Umwelt : Aufklärungskampagne und neue Technik für besseren Biomüll

Sieht so Bioabfall aus? Mit der Initiative wollen Unternehmen auf das Problem des Mikroplastiks im Müll aufmerksam machen.
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Sieht so Bioabfall aus? Mit der Initiative wollen Unternehmen auf das Problem des Mikroplastiks im Müll aufmerksam machen.

Eine neue Vergärungsanlage der GAB soll die Qualität von Abfällen verbessern. Dazu startet die Initiative #wirfuerbio.

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16. Mai 2018, 11:56 Uhr

Tornesch | Eine Vergärungsanlage, was ist das überhaupt? Nicht nur die anwesenden Gäste aus Wirtschaft und Politik hatten zunächst ein großes Fragezeichen im Gesicht stehen, als die neue Vergärungsanlage der Gesellschaft für Abfallwirtschaft und Abfallbehandlung (GAB) in Tornesch eingeweiht wurde. Tobias Goldschmidt, Staatssekretär für Energiewende, und Landrat Oliver Stolz (parteilos) ließen es sich nicht nehmen, gemeinsam mit GAB-Geschäftsführer Jens Ohde die Anlage feierlich zu eröffnen. Ohde klärte auf und erläuterte die Funktionsweise: Die Anlage ist eine neue Stufe in der Behandlung von Bioabfall. Ganz am Ende soll hochwertiger Kompost erzeugt werden. „Jährlich werden mehr als 30 000 Tonnen Bioabfall aus dem Kreis Pinneberg und 6000 Tonnen aus Norderstedt in unserer Anlage für Bioabfall in bis zu 4500  Megwattstunden Biostrom verwandelt“, erklärte Ohde und ergänzte: „Damit können wir 1000 Vier-Personen-Haushalte ein Jahr lang mit Biostrom versorgen.“ 

Plastik landet auf den Äckern und im Grundwasser

Die Qualität des Mülls sei dabei entscheidend. Denn vor allem ein Problem herrscht bei der Entsorgung von Bioabfällen: Plastikmüll. „In unseren automatisierten Sortierprozessen können nicht immer alle Störstoffe aus dem Bioabfall restlos entfernt werden“, berichtet der GAB-Geschäftsführer. „Deshalb landen auch immer wieder Plastiktüten in dem Material, aus dem wir Bioenergie und Qualitätskompost herstellen.“ Wertvolles organisches Material gehe dann verloren, wenn der Abfall in zugeknoteten Plastiktüten – auch die vermeintlich kompostierbaren – komplett aussortiert werden muss. In Mikroplastik zerfallen, können die Tüten nicht mehr aus dem Rohkompost getrennt werden. Sie landen so auf Äckern, werden ins Grundwasser gespült und gelangen unweigerlich in die Nahrungskette der Menschen.

GAB beteiligt sich an der Initiative #wirfürbio

Deshalb sei das Thema Bioabfall auch so wichtig. „Wir möchten die Bürger für das Thema sensibilisieren, informieren und aufklären“, erklärt Ohde. Deshalb beteiligen sich die GAB an der landesübergreifenden Kampagne #wirfürbio.

#wirfuerbio – Kampagne gegen Plastik in der Biotonne

Norddeutschlands Abfallwirtschaftsbetriebe räumen auf in der Biotonne. Erstmalig wird gemeinsam eine große Informations- und Aufklärungskampagne gestartet, um die Plastiktüte und die kompostierbare Plastiktüte aus den Biotonnen zu verbannen.  Denn nach wie vor bilden diese noch immer den größten Störstoffanteil im Bioabfall.

„Damit wird ein eigentlich zu 100 Prozent biologischer und verlustfreier Energiekreislauf maßgeblich gestört“, erklärt Jens Ohde, Geschäftsführer des Umwelt Service der Gesellschaft für Abfallwirtschaft (GAB) in Tornesch. Er ergänzt: „Aus Plastiktüten wird weder Bioenergie noch Qualitätskompost.“

23 Betriebe aus Schleswig-Holstein, Hamburg, Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern starteten deshalb die Kampagne unter dem Motto „#wirfuerbio – Biomüll kann mehr“. Unterstützt wird die Aktion auch seitens der Politik: Schirmherr der Kampagne ist Robert Habeck (Grüne), Umweltminister und stellvertretender Ministerpräsident Schleswig-Holsteins.

Die Betriebe wollen ihre Kräfte bündeln. Gemeinsam soll die Verunreinigung des mit Mikroplastik verseuchten Bioabfalls – beispielsweise auf Äckern oder im Grundwasser – minimiert werden. Außerdem soll die Qualität der gewonnenen Komposterde verbessert werden.

„Auch uns ist bewusst, dass es nicht zu den angenehmsten Aufgaben im Haushalt zählt, den Bioabfall zu entsorgen“, heißt es seitens der GAB. Um die Menschen aber wachzurütteln, habe man sich gemeinsam mit der Agentur Schweitzermedia einiges überlegt: Aufkleber für Tonnen, klassische Plakate, aber auch Videos und Beiträge für die sozialen Medien sowie ein Radiospot werden geschaltet. Auch die Lebensmittelbranche ist dabei. So unterstützt beispielsweise Ex-St.Pauli-Coach Holger Stanislawski mit seinem Rewe-Markt in Hamburg die Abfallwirtschaftsbetriebe.

 

40 000 Tonnen Abfall verarbeitet die Anlage pro Jahr. Die eine Hälfte wird vergärt, die andere zu Kompost recycelt. Etwa zehn Millionen Euro wurden dafür in das Projekt gesteckt. Gut angelegtes Geld, wenn es nach Landrat Stolz geht: „Wir sichern mit der neuen Anlage Arbeitsplätze und verbessern die Wirtschaftskraft der Region – und arbeiten umweltfreundlicher.“ Auch Goldschmidt zeigte sich beeindruckt: „Es ist richtig und wichtig, dass wir etwas für die Umwelt tun.“ Er mahnte zudem an: „Plastikmüll gehört nicht in den Bioabfall.“

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