Pinneberg : Auf den Spuren der Stadt

Peter Russ führte als Oberwachtmeister Otto Klafack (1838-1912) durch den Ort.
Peter Russ führte als Oberwachtmeister Otto Klafack (1838-1912) durch den Ort.

Führung mit Obernachtwächter Klafack alias Peter Russ. Anekdoten und Historie der Kreisstadt. Nächster Termin ist am 12. Juni.

shz.de von
12. Mai 2015, 16:00 Uhr

Pinneberg | Mit Knotenstock, Ratsche und sogenanntem „Tutehorn“ ausgestattet, hat Peter Russ 60 geschichtsinteressierte Zuhörer durch Pinneberg geführt. Der Museumspädagoge und Magister der Geschichte schlüpfte dabei in die Rolle des Pinneberger Stadt-Originals Otto Klafack (1838-1912). Klafack meisterte sein Leben, indem er 22 Berufe ausübte – darunter Gefängniswärter, Hafenmeister, Desinfektor, Hundefänger, Bademeister und natürlich Obernachtwächter. Die vom Stadtmuseum veranstalteten Führungen gibt es bereits seit 2013.

Die historische Tour startete von der Rübekamphalle aus. Russ nahm hier ein Foto von Klafack zur Hand, um über den „einzigen Ober-Nachtwächter zu informieren, den es jemals gab“. Kaum jemand wusste, dass in unmittelbarer Nähe der Rübekamphalle der Kinoplakatmaler Kurt Wendt lebte, der die Stars riesengroß machte, darunter Romy Schneider und Marilyn Monroe.

Woher kommt der Name Rübekamp? Er leitet sich vom Wort Röv ab, informierte Klafack zu Führungsbeginn. Das Wort Röv sei gleichbedeutend mit „Dahinraffen“. Die Besucher erfuhren, dass es in der Hamburger Innenstadt einen an der Rübekampstraße gelegenen Friedhof gibt. Es handelt sich dabei um einen gefürchteten Bestattungsort für die Leprakranken, den im Mittelalter kein Bürger betreten mochte.

Klafack berichtete von der recht ungewöhnlichen Geschichte Pinnebergs bis hin zur Verleihung der Stadtrechte 1875. Die Teilnehmer erfuhren, dass Pinneberg in historischen Quellen im Jahr 1200 erstmals erwähnt wurde. Die älteste Stadturkunde aus dem Jahr 1351 ist allerdings verschollen. Der Nachtwächter berichtete von der Pinneberger „Festungk“, der jahrhundertealten Gerichtsstätte mit den Schwursteinen, dem verschwundenen Kriegerdenkmal und „gewissen schlechten Leuten“.

Die Teilnehmer erfuhren ferner von Pinneberg als Hauptort eines Ministaates und mehrfachen Feldherrensitz. Die Knauserigkeit und Großzügigkeit von Pinnebergern gab weiteren Gesprächsstoff. Und auch das Adelsgeschlecht der Grafen von Schauenburg und Holstein hat eine Pinneberger Verknüpfung. Das Geschlecht stammte ursprünglich von der Schauenburg bei Rinteln, Landkreis Schaumburg an der Weser.

Im Winter zur Schule - im Sommer aufs Feld

Eine weitere Station während des Rundgangs war die ehemalige in der Koppelstraße gelegene Schule. Die Kinder besuchten die steuerpflichtige Schule häufig nur im Winter. Denn im Sommer mussten die Felder bestellt werden. Ebenfalls spannend: In der Koppelstraße wohnten damals nur die sogenannten „schlechten Leute“ mit unangesehenen Berufen wie zum Beispiel Nachtwächter und Scharfrichter. Die anderen Bürger isolierten ihre Mitmenschen in der Koppelstraße. Denn damals herrschte die weit verbreitete Vorstellung, dass Unehrlichkeit ansteckend sei.

Die Teilnehmer beteiligten sich an der Tour aus unterschiedlichen Gründen. Aribert Eggert wohnt schon seit mehr als 30 Jahren in Pinneberg. „Ich interessiere mich sehr für Geschichte“, so der Pensionär. Agraringenieur Bernd Pfotenhauer ist Hobby-Fotograf. Er sammelte schöne Motive und freute sich, nebenbei etwas über die Pinneberger Geschichte zu erfahren. Drostei und Park, Pinneberg Museum, Gasthof Schmuser und die Post waren weitere Stationen des Rundgangs.

Peter Russ plant seine nächste Tour als Obernachtwächter für Freitag, 12. Juni, unter dem Titel „Mit Fidibus und Tutehorn“. Los geht es um 19 Uhr vor dem Pinneberger Museum, Dingstätte 25.
zur Startseite
Karte

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen