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Autobahnpolizei Pinneberg : Auf der Jagd nach den schweren Jungs

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Unsicher beladene Lkw, marode Fahrzeuge: Florian Seidel und sein Kollege sind bei der Autobahnpolizei für Kontrollen des Schwerlastverkehrs auf der A23 zuständig. Redaktionsmitglied Jakob Koch hat die Polizisten einen Tag lang begleitet.

Pinneberg | 6.30 Uhr, Wittenberger Straße in Elmshorn: Der Mercedes Vito bewegt sich langsam vom Hof des Autobahnpolizeireviers. An Bord sitzen Polizeioberkommissar Florian Seidel und ein Kollege. „Was uns heute erwartet lässt sich schwer abschätzen – manchmal ist es so, dass wir nicht wissen, wen wir zuerst anhalten sollen“, sagt der Polizeihauptmeister, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen möchte. Seidel und sein Kollege gehören zum achtköpfigen Schwerlastkontrollteam des Polizei-Autobahn- und Bezirksreviers Pinneberg.

Der Vito fährt auf die A 23 Richtung Süden. Das erste Ziel: das sogenannte grüne Dreieck, ein kleines Rasenstück zwischen der Auf- und Abfahrt Pinneberg Nord. Seidel und sein Kollege haben dabei die größeren Fahrzeugklassen im Auge – seien es Sprinter oder mehrachsige 40-Tonner. „Viele Lkw-Fahrer wissen bereits, dass wir hier am grünen Dreieck stehen“, sagt Seidels Kollege.

Plötzlich rauscht ein Lkw an den Beamten vorbei. Der Polizeihauptmeister reagiert blitzschnell: Der Motor des Vitos heult auf, der Hauptmeister drückt das Gaspedal durch. Er zieht das Auto auf die linke Spur und nimmt die Verfolgung des Lkw mit Hamburger Kennzeichen auf. Schnell ist dieser erreicht, der Vito schiebt sich vor den Lkw. Die Beamten aktivieren die „Bitte Folgen“-Anzeige auf der Rückseite des Polizeiwagens. Der Lkw folgt den Beamten auf den nahegelegenen Autobahnrastplatz Forst Rantzau. Die beiden Beamten haben dabei die Ladung des Lkw im Blick: Riesige Stahlträger lagern auf dem Anhänger. Bei näherer Begutachtung wird klar: Die Ladungssicherung ist nicht den Vorschriften entsprechend. „Hier wurde eine behelfsmäßige Zwischenwand eingezogen – teilweise aus morschem Holz“, stellt Seidel fest. Sein Kollege merkt an: „Wenn der Lkw eine Vollbremsung einlegt, klopfen die Stahlträger am Führerhaus an.“ Der Fahrer war auf dem Weg nach Tornesch, er schiebt die falsche Sicherung auf den Zeitdruck, den er habe. „Man kann nicht immer alles nach Lehrbuch machen – wenn doch, würde ich pro Tag ein bis zwei Stunden länger arbeiten als meine Kollegen“, sagt der Fahrer. Ihn erwartet nun eine Anzeige, er darf aber nach erneuter Ladungssicherung die letzten Meter bis zu seinem Zielort fortsetzen.

Die beiden Polizisten setzen ihre Fahrt fort – sie pendeln zwischen dem Elmshorner Autobahnrevier und dem Autohof in Tornesch. „Diese Punkte eignen sich neben Forst Ranzau gut, um die Lkw rauszuziehen“, sagt der 33-jährige Seidel. Der Kreis Pinneberger arbeitet seit eineinhalb Jahren bei der Autobahnwache. Zuvor war er neun Jahre bei der Stadtwache in Pinneberg.

An diesem Morgen stehen weitere Kontrollen an. Auf einer der Fahrten gen Süden fällt den Beamten ein 7,5-Tonner auf, der eine merkwürdige Schieflage hat. „Den schauen wir uns mal genauer an“, sagt Seidels Kollege und lotst den Klein-Lkw auf den Rastplatz Forst Rantzau. In einer ersten Begutachtung fällt sofort auf: Hier stimmt etwas nicht. Die Stoßstange wurde provisorisch mit Kabelbindern fixiert und droht jeden Moment abzufallen. Bei Überprüfung des Fahrers fallen weitere Ungereimtheiten auf: Er hat keinen Fahrzeugschein dabei, außerdem kann er seine Fahrt- und Ruhezeiten nur für den aktuellen Tag, nicht aber für die vorherigen Tage nachweisen. Auch eine Genehmigung für den Güterverkehr, die den Transport der geladenen Regal- und Autoteile von Fremdfirmen erlaubt, fehlt.

Das Fahrzeug muss von Sachverständigen untersucht werden. Die Vorderachse des Lkw reagiert nicht mehr so, wie sie sollte. „Wir geleiten das Fahrzeug nun zum Tüv nach Itzehoe, weil es dort Prüfmöglichkeiten gibt“, sagt Seidels Kollege. Nach der dortigen Überprüfung von Leiter Jens Scheunemann steht fest: Das Fahrzeug weist so erhebliche Mängel auf, dass eine Weiterfahrt nicht möglich ist. Die beiden Beamten entfernen noch auf dem Tüv-Gelände die Plaketten vom Nummernschild. Fahrer und Halter drohen nun hohe Bußgelder sowie Punkte in Flensburg.

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erstellt am 13.02.2014 | 16:00 Uhr

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