Pinneberg : Ausbildung auf einer Baustelle

Hier geht es um schmackhafte und gesunde Ernährung: Schulleiter Ulrich Krause (links), Fachlehrer Mario Kulling und Bürgermeisterin Urte Steinberg (rechts) schauen Lisa Fürstenberg über die Schulter, die an Pinnebergs Berufsschule sowohl einen Berufseinstieg als auch einen Realschulabschluss anstrebt.
Hier geht es um schmackhafte und gesunde Ernährung: Schulleiter Ulrich Krause (links), Fachlehrer Mario Kulling und Bürgermeisterin Urte Steinberg (rechts) schauen Lisa Fürstenberg über die Schulter, die an Pinnebergs Berufsschule sowohl einen Berufseinstieg als auch einen Realschulabschluss anstrebt.

Bürgermeisterin Urte Steinberg besucht Berufsschule an der Verbindungsstraße. Im Herbst sollen die Arbeiten abgeschlossen sein.

shz.de von
13. Januar 2015, 16:00 Uhr

Pinneberg | Ihr offizieller Antrittsbesuch in der im Neubau befindlichen Beruflichen Schule an der Verbindungsstraße war für Bürgermeisterin Urte Steinberg zugleich ein Trip in die eigene Vergangenheit: Hier drückte die heutige Rathauschefin während ihrer Ausbildung zur Bankkauffrau einst selbst die Schulbank. Ulrich Krause hatte für diesen Termin gründlich recherchiert. Das Ergebnis: Eine eindrucksvolle Darstellung der Schule, fünf Seiten voller Grafiken und Daten, die der Schulleiter seiner Besucherin in die Hand drücken konnte.

Schon auf den ersten Blick fiel dabei auf, wie komplex eine moderne berufliche Schule strukturiert ist. Die über 3500 Schüler bereiten sich hier auf zehn gewerbliche und 13 kaufmännische Berufe vor. Dazu kommen drei medizinische Assistenzberufe und Sonderausbildungsgänge. Zwei Berufsfachschulen, eine für Technik, Wirtschaft, Gesundheit und Ernährung, eine weitere für Sozialpädagogik, führen zur Fachhochschulreife.

Das Angebotsspektrum müsse mit einer vielfältiger werdenden Berufswelt mithalten, stellte der Schulleiter fest. Was ihn besonders freue, sei der mit über 2700 Schülern besonders hohe Anteil an jungen Leuten in dualer Berufsausbildung. Das seien rund 70 Prozent gegenüber knapp 50 an vielen anderen Standorten im Lande, ein klares Zeichen für die Stärke der mittelständischen Wirtschaft im Pinneberger Raum, denn die schaffe die dafür nötigen Lehrstellen. Auch dieser Weg könne zur Fachhochschulreife führen, ergänzte der Schulleiter.

Nicht zuletzt macht die Schule diejenigen für einen Berufseinstieg fit, denen dafür wesentliche Voraussetzungen fehlen, darunter kriegstraumatisierte Jugendliche, die eine Kindheit auf der Flucht hinter sich haben, ein junges Leben voller Angst und Gewalttätigkeit. „Wir haben hier Afghanen, die mit 16 Jahren lesen und schreiben lernen und ein Abitur anstreben“, erzählt Krause voller Hochachtung, „und die sind so motiviert, dass ich ihnen das ohne Weiteres zutraue.“ Steinberg war beeindruckt. „Ich bin stolz, dass wir diese Schule haben. Sie trägt viel dazu bei, dass Pinneberg ein so attraktiver Standort ist“, fasste sie das Gesehene zusammen. Hier werde sowohl für die Einwohner wie auch die Wirtschaft wertvoller Dienst geleistet. Wenn im Herbst der Neubau abgeschlossen sein werde, so war sie sich sicher, dann habe die Kreisstadt ein weiteres Vorzeigeobjekt.

Teile der Schule sind bis dahin noch Baustelle. „Manchmal scheppern die Geräte auf meinem Schreibtisch, wenn da draußen die Maschinen rattern“, beschrieb der Schulleiter seinen Alltag. Aber er nehme das gern in Kauf, denn: „Wenn alles fertig ist, werden wir für alle Lernenden modernste Klassenräume und Lehrwerkstätten haben.“ Für angehende Profis in den Bereichen Gesundheit und Ernährung hat diese Zukunft bereits begonnen. Ihre Lehrküche war denn auch das besondere Vorzeigestück beim Rundgang mit der Verwaltungschefin.

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