Auf dem Friedhof jazzt der Bär 2

<strong>Haben die 'Blue Notes'  im Griff:</strong> Saxophonduo Zweihorn, Bettina Russmann und Philipp Broda. (fko)
Haben die "Blue Notes" im Griff: Saxophonduo Zweihorn, Bettina Russmann und Philipp Broda. (fko)

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03. Mai 2013, 01:14 Uhr

Pinneberg | Jazz und Friedhof - diese Kombi kennt man sonst nur aus New Orleans. Die Musikschule Pinneberg holte die alte Südstaaten-Tradition jetzt nach Deutschland: Am Sonnabend trat das Saxophonduo Zweihorn in der Friedhofskapelle Hogenkamp auf. "Wir haben die Räumlichkeiten hier gestellt bekommen und fanden das eine witzige Idee, denn mit Friedhof verbindet man ja gewöhnlich etwas anderes", sagte Sandra Schneider von der Musikschule, die mit ihrem "Konzert am Volkstrauertag" in der Friedhofskapelle schon Erfolge feierte und an der Saxophonistin Bettina Russmann als Lehrerin tätig ist.

Russmann und ihr Partner Philipp Broda sind mit ihrem anderthalbstündigen Jazzprogramm schon seit zwei Jahren unterwegs und boten dem Publikum bei dem kostenfreien Friedhofskonzert so Einiges: Sie präsentierten fast die gesamte Saxophonfamilie, vom Altsax bis zum Bariton, sowie eine Bassklarinette und die exotische Kalimba, die im Prinzip wie eine Spieluhr funktioniert, nur dass die Stahlzungen nicht von einer Walze betrieben, sondern mit den Fingern gezupft werden. Dieses merkwürdige Instrument kam bei dem Stück "Letzter Augusttag" zum Einsatz und verlieh mit seinem glockenartigen Klang einen stillen, melancholischen Charakter.

Außer Kompositionen von Broda, wie etwa einem von den Comicfiguren Tim und Struppi inspirierten Spelunken-Stück, spielten die beiden Musiker einige Broadway-Klassiker aus den 30er Jahren, die sich mit der Zeit zu Jazzstandards entwickelten. Darunter zum Beispiel "Its only a papermoon" und "On the sunny side of the street". Doch auch Blues-Stücke und moderner Jazz waren im Programm vertreten. Russmann und Broda ergänzten sich in ihrem Spiel hervorragend. Spielte jeder mal versunken für sich allein, kamen sie jedoch immer wieder zusammen und gingen aufeinander ein. Besonders Broda wusste sein Spiel mit rhythmischen Fußbewegungen zu unterstützen, während er sich ganz in Improvisation verlor, die beide Musiker immer wieder zwischen den Themen einwarfen.

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