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Forum Theater Pinneberg : Auf der Suche nach sich selbst

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Viel Beifall für das utopische Stück „Die fremde Stadt“. Gewinne kommen Flüchtlingsprojekt zugute.

Pinneberg | Neun völlig unterschiedliche Menschentypen finden sich mit einem Schlag in eine alte Bahnhofshalle versetzt. „Wo sind wir hier? Wo geht’s raus? Sind wir tot?“ Alles gute Fragen. Die Tür ist verschlossen und der letzte Zug muss vor langer Zeit gefahren sein, denn überall liegen tote Blätter und Müll. Das ist die Ausgangssituation der Neuauflage von „Die fremde Stadt“, mit der das Forum Theater am Wochenende Premiere feierte.

Es ist die zweite Neuauflage in diesem Jahr: Zum 20-jährigen Bestehen werden 2015 erstmals drei alte Stücke wieder hervorgeholt. „Das hat es vorher in über 90 Produktionen nicht gegeben“, so Pressesprecher Andreas Hettwer. Das soll aber nicht heißen, dass „Die fremde Stadt“ ein alter Hut wäre. Regisseur Detlef Murphy hat das Stück von John Boynton Priestley in die Gegenwart geholt und den Text komplett überarbeitet: „Das Original spielt in England in den 1940er Jahren.“ So wurde es 1997 vom Forum Theater auch aufgeführt. „Jetzt hingegen spielt es in Deutschland im Jahr 2015 und es hat einen lokalen Bezug.“ Alle handelnden Personen stammen aus Hamburg und werden mitten aus dem Alltag gerissen.

Schnell steht fest: Hier prallen Welten aufeinander, vom Politiker Graf Thurow (Ralf-Lutz Glor) und der Freifrau von Krickwitz (Babett Schemion) mit ihrer Tochter Philippa (Nathalie Marth) über den Wirtschaftshai Kruse (Hans Molenda), den unsicheren Banker Michael (Christian Kautz) mit seiner Frau Diana (Jenny Kiessling), die Studentin Alina (Tomke Julius), den Tagelöhner Jobst (Jan Rzepucha) bis zur Rentnerin Oma Becker (Elena Straus), die sich mit Putzen über Wasser hält. Einziges verbindendes Element ist die Unzufriedenheit mit dem eigenen Leben. Schnell kracht es gewaltig zwischen ihnen, alte Konflikte brechen auf und längst begrabene Lebensträume sind plötzlich wieder auf dem Tisch. Von diesen Streitdialogen und den von den Darstellern herrlich verkörperten Klischees lebt das Stück. Es ist ein Werk zum Nachdenken und Nachvollziehen – viel Handlung gibt es nicht, während das Publikum mit in der Bahnhofszwischenwelt gefangen ist. Nur eins: Die Tür geht endlich auf und lässt die Streithähne in die dahinterliegende Stadt. Hier sind alle Menschen glücklich, helfen sich gegenseitig und handeln mit Taten, statt Geld. Während die einfachen Menschen begeistert sind, bedeutet das schlechte Karten für den Kaufmann Kruse, dessen einziges Talent darin besteht, Geld zu vermehren. Konfrontiert mit dieser fremden Stadt, steht am Ende die Frage: Utopie – wollen und können wir das überhaupt? Das Premierenpublikum spendete ordentlich Beifall für die tolle Leistung der Schauspieler. Spontanen Applaus erntete auch die Ansage, dass die Gewinne aus den fünf Aufführungen an ein Pinneberger Flüchtlingsprojekt gespendet werden.

INFO Aufführungen

Weitere Vorführungen in der Ernst-Paasch-Halle, Lindenstraße 10, in Pinneberg sind am Freitag und Sonnabend, 6. und 7. November, 19.30 Uhr, sowie am Sonntag, 8. November, ab 18 Uhr. Vorverkauf: Karten zu elf Euro (ermäßigt acht ) im Bücherwurm, Dingstätte 24. Abendkasse: zehn Euro (ermäßigt 7,50 Euro).

 
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erstellt am 02.Nov.2015 | 14:30 Uhr

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