„Klimatour Apfel ” : Auf der Suche nach der Apfelblüte dem Süden entgegen

Stare haben es sich auf einem Apfelbaum bequem gemacht – die Blüte lässt auf sich warten.

Stare haben es sich auf einem Apfelbaum bequem gemacht – die Blüte lässt auf sich warten.

Der Pinneberger Hans Rutar radelt von Heidelberg nach Haseldorf. Von seinen Erlebnissen berichtet er regelmäßig.

shz.de von
04. April 2019, 00:00 Uhr

Am Startpunkt Heidelberg ist weit und breit keine Apfelblüte zu sehen. Mein Entschluss lautet: weiter in den Süden. Heute bin ich im Rheintal bei Offenburg. Doch auch hier im Ortenaukreis blühen zwar die Kirschen, nicht aber die Apfelbäume.

Von Heidelberg an die Elbe

Am Mittwoch hat Heidelberg die Aktion „Apfelvielfalt“ eröffnet, das grüne Jahresthema der Stadt. Öffentlichkeitswirksam hat  der Oberbürgermeister  eigenhändig einen Obstbaum gepflanzt. Ich  stellte danach die Idee der Klimatour Apfel vor: Mit dem Rad der Apfelblüte durch Deutschland zu folgen, von Heidelberg an die Elbe. Vor 50 Jahren wäre eine solche Tour erst Mitte April gestartet. So deutlich ist die Klimaerwärmung in Deutschland. Ein halbes Lebensalter verschiebt den Frühlingsanfang in Deutschland um zwei Wochen.

Da in Heidelberg die Apfelbäume noch nicht blühen, geht es erst mal nach Süden, über Karlsruhe und Offenburg nach Freiburg. Auf dem Wochenmarkt am Stefansplatz Karlsruhe war eine längere Pause nötig: Ein Apfelhof verkauft dort den eigenen Apfelsaft, sogar sortenreinen Apfelsaft. Die zehn Varianten zu probieren, braucht Zeit. Regionale Lebensmittel direkt vom Erzeuger, eine der wichtigen Antworten auf die Klimafrage.

Am Straßenrand bei Ettlingen arbeitete ein Mann mit seinem Kind auf einer Apfelbaumwiese. Beim Gespräch erfuhr ich, dass keine Familie hier je eine Streuobstwiese hergibt. Flächen werden nur vererbt. Allerdings kann man mit Glück etwas pachten.  Er selbst hat dieses Gelände vor zwei Jahren gefunden. Nun weiß er, dass Apfelbäume für zehn Monate im Jahr Arbeit machen. Die Pflege der traditionellen Bäume ist arbeitsintensiv. Zu jedem Baum auf seiner Wiese hat er ein Geschichte bereit, jeder hat seinen eigenen Charakter.

 

Äpfel gibt es von August an bis in den November. Dort in der Ortenau und Umgebung bieten mehrere Handwerksbetriebe an, aus den angelieferten Äpfeln Saft zu pressen. Mehr als 200 Liter habe sein bester Baum in 2018 gegeben. Ein anderer sei leider unter der Last der reichen Ernte auseinandergebrochen, berichtet der Mann. Schade. Nun wird er mit einem Obstberater sprechen, aus welchen Sorten der neue Baum gewählt wird. Vieles ist zu beachten, das er als Neuling nicht weiß. Apfelbäume müssen immer von einem anderen Apfelbaum bestäubt werden. Und nicht jede Kombination gelingt.

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