Ausbau der agrarischen Kulturlandschaft gefördert

Jürgen Hühnke berichtet über Quickborns Geschichte.
Jürgen Hühnke berichtet über Quickborns Geschichte.

Bestrebungen gegen Versanden der Pinnau / Zwangsarbeit durch Kriegsgefangene / Angst vor dem Wulfsmüller

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27. Januar 2015, 13:28 Uhr

Bekanntlich wollte Bismarck anfangs keine Kolonien, doch Privatleute wie der Bremer Tabakkaufmann Alfred Lüderitz , der einen Küstenstreifen des heutigen Namibia kaufte, zwangen ihn dazu, solche Erwerbungen 1884 unter den Schutz des Deutschen Reiches zu stellen, das sich damit unter die imperialistischen Großmächte drängte.
1882 gab es dergleichen Bestrebungen noch nicht. Vielmehr war das Reich um wirtschaftliche Autarkie bemüht und förderte den Ausbau der agrarischen Kulturlandschaft. Dazu gehörte auch die Trockenlegung der Pinnauauen, die durch das Aufstauen bei der Wulfsmühle besonders im Winter weithin überschwemmt waren. Quickborner Kindern waren die vereisten Schwemmflächen zwar sehr willkommen, nicht aber den Bauern.

Im Februar 1882 beantragte die Gemeinde Quickborn auch für Renzel Maßnahmen gegen den „verwilderten Zustand der Pinnau“ und gründete mit Tangstedt und Borstel einen Zweckverband. Freilich war bei den letztgenannten Gemeinden die Bereitschaft für ein genossenschaftliches Vorgehen nur gering, da auf sie der Wulfsmüller politisch Einfluss nehmen konnte. Das Kieler sogenannte Meliorations-Bauinspektorat – „Melioration“, Verbesserung, nannte man solche Eingriffe in die Natur – war schon gleich der Ansicht, man werde Borstel und Tangstedt wohl in den Entwässerungsverband hineinzwängen müssen, so groß waren die Befürchtungen dort.

Als sich dann 1884 der Quickborner Bauervogt Johann Nicolaus Donath zum Wulfsmüller begab, drohte dieser wortreich mit einer Prozesswelle gegen alle, deren Urbarmachungen seine Existenz gefährden wollten, woraufhin den Gemeindevertretern von Quickborn und Renzel prompt bange wurde, zumal sich die Gemeinde gerade hochspekulativ verschuldet hatte: Im Vorjahr hatte sie für 49  000 Mark Stammaktien der AKE, heute AKN, erworben, was bei den Renzelern auf starke Ablehnung stieß, da der Milchzug bereits bald nach Mitternacht zu beliefern war.

Der „Zweckverband zur Regulierung der oberen Pinnau“ konnte erst 1893 verwirklicht werden. Im Ersten Weltkrieg wurden zum Entsetzen der Armeeführung russische Kriegsgefangene 1815 völkerrechtswidrig zur Zwangsarbeit beim Torfabbau und eben auch bei der Pinnauregulierung eingesetzt, weil plötzlich wieder Autarkie gefragt war. Wenig später war die wirtschaftliche Unabhängigkeit ebenso dahin wie die Kolonien.

Und die Pinnau wartete noch lange auf ihre Remäandrierung.

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