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Pinneberger Tageblatt

19. August 2017 | 04:11 Uhr

Konzert : Auf den Spuren von Bob Dylan

vom
Aus der Redaktion des Wedel-Schulauer Tageblatts

Mathias Christian Kosel liest und spielt im Musikzentrum Schulauer Hof Werke des Literaturnobelpreisträgers.

Wedel | Robert Allen Zimmerman alias Bob Dylan ist der einflussreichste Songwriter des 20. Jahrhunderts – und weit darüber hinaus. In wenigen Tagen soll der am 24. Mai 1941 im amerikanischen Duluth (Minnesota) geborene Musiker und Lyriker nach getroffener Entscheidung der Schwedischen Akademie in Stockholm den Nobelpreis für Literatur entgegen nehmen.

Doch: Er wird nicht kommen. Genauso wie er auch nicht ins Weiße Haus zur Feier seines Nobelpreises kam. Bob Dylan ist da ein ganz eigener Typ. Warum das so ist? Darauf versuchte jetzt der Dirigent, Komponist, Pianist und Autor Mathias Christian Kosel im Musikzentrum Schulauer Hof an der ABC-Straße während einer Lesung zu Ehren des viel prämierten Liedermachers Antworten zu finden.

Einige Dutzend Zuhörer waren dem kulturellen Aufruf Kosels gefolgt und hatten es sich bei Punsch und Schokoladenkeksen schon einmal gemütlich gemacht. Darunter auch Jürgen Müller, der freimütig zugab, eigentlich überhaupt kein Dylan-Fan zu sein. „Aber jetzt, wo er diese Auszeichnung erhält, will ich doch mal mehr über ihn erfahren“, sagte Müller noch, als dann der sichtlich erkältete Kosel die Bühne betrat, auf der er fortan zwischen Vorlesetisch und beistehendem Piano hin und her pendelte.

Angefangen in der Jugend Dylans, welche dieser zu großen Teilen in der Ortschaft Hibbing in Minnesota im Hause seiner Großeltern verlebte, kam Kosel schnell auf das musikalische Talent des späteren Superstars zu sprechen. „Ich wollte immer schon Gitarrist und Sänger sein. Seit ich zehn, elf oder zwölf war, war dies das einzige, was mich interessierte“, zitierte Kosel aus den Werken des US-Künstlers. Danach habe es Dylan zum Ärger seiner Eltern in die Ferne gezogen, wo er über Umwege 1961 im New Yorker Künstlerviertel Greenwich Village seinen Durchbruch in die Wege leitete. Und schwer verliebt in „seine Suze“, Susan Elizabeth Rotolo, auch in Liebesangelegenheiten auf der Überholspur landete.

Kaum ein anderer verstand es seither wohl so brillant, die Unterscheidung zwischen Lyrik und musikalischen Lyrics zu verwischen und dadurch Songtexte mit besonders hohem literarischem Anspruch zu kreieren. Während Kosel mit seiner ausdrucksstarken Stimme aus den Büchern las, hätte man problemlos das Fallen einer Stecknadel hören können. Doch auch seine Künste am Piano wussten die Besucher zu genießen, die gerade bei den Klassikern Dylans wie „Knockin’ on Heaven’s Door“ oder „Blowin in The Wind“ zum lautstarken Mitsingen animiert wurden. Kosels Darbietungen wurden immer wieder mit Beifall bedacht. Das Publikum erntete dadurch schließlich noch eine Zugabe.

„Diese vielen zeitlosen Texte Dylans. Es gibt so unglaublich viele Werke dieses besonderen Künstlers, der kein Mensch ist, der sich feiern lassen möchte. Er steht immer in erster Linie für die Sache, nicht für die Äußerlichkeit“, verteidigte Kosel am Ende Dylan für dessen Entscheidung, nicht zur Preisverleihung nach Stockholm zu fahren. „Als wäre es ihm peinlich“, sagte der einstige musikalische Leiter des Hamburger Operettenhauses abschließend.

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erstellt am 05.Dez.2016 | 16:15 Uhr

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