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Serie: Unser Glaube : Auf dem Diamantweg zu Buddha

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Karma und Erleuchtung: Die fünf Mitglieder der Buddhistischen Gruppe Elmshorn meditieren seit fünf Jahren zusammen.

shz.de von
erstellt am 04.Mär.2015 | 12:15 Uhr

In dieser Serie stellt Ihnen die Redaktion Ihrer Zeitung jeden Mittwoch eine Glaubensgemeinschaft in der Region Pinneberg vor.


„Ob wir glücklich sind oder weiterleiden, entscheiden wir durch unsere Handlungen. Durch unsere Gedanken und Handlungen schaffen wir uns unsere Welt“, sagt Imke Voet aus Elmshorn über eine der Grundprinzipien des Buddhismus. Die 47-Jährige ist seit 1998 bekennende Buddhistin. „Am Anfang, als ich damit angefangen habe, haben Freunde gedacht: Oh Gott, jetzt ist es um sie geschehen.“ Voet lacht. „Jetzt finden meine Freunde es toll, weil sie sehen, dass es mir gut tut.“

Ihr Weg ist der Diamantweg (Varayana)-Buddhismus der Karma Kagyü-Linie, der heutzutage in der westlichen Welt eine der verbreitetsten unter den buddhistischen Strömungen ist und mittlerweile in 600 Zentren weltweit gelehrt und gelebt wird.

In den deutschlandweit mehr als 130 Zentren des Buddhistischen Dachverbands Diamantweg (BDD) meditieren nach Angaben des BDD-Sprechers Holm Ay mit 20.000 bis 30.000 Personen etwa die Hälfte aller buddhistischen Deutschen. Empfehlungen von 15 Euro monatlichen Beiträgen werden den zahlenden Mitgliedern ans Herz gelegt. Schätzungen zufolge leben laut Ay in Deutschland 100.000 bis 250.000 aktive Buddhisten, davon die Hälfte bis zwei Drittel Einwanderer aus asiatischen Ländern.


 

Kein Zentrum, aber immerhin eine buddhistische Gruppe gibt es auch im Kreis Pinneberg: in Elmshorn. „Der Diamantweg-Buddhismus, der seit 40 Jahren in Deutschland verbreitet ist, ist gemacht für Laien. Es gibt keine Mönche“, so Voet. „Es ist ein schneller Befreiungsweg. Man stellt es sich so vor, dass Lehrer einem zeigen, wie unser inneres Potenzial zum Wohle aller zur Entfaltung kommt.“ So basiere der Diamantweg-Buddhismus auf dem tiefen Gefühl, darauf zu vertrauen, „was in einem selbst steckt“.

Derzeit sind sie in Elmshorn zu fünft. Seit fünf Jahren treffen sich die Mitglieder regelmäßig montags um 20 Uhr zum Meditieren in den apricot-farbenen Räumlichkeiten von Voets Heilpraktiker-Praxis. Buddha-Statuen stehen in den Regalen, Bilder bekannter Diamantweg-Lamas hängen an den Wänden.

„Wir sitzen im Schneidersitz, die Älteren auf Stühlen. Wichtig ist, gerade zu sitzen, damit alle Energiekanäle offen sind“, so Voet. Dabei geht es um eine 20 bis 30-minütige Reinigungsmeditation. Voet spricht einen Text auf Deutsch. „Es ist einfach ein tolles Energiefeld, wenn man es in der Gruppe macht, danach zusammensitzt, Tee trinkt oder kocht.“ Voet selbst meditiert zudem auch jeden Morgen oder Abend.



Meditation ist ein wesentlicher Bestandteil der Buddhistischen Lehre, „um den Geist auf Befreiung und Erleuchtung auszurichten“. Wichtig ist laut Voet „auch zu verstehen, dass wir vergänglich sind und alles ständig im Wandel ist“. Sie ergänzt: „Alles, was wir erfahren, ist ein spannendes Spiel.“ Wichtig sei es zudem, sich selbst nicht mehr als Zielscheibe zu begreifen, Ursachen für Wirkungen in sich selbst zu erkennen und nicht dem Schicksal zuzuschreiben.

Voet beschreibt ihren Weg zum Buddhismus so: „Ich bin evangelisch getauft und konfirmiert. Jesus Christus ist für mich wichtig. Aber ich bin an einen Punkt gekommen, an dem ich dachte: Gott ist da draußen. Ich möchte etwas an die Hand bekommen um zu spüren, dass Gott auch in mir drinnen ist.“

Voet besuchte eine Veranstaltung des dänischen Lamas Ole Nydahl , der wohl bekannteste westliche buddhistische Lehrer, zum Thema Buddhismus im Alltag. „Seine Worte haben mich ins Herz getroffen“, so Voet. Sie begab sich 1998 in einer Gruppe um Lama Nydahl auf eine vierwöchige Russlandreise, „um zu sehen, wie Buddhismus wirkt und er mein Lehrer sein kann“. Es habe auf dieser Reise eine Situation gegeben, die der damals 29-Jährigen zu denken gab. Ein Mann habe Lama Nydahl mit einer Pistole bedroht. Doch dieser sei dem Fremden mit so viel Liebe begegnet, so dass sich die Situation entspannt habe.

Diese Reise löste in Voet eine Veränderung aus, den Beginn eines Prozesses, der sie zum Buddhismus führte. Auch beruflich ging die Krankenschwester neue Wege. Inzwischen ist sie als Heilpraktikerin tätig. „Ich habe immer ganz viel Angst gehabt, mich zu verändern. Die ist absolut nicht mehr da“, so Voet. Sie habe erkannt: „Jede Krise bietet Potenzial für Entwicklungen.“ Ein weiterer Punkt, den sie am Buddhismus schätzt: „Körperliche Liebe wird als etwas positives wahrgenommen. Homosexualität ist in keiner Weise ein Problem. Ich finde es von Kirchen grausam, Verhütungsmittel zu verweigern oder körperliche Liebe einzuschränken und abzuwerten.“

 
Der Buddhismus ist nach Angaben des Buddhistischen Dachverbands Diamantweg (BDD) eine mehr als 2600 Jahre alte Lehrtradition, die zu den großen Weltreligionen zählt. Begründet wurde der Buddhismus durch den indischen Fürstensohn Siddharta Gautama (Buddha). Buddha wurde in Lumbini, im heutigen Nepal geboren. Nach langer spiritueller Suche erkannte er in tiefer Meditation die Natur des Geistes und erreichte den Zustand von unbedingtem und dauerhaften Glück, den Zustand der Erleuchtung, der sich durch Furchtlosigkeit, Freude und aktives Mitgefühl ausdrückt. Nach seiner Erleuchtung lehrte er 45 Jahre lang, wie man diesen Zustand erreichen kann, und erklärte, was „wirklich“ und was vergänglich ist. Er vermittelte Grundlagen, die zur Erleuchtung führen. Stets ermutigte Buddha seine Schüler, seine Erklärungen zu hinterfragen, bevor sie im eigenen Leben angewendet werde. Der Buddhismus kennt somit keine Dogmen und ist offen für wissenschaftliche Erkenntnisse und Entwicklungen.
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