Pinneberger Stadtmuseum : August, der Bruchpilot

Bernd Heitmann aus Borstel-Hohenraden erforscht seit 20 Jahren das Leben von August Nesemann (1873-1951).
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Bernd Heitmann aus Borstel-Hohenraden erforscht seit 20 Jahren das Leben von August Nesemann (1873-1951).

Er war der Flugpionier aus dem Kreis Pinneberg: August Nesemann baute zahlreiche Flugmaschinen und testete sie in Tangstedt.

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12. November 2013, 12:00 Uhr

August Nesemann wollte den Himmel erobern. Und nichts konnte den 1873 im Kreis Peine geborenen Baugewerksmeister davon abbringen. Zahlreiche Bruchlandungen mit seinen selbst entworfenen Flugmaschinen ebenso wenig wie der finanzielle Ruin oder das Motorflugverbot, dass die Alliierten nach dem Ersten Weltkrieg über Deutschland verhängten. Seit 1912 lebte Nesemann im Kreis Pinneberg, betrieb eine Fluganlage in Tangstedt.

Das Pinneberg Museum würdigt den Luftfahrtpionier, ab Freitag, 15. November, mit einer Ausstellung. Zahlreiche Schwarz-Weiß-Fotos, Konzeptzeichnungen und Skizzen sowie mehrere nachgebaute Modelle von Nesemanns Flugzeugen sind bis Sonnabend, 22. März, zu sehen. „Einen Großteil des Wissens über Nesemann verdanken wir Bernd Heitmann“, betont Museumsleiterin Ina Duggen-Below. Der 64-Jährige aus Borstel-Hohenraden erforscht seit über 20 Jahren in seiner Freizeit das Leben von Nesemann. „Damals erzählte mir ein 104-jähriger Nachbar, dass jemand in Tangstedt Flugversuche unternahm, auf einem von Hunden bewachten Grundstück.“ Heitmanns Neugier war geweckt.

Stück für Stück setzte er die Puzzlestücke von Nesemanns Leben zusammen. Ein mühseliges Geschäft. Doch der 64-Jährige ist fasziniert von der Hartnäckigkeit des Luftfahrtpioniers. Der hebt 1911 tatsächlich mit seinem selbstgebauten Motorflugzeug ab. Doch die ständige Bastelei führte schließlich zum Ruin von Nesemanns Holzbaufirma. Die Rettung war der Hamburger Senator Alfred Zeise, der nicht nur eine Schiffsschraubenfabrik in Altona betrieb, sondern selbst Luftfahrtenthusiast war. Hier durfte Nesemann nun als Angestellter weitertüfteln. Doch der verlorene Weltkrieg bedeutete auch das zwischenzeitliche Ende des Motorflugs in Deutschland – die Siegermächte verboten alle Versuche auf diesem Gebiet.

Nesemann verlegte sich auf den Segelflug und schaffte es 1926 in Fuhlsbüttel 100 Meter zurückzulegen. Allerdings musste er nach dem Tod von Zeise 1922 auch seinen Lebensunterhalt zum Teil aus Eintrittsgeldern für Flugversuche bestreiten. „Seine Frau musste derweil die fünf Kinder versorgen“, erzählt Heitmann. „Die Familie war so arm, dass eine Tochter ihre Konfirmation im Haushalt einer Freundin feiern musste.“ 1951 starb Nesemann nach einem Verkehrsunfall in Pinneberg, wo er seit 1919 wohnt. Die Luftfahrt war da längst den Kinderschuhen entwachsen – auch dank ihrer Pioniere.

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