Pastorin verabschiedet sich : Aufbruch von Pinneberg nach Amrum

Abschied von der Lutherkirche: Pastorin Martje Brandt wirkte elf Jahre lang in der Gemeinde.
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Abschied von der Lutherkirche: Pastorin Martje Brandt wirkte elf Jahre lang in der Gemeinde.

Pinnebergs Pastorin Martje Brandt verlässt die Luthergemeinde und zieht auf die Insel. Abschied am 21. Januar.

shz.de von
11. Januar 2018, 12:00 Uhr

Ein neuer Weg im neuen Jahr. Den geht Martje Brandt, seit 2006 Pastorin der Lutherkirche im Pinneberger Kirchhofsweg. Nach elf Jahren in der Gemeinde zieht es sie an die Nordsee: Sie wird Pastorin auf Amrum. „Das ist eine Herzensgeschichte“, sagt Brandt. Als Studentin arbeitete sie auf der Insel und seitdem zog es sie immer wieder dorthin. „Dabei komme ich eigentlich aus der Großstadt. Aber ich habe mich dort immer unheimlich wohlgefühlt.“ Als sie die Ausschreibung für die Stelle sah, hat es sie deshalb gleich gepackt: „Ich bin da nicht mehr von weggekommen, ich musste das probieren“, sagt sie. „Diese Gelegenheit am Meer zu leben und dann auch noch auf Amrum.“ 

Die Insel mache entschieden, erklärt sie. „Wenn man hinfährt, ist man da und kann auch nicht mal eben wieder weg.“ Auf Amrum gebe es kein Halb-da-sein. „Das besondere ist diese Stille.“ Damit meint sie nicht, dass es immer ruhig und beschaulich auf der Insel zugehe. Aber: „Man kommt nach zwei Stunden Fährfahrt anders auf Amrum an. Man kann dort nicht mit quietschenden Reifen vorfahren.“

Bewerbungsgottesdienst

Ohne lang zu überlegen bewarb sich Brandt auf die Pastorenstelle und wurde von der Amrumer Gemeindeleitung zum Gespräch eingeladen. Danach musste sie sich mit einem Bewerbungsgottesdienst der Gemeinde vorstellen. Und der lief gut: Der Kirchengemeinderat wählte sie anschließend als neue Inselpastorin. Am 1. März geht es richtig los. Bis dahin wird Brandt alles zusammenpacken und umziehen. „Ich wusste vorher, dass ich umziehen muss, alles neu aufbauen. Aber was das wirklich heißt, wird mir erst jetzt klar, wenn ich in meinem vollgerümpelten Keller stehe und mit dem Umzugsunternehmen spreche.“ Die Partnerin, die Familie, die Freunde – sie bleiben zurück. Ein bisschen mulmig wird Brandt da schon. Sie lacht und seufzt abwechselnd, scheint hin und her gerissen zwischen Vorfreude und „Was habe ich da nur gemacht?“. „Es ist gut, dass ich mich vorher nicht so intensiv damit beschäftigt habe: Ich bin niemand, der tagelang abwägt.“ Erst jetzt, wo sie sich auf den Weg in ein neues Leben begeben hat, kommen ihr Fragen. Geht das gut? Hat sie sich doch übernommen? Doch eigentlich ist Brandt sich sicher: „Ich will das und ich freue mich auf das Neue.“

Brandt verlässt eine Gemeinde mit 4300 Mitgliedern und zwei Pastoren. Auf Amrum wird sie allein für 1100 Gemeindemitglieder zuständig sein. Plus etwa 200 000 Touristen pro Jahr. „Das ist eine sehr interessante kirchliche Mischung“, sagt Brandt. „Alle kommen mit völlig unterschiedlichen Erwartungen, das ist ein richtiger Schmelztiegel.“ Im Winter werden dafür die Einheimischen mehr in den Fokus rücken. Ihre Arbeit wird sich sehr verändern, das ist Brandt bewusst. „Ich gehe projektlos dahin und lasse mich überraschen“, sagt sie. „Ich muss erst meine Rolle dort finden.“

Der perfekte Moment

Es schien der perfekte Moment zu sein, alles hat gepasst. Etwa alle zehn Jahre ist ein Pastorenwechsel in der Gemeinde angedacht. Ein bis drei mal im Berufsleben ziehen sie weiter. „Das ist gut für die eigene Weiterentwicklung, aber auch für die der Gemeinde“, sagt Brandt. Einmal den Schreibtisch leer arbeiten, die Projekte zum Abschluss bringen. Und dann beginnt etwas Neues. Seelenhygiene nennt sie das. „Das ist schwer für die, die gerade sehr zufrieden sind, weil sie erstmal etwas aufgeben müssen. Aber die Lutherkirche hat gute Erfahrungen gemacht.“ Ein neuer Pastor bedeutet neue Impulse, neue Ideen. Auch für die Lutherkirche bricht 2018 ein neuer Abschnitt im Gemeindeleben an.

Was Brandt an Pinneberg vermissen wird? Die Menschen. „Am liebsten würde ich manche in den Koffer packen“, scherzt sie. „Es ist eine sehr aufgeschlossene Gemeinde, die neugierig mit mir neue Wege gegangen ist. Die Menschen haben mir hier sehr vertraut.“ Angefangen bei ihren Konfirmanden bis hin zu den Kollegen – auch ökumenisch übergreifend. Aber die Freude auf Neues hat sie darüber nicht verloren. Dabei hilft ihr ihre Pinneberger Berufserfahrung: „Ich gehe nach Amrum mit dem Gefühl, eine gestandene Pastorin zu sein. Ich habe ein gutes Gefühl für Menschen, das hat sich auch im Probe-Gottesdienst gezeigt.“

Trotzdem: Ihre Pinneberger Erfolgsmodelle bleiben hier. „Nur weil das hier richtig war, muss das noch lange nicht dort funktionieren“, sagt sie. Gemeinsam mit den Insulanern wird sie neue Modelle für deren Gemeinde entwickeln. Doch zuerst steht der Abschied in Pinneberg an: Am 21. Januar wird Brandt um 15 Uhr mit einem Gottesdienst mit Probst Thomas Drope in der Lutherkirche feierlich verabschiedet. Abschließend ist bei einem Empfang Zeit für letzte persönliche Worte.

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