Nachtschicht im Kreis Pinneberg : Auf Verfolgungsjagd durch die Marsch

Einsatzbereit: Das Polizeirevier Pinneberg hat insgesamt sechs Streifenwagen zur Verfügung.
Einsatzbereit: Das Polizeirevier Pinneberg hat insgesamt sechs Streifenwagen zur Verfügung.

Mit zwei Polizisten auf der Suche nach einem Einbrecher. Auch eine Kneipenschlägerei beschäftigt die Beamten während ihrer Nachtschicht.

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11. Januar 2015, 14:00 Uhr

Kreis Pinneberg | Hell. Dunkel. Hell. Dunkel. Wie von Blitzen erleuchtet fliegt die Haseldorfer Marsch am Streifenwagen 2 des Polizeireviers Pinneberg vorbei. Das Blaulicht ist eingeschaltet. Der Streifenwagen mit dem Funkrufnamen Rose 1-12 fährt mit über hundert Stundenkilometern Richtung Neuendeich.

Die Besatzung – Polizeimeister Martin (Nachname aus polizeitaktischen Gründen nicht genannt) und Hauptkommissar und Dienstgruppenleiter Sascha Schmidt – ist, genau wie andere Streifenwagen aus der Region, auf der Suche nach einem Einbrecher. Über die Leitstelle in Elmshorn kam die Meldung, dass ein Neuendeicher einen Einbrecher habe wegfahren sehen. Dieser flüchtete in einem dunklen Kleinwagen mit dem Kennzeichenfragment „OH-HA“ in Richtung Uetersen.

Um die Chance zu erhöhen, den Einbrecher zu fassen, fahren die Einsatzkräfte aus verschiedenen Richtungen die möglichen Fluchtwege ab. Je dichter der Streifenwagen Uetersen kommt, desto angespannter wird die Stimmung im Fahrzeug. Konzentriert lenkt Martin den Wagen, während Schröder auf die Kennzeichen der Autos achtet. Kurz vor dem Moorreger Ortseingang schaltet Schmidt das Blaulicht aus. „Ich dachte auf den ersten Blick, wir hätten ihn“, sagt Martin, kurz nachdem ein Auto mit dem Kennzeichen „OD“ entgegenkommen ist. Schmidt nickt. Mit der Leitstelle wird über Funk abgesprochen, dass das Team an der Drehbrücke in Neuendeich Stellung bezieht. Es bleibt ruhig, ein Pinneberger Autofahrer und ein Radfahrer kommen vorbei. Kurz darauf werden Martin und Schmidt von einem anderen Streifenwagen abgelöst.

In dem Moment, als Martin in eine Seitenstraße abbiegt, um die Suche fortzusetzen, schallt es aus dem Funkgerät: „Im Rahmen der Streife weiter“ Die gezielte Suche sei also beendet, erklärt Schmidt. Knapp eine halbe Stunde ist seit der Alarmierung vergangen.

Nun fahren die Beamten wieder in den Bereich ihres Reviers, das sich nachts von Pinneberg über Appen, Prisdorf, Kummerfeld bis Borstel-Hohenraden erstreckt. Dort setzen sie ihre Streifenfahrt, die sie für den Einsatz unterbrochen haben, fort. Dabei folgen sie keinem bestimmten Plan. „Es geht darum, Hotspots abzufahren und Präsenz zu zeigen“, sagt Schmidt.

Sascha Schmidt schreibt Einsatzberichte über die getane Arbeit. (Foto: Meyer)
Sascha Schmidt schreibt Einsatzberichte über die getane Arbeit. (Foto: Meyer)
 

Auch während der Fahrt sind die Beamten aufmerksam. Weisen Autofahrer darauf hin, dass sie Nebelscheinwerfer eingeschaltet haben, obwohl kein Nebel ist oder ermahnen Falschparker. Um 21.10 Uhr hält der Streifenwagen vor der jüdischen Gemeinde in Pinneberg. Die Polizisten sind inzwischen drei Stunden im Dienst, neun weitere müssen sie noch arbeiten. Schmidt nimmt die Taschenlampe von seinem Gürtel, an dem neben Dienstwaffe, Munition und Pfefferspray auch Handfesseln hängen. Er läuft um das Gebäude. „Ich achte darauf, ob irgendetwas verändert wurde.“ Das ist in dieser Nacht nicht der Fall.

In der Pinneberger Fußgängerzone hingegen fällt Schmidt etwas auf. Auf einem grauen Sicherungskasten auf dem Drosteivorplatz sichtet Schmidt ein Graffiti. Vier Buchstaben in schwarzer Farbe: ACAB – eine Abkürzung, die für die englische Aussage „All Cops are Bastards“ („Alle Polizisten sind Bastarde“) steht. Martin fotografiert den Schriftzug, während Schmidt ihn ausmisst und in seinem Notizbuch die Sache notiert. „Es lohnt sich, das anzuzeigen, da wir gleichzeitig eine Meldung an den Staatsschutz rausgeben“, erklärt er. So werde zumindest aktenkundig, dass es solche Schmierereien gebe.

Dokumentation: Martin, Polizeimeister, fotografiert ein Graffiti in Pinneberg. (Foto: Meyer)
Dokumentation: Martin, Polizeimeister, fotografiert ein Graffiti in Pinneberg. (Foto: Meyer)
 

Um 22 Uhr sind Schmidt und Martin zurück auf der Wache. Routiniert werden die Einsatzberichte ausgefüllt. „Damit sichern wir uns für viele Eventualitäten ab“, sagt Schmidt und schreibt genau, wer beteiligt war, was gemacht wurde und wo der Einsatz war. Zwei Stunden später sind alle Berichte ausgefüllt. „Wir machen mal in Sicherheit“, verabschiedet sich Schmidt mit einem Augenzwinkern von den zwei Kollegen, die in dieser Nacht den Innendienst übernommen haben. Sie regeln den Funkverkehr mit der Leitstelle und den Fahrzeugen, außerdem nehmen sie die Anrufe an die Wache an.

Schmidt und Martin wollen gerade an der Kreuzung Kleiner Reitweg/Thesdorfer Weg ein Fahrzeug kontrollieren, als plötzlich die Meldung einer Kneipenschlägerei an der Elmshorner Straße über Funk kommt. Martin beschleunigt den VW-Passat. Er fährt trotz hoher Geschwindigkeit sicher und routiniert. Gleichzeitig fahren zwei Streifenwagen mit Blaulicht vor. Gemeinsam laufen die Polizisten zu der Kneipe. Davor steht eine Gruppe Menschen. „Hier will keiner jemanden anzeigen“, ruft eine der Frauen aus der Runde. Die Beamten beginnen dennoch damit, die Anwesenden zu befragen. „Dazu sind wir laut Paragraf 163 verpflichtet, er besagt, dass Straftaten verfolgt werden müssen“, sagt Schmidt. Dazu gehört auch Körperverletzung. Keiner will etwas gesehen haben. Nur unwillig reden die Frauen und Männer mit den Polizisten. Martin, Schmidt und ihre Kollegen sprechen trotzdem mit allen möglichen Beteiligten der Schlägerei. Lediglich ein Mann berichtet von einem Gerangel auf dem Boden. Der Schläger selbst sei jedoch schon über alle Berge.

Eine Stunde später erhalten die Polizisten den Tipp, dass der Mann an einer Tankstelle sitzen würde. Dort treffen sie ihn. Erklären ihm die Situation. Doch der Mann will gar nicht in der Kneipe gewesen sein. Martin nimmt die Personalien auf. Plötzlich wird der Mann unfreundlicher, fordert die Namen der beiden Beamten. Diese bleiben ruhig und setzen ihre Streife nach dem Treffen fort. Der Mann und alle anderen Beteiligten werden sich mit dem Ermittlungsdienst des Reviers auseinandersetzen müssen. Zurück in der Wache wird gerade ein 28-jähriger Sprayer entlassen, der auf frischer Tat ertappt wurde und kurze Zeit in der Zelle saß. Da er einen festen Wohnsitz hat und sonst nichts gegen ihn vorliegt, darf er gehen. Die Spraydosen werden jedoch beschlagnahmt.

Das Polizeirevier Pinneberg ist für die Gemeinden Pinneberg, Appen, Prisdorf und Borstel-Hohenraden zuständig. Nachts decken die Beamten außerdem noch den Dienst für Kummerfeld ab, wo nur tagsüber ein Polizist stationiert ist. Normalerweise sind pro Schicht sieben Beamte im Dienst, wovon einer die Leitung übernimmt. Jede Schicht beginnt mit dem sogenannten Briefing. In diesem stellt der Dienstgruppenleiter Einsätze vor, die von Bedeutung sein könnten. Werden von den Beamten Menschen vorläufig festgenommen, muss sichergestellt werden, dass regelmäßig nach ihnen geschaut wird, um die Sicherheit der Person zu gewährleisten. Zudem wird genau dokumentiert, wer sich wann und wie mit in der Zelle aufgehalten hat. Vorläufig Festgenommene im Kreis Pinneberg werden in der Wache Pinneberg zentral in Gewahrsam genommen.

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