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Pinneberger Tageblatt

23. Oktober 2017 | 10:12 Uhr

Auf den Spuren der Datensammler

vom

shz.de von
erstellt am 07.Aug.2013 | 01:14 Uhr

Pinneberg | Videoüberwachung, ja oder nein? Diese Frage stellen die Grünen nicht nur in Berlin. Die Pinneberger Kreisgrünen sind ganz direkt mit dem Thema konfrontiert. Vor einigen Wochen hatten Unbekannte die Geschäftsstelle in Pinneberg angegriffen (diese Zeitung berichtete). Auch die Bundestagsabgeordnete Valerie Wilms hat ein Büro in dem Gebäude am Damm.

"Es war der dritte Angriff. Sollen wir nun Überwachungskameras aufstellen", fragt Kreissprecher Holger Nohr. Die Antwort liefert er gleich mit. "Das ist ein Parteibüro. Die Leute sollen zu uns kommen. Videoüberwachung wirkt abschreckend. Deswegen wollen wir das nicht."

Gemeinsam mit Renate Künast, Ex-Verbraucherschutzministerin und derzeit Fraktionsvorsitzende der Grünen im Bundestag, starteten Wilms und die Kreisgrünen von der Geschäftsstelle aus zu einer Tour durch Pinneberg - auf der Such nach Beispielen für intensive Datensammelei.

Vor dem Gebäude eines Dienstleisters und eines Medienunternehmens sagte Jan Philipp Albrecht, Abgeordneter im Europaparlament: "Jedes Mal, wenn wir im Internet surfen, sammeln sogenannte Trackingprogramme Daten über uns. Sie werden etwa für personalisierte Werbung missbraucht." Mit umfangreichen Datensammlungen ließen sich auch Profile der Nutzer erstellen, welche etwa für Bonitätsprüfungen genutzt würden.

Künast meint: "Für viele Menschen ist das Thema Spionage, Geheimdienste und Datenschutz sehr weit weg. Aber es betrifft uns alle in unserem täglichen Leben." Sie selbst entferne etwa nach dem Klamottenkauf die Funketiketten, sogenannte RFID-Sender. "Wer weiß, welche Informationen diese Dinger außerhalb des Geschäfts mal übermitteln sollen."

An einer Pinneberger Schule geht es um das Thema Facebook und Datenschutz. Vor allem Jugendliche seien in den sozialen Netzwerken Gefahren ausgesetzt, sagte Künast. "Die Jugendlichen müssen in den Schulen für das Thema Datenschutz sensibilisiert werden. Bei Facebook sollten zudem automatisch die strengsten Privatsphäreneinstellung gelten." Wer mehr mitteilen wolle, könne entsprechende Optionen wählen.

Vor dem Pinneberger Bahnhof und der Drostei beschäftigten sich die Politiker mit dem Thema Videoüberwachung auf öffentlichen Plätzen. "Gewalttaten werden trotz Kameras begangen. Oft ist Alkohol im Spiel, die Tat nicht rational", sagte Konstantin von Notz, Innenpolitischer Sprecher der Grünen im Bundestag. Besser sei es, die Polizei personell besser auszustatten und mehr Fußstreifen einzusetzen. "So können Straftaten verhindert und das subjektive Sicherheitsgefühl der Menschen verbessert werden."


Kamera beobachtet Drosteiplatz

Ein Dorn im Auge ist den Grünen auch die Kamera auf dem Rathausdach, welche als Webcam unablässig Bilder vom Drosteiplatz ins Internet überträgt. "Es gibt auf dem Drosteiplatz nicht einmal deutliche Hinweise auf die Kamera", bemängelte Kreissprecher Nohr.

Die Grünen laufen sich derzeit für den Wahlkampf warm. So darf Künasts Hinweis auf die Versäumnisse der Regierung nicht fehlen: "Uns ärgert der Umgang von Kanzlerin Angela Merkel mit den Themen Spionage und Datenschutz. Sie steckt den Kopf in den Sand."

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