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Pinneberger Tageblatt

19. Oktober 2017 | 08:26 Uhr

Auf der Suche nach dem wahren Glück

vom

shz.de von
erstellt am 03.Mai.2013 | 01:14 Uhr

Pinneberg | "Fortuna scherzosa", scherzhaftes Schicksal - unter diesem Titel nach der gleichnamigen Kantate von Georg Philipp Telemann führte die Hamburger Ratsmusik, bestehend aus Theorbespieler Ulrich Wedemeier, Cembalist Michael Fuerst und Gambistin Simone Eckert, zusammen mit Sopranistin Ina Siedlaczek schicksalspreisende sowie -hadernde Barockmusik in der Drostei auf. Die Schicksalsgöttin Fortuna dreht munter und rücksichtslos ihr Rad, bringt gleichermaßen Glück und Leid. Auch barocke Komponisten wie Philipp Heinrich Erlebach und Johann Philipp Krieger sahen sich vom Schicksal verschaukelt und setzten ihren Unmut teils philosophisch, teils humorig in Musik um. "Dabei entstanden einfach nur wunderschöne Texte", so Eckert, die mit Hintergrundinfos und Geschichten durch den Abend leitete und zitierte. Den Anfang des Programms machte Johann Ulichs Kantate "Ihr hellen Sterne des Glücks" - übrigens ein echter Glücksgriff für das Publikum: Sie ist niemals im Druck erschienen und wurde von Eckert mühsam aus einer alten Handschrift herausgeschrieben. Während die drei Instrumentalisten ein hervorragendes Zusammenspiel demonstrierten, brillierte Siedlaczek mit ihrer hellen Stimme. Mit hoher Stimmkontrolle zauberte sie eine facettenreiche Intonation und meisterte sämtliche Koloraturen. Eckert zeigte ihr Können bei einem Solo auf der Diskantgambe in Erlebachs mit Seufzer-Sekunden gespicktem "Geduld kann überwinden" und auf der großen Viola da gamba mit Telemanns Sonate in e-Moll. Auch Fuerst bewies Fingerfertigkeit mit der rasenden Toccata in A-Dur, die fälschlicherweise zuerst Bach und dann Purcell zugeschrieben wurde. "Jetzt hat man herausgefunden, dass das Stück von Johann Adam Reinken ist", erklärte er. Wedemeier präsentierte außer der 14-saitigen Theorbe im zweiten Programmteil noch die kleine Barockgitarre. Nach Telemanns Lied "Das Glück" als Zugabe heimsten die Musiker langanhaltenden Applaus ein. Der viel leider etwas dünn aus, weil nur die Hälfte der Plätze im Saal belegt war. Dem Wetter hatte Fortuna keinen Dienst erwiesen. Der graue, nass-kalte Abend hat wohl manch einen zuhause festgehalten.

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