvorsitzender der IG Bau Holstein, fordert von den Betrieben größere Anstrengungen. Als Mittel gegen Ausbildungs-Muffel schlägt der Gewerkschafter eine verpflichtende Ausbildungsabgabe vor. „Alle Betriebe sollten sich grundsätzlich an den Kosten der Ausbildung beteiligen. Sie bezahlen einen festen Beitrag in einen Fonds. Unternehmen, die selbst ausbilden, bekommen daraus einen Teil ihrer Ausbildungskosten erstattet“, erläutert Hahn.

„Eine Ausbildungsumlage wäre kontraproduktiv. Da es ganz im Gegenteil viele unbesetzte Stellen gibt, würde die Maßnahme völlig am Ziel vorbei führen“, sagt Lena Behmenburg von der Bundesvereinigung der deutschen Arbeitgeberverbände.

Eine Ausbildungsabgabe als „Strafe“ scheint beim Blick auf Zahlen unbegründet. Im Kreis Pinneberg gab es bis Ende Juni nicht nur 785 Jugendliche ohne Vertrag, sondern auch 603 unbesetzte Ausbildungsstellen. „Angebot und Nachfrage sind relativ ausgeglichen, dennoch haben sowohl Ausbildungsbetriebe als auch Bewerber/innen teilweise Schwierigkeiten, ihre Vorstellungen zu realisieren“, sagt Thomas Kenntemich, Leiter der Agentur für Arbeit Elmshorn. Laut Kenntemich führten Alternativen  zu Lösungen. Das ist beispielsweise eine andere Berufswahl. Die Arbeitsagentur hilft die berufliche Zukunft anzugehen. Ein Beispiel dafür ist das neue Förderprogramm „Assistierte Ausbildung“, das Azubis und Betriebe während der Ausbildung unterstützt.

Die Forderung nach einer Ausbildungszulage ist nicht neu. Im Jahr 2004 gab es auf Bundesebene einen politischen Anlauf für solch ein Gesetz. Jedoch fand das Vorhaben im Bundesrat keine Mehrheit und das Bundesverfassungsgericht hatte das Gesetz  abgelehnt.

Auch in den vorigen Jahren gab es vor Ausbildungsstart Ende Juni noch viele unbesetzte Stellen, aber bis September hatte sich viel getan. Im Juni 2013 waren es noch 671 Jugendliche ohne Stelle, drei Monate später sind davon noch 62 übrig gewesen. 2014 waren es im Spätsommer noch 57 von zuvor 662.

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