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Bushaltestellen beklebt : Aufregung um Nazi-Plakate in Pinneberg

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Bilder des verurteilten Kriegsverbrechers Erich Priebke verschandeln die City. Bürgermeisterin Urte Steinberg: „So etwas können wir nicht tolerieren.“

shz.de von
erstellt am 05.Apr.2014 | 08:00 Uhr

Pinneberg | Sie hängen seit Freitag Morgen an Laternenpfählen und in Buswartehäuschen in Pinnebergs City. Rote Plakate, darauf ein älterer Mann im grauen Anzug, sitzend und von Uniformierten umgeben. Über der Fotografie prangt ein Name: Erich Priebke. Der war als SS-Führer am 22. März 1944 – also vor fast genau 70 Jahren – an der Erschießung von 335 italienischen Zivilisten in den Ardeatinischen Höhlen im Süden Roms beteiligt. Nach dem Krieg floh er nach Argentinien, wurde 1995 nach Italien ausgeliefert und dort zu lebenslanger Haft verurteilt. Priebke starb am 11. Oktober 2013.

Ernst-Günter Steenbock von der Stadtverwaltung ist bereits selbst auf die Plakate aufmerksam geworden. Er habe die Poster in Bahnhofsnähe gesehen. „Ich habe bereits einige Zettel abgerissen.“ Passanten hätten ihn allerdings für sein Eingreifen kritisiert. Entferne die Stadt die Plakate, könne dies mehrere hundert Euro kosten. Bürgermeisterin Urte Steinberg zeigte sich betroffen von dem Vorfall und betonte: „So etwas können wir nicht tolerieren.“ Die Stadt werde die Plakate möglichst zeitnah entfernen.

Thorsten Buchwitz, Revierleiter der Pinneberger Polizei, ist ebenfalls im Bilde. „Ich habe den Staatsschutz in Itzehoe kontaktiert.“ In Zusammenarbeit mit der Staatsanwaltschaft werde dort geprüft, ob Strafanzeige gestellt werden könne. Möglicherweise könne aber nur das Plakatieren ohne Genehmigung belangt werden. Dabei handelt es sich um Sachbeschädigung – eine Ordnungswidrigkeit.

Es könnte sich um die abgeschnittene Version eines größeren Posters handeln, auf dem vor einigen Jahren die Freilassung Priebkes aus italienischer Haft gefordert wurde. Verfassungsfeindliche Symbole sind nicht zu sehen. Ein aufgedrucktes Impressum verrät: Für den Druck der Plakate zeigt sich nach dem Presserecht der Bremer Henrik Ostendorf verantwortlich. Der gilt als einflussreicher Aktivist der NPD.

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