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Wehrübung im Feuerkeller : Atemschutzübung im Container

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Die Freiwillige Feuerwehren im Kreis Pinneberg proben besondere Einsatzsituationen in einem Spezialcontainer.

shz.de von
erstellt am 11.Jul.2017 | 12:00 Uhr

Tornesch | Drückende Luft. Die Lunge schreit trotz tiefer, gleichmäßiger Atemzüge nach Sauerstoff. Die Hitze treibt den Schweiß aus den Poren. An den rußverschmierten Wänden tropft das Wasser herunter. Dieses Szenario bot sich den Feuerwehrkräften in dem umgebauten Sattelauflieger eines Lkw, abgestellt mitten im Industriegebiet Tornesch. Auf dem Gelände der feuerwehrtechnischen Zentrale des Kreisfeuerwehrverbandes übten die Kräfte der Ortswehren vergangene Woche das richtige Vorgehen bei einem Löscheinsatz im Gebäude.

Die Aktion bietet den Aktiven die Möglichkeit, die in der Theorie gelernte Taktik eines sogenannten Innenangriffs praktisch umzusetzen. Davon profitieren vor allem junge Aktive, die bisher wenig Erfahrung mit solchen Einsätzen haben, erläutert Kreisfeuerwehrsprecher Dennis Renk: „Aber auch die alten Hasen freuen sich über die Chance, ihre Erfahrung frisch zu halten.“

Bevor sich die Feuerwehrkräfte an der knapp 20-minütigen Übung versuchen, erhalten sie noch eine genaue Einweisung von Übungsleiter Philip Brandt. Er geht mit ihnen die wichtigsten Schritte durch: Richtige Handhabung des Strahlrohrs, korrekte Körperhaltung in verschiedenen Positionen. „Jetzt habt ihr euch gerade selbst gegrillt“ lautet der Kommentar von Brandt zu einer ungelenken Drehung zweier Feuerwehrmänner. Brandt zeigt den beiden, wie sie es besser machen können. Dann beginnt die Einsatzsimulation auf dem Dach des Containers: Der Truppführer öffnet eine Tür hinter der sich eine Treppe befindet, die einen Kellerabgang darstellen soll. Der Strahlführer gibt drei schnelle Wasserstöße ab, bevor die Tür wieder ins Schloss fällt.

Das Feuer züngelt an der Decke entlang.
Das Feuer züngelt an der Decke entlang. Foto: Reichelt
 

Die erste Aufgabe besteht darin, in den Kellerraum zu gelangen. Was die Einsatzkräfte dabei nicht wissen: Das Feuer am Fuß der Treppe lässt sich nicht löschen. So wird getestet, ob die Feuerwehrmänner und -frauen ein Risiko eingehen. Erst wenn sich die Kräfte korrekt verhalten und den Schlauch aus verschiedenen Winkeln auf das Feuer halten, ohne sich dabei selbst in Gefahr zu bringen, schaltet der Leitstellenfahrer Hans-Erwin Blaul, den alle nur Pepe nennen, die Flammen per Knopfdruck aus. Aus einem kleinen feuerfesten Kontrollraum im Inneren des Containers beobachtet Blaul das Geschehen und kann, wenn nötig, sofort eingreifen.

Nachdem sie die erste Hürde überwunden haben, stoßen die Feuerwehrkräfte kurz hinter der Treppe auf einen weiteren Brandherd. Mit dem Schlauch wird auch dieses Feuer gelöscht. Jetzt erreicht das Team eine Stahltür, hinter der sich ein weiterer Raum befindet. Einer der beiden zieht seinen Handschuh aus. Mit seinem Handrücken fühlt er, wie stark die Hitze hinter der Tür ist. Sobald der Handschuh wieder angezogen ist, wiederholt der Einsatztrupp die Prozedur vom Anfang: Tür auf, drei kurze Wasserstöße, Tür zu. Von all dem bekommen die Kameraden außerhalb des Containers nichts mit. Sie vernehmen nur ein kräftiges Rumpeln. Mit einer knapp 25 Kilogramm schweren Ausrüstung plus Löschschlauch bewegen sich die Kollegen langsam und in gebückter Haltung durch den Container.

Der Sattelauflieger  gehört Hans-Erwin „Pepe“ Blaul.
Der Sattelauflieger gehört Hans-Erwin „Pepe“ Blaul. Foto: Reichelt

Plötzlich wird das Rumpeln von einem lauten Knall übertönt: Im Inneren des Containers gibt es eine Rauchgasexplosion. Wie in einem realen Einsatz dürfen sich die Feuerwehrkräfte nicht von dem ohrenbetäubenden Geräusch aus dem Konzept bringen lassen. Der Löscheinsatz fordert weiter ihre volle Konzentration. Im Raum hinter der Tür werden sie von Flammen erwartet, die an der gegenüberliegenden Wand und an der Decke entlangzüngeln. Ein Bewusstloser – eine Attrappe – liegt vor den Feuerwehrmännern auf dem Boden. Die abschließende Prüfung der Einsatzkräfte besteht darin, den „Bewusstlosen“ aus der Gefahrensituation zu retten und das Feuer zu löschen. Ist dies gelungen, gilt die Übung als erfolgreich abgeschlossen.

Noch bevor sie sich von ihrer schweren Uniform befreien können, erhalten die Feuerwehrkräfte ein Feedback von Blaul. Dann kommen unter dem Helm und der Atemschutzausrüstung hochrote, verschwitze Köpfe zu Tage. Völlig außer Atem berichtet Benjamin Sachse: „In den Ortswehren sind solche Einsätze sehr selten. Das ist eine Stresssituation, die einem enorm viele Nerven abverlangt.“ Eine Woche lang konnten die Feuerwehrkräfte täglich in dem angemieteten Einsatzsimulations-Container trainieren. Die Kosten von 60 Euro pro Person tragen hauptsächlich die Wehren. „Dadurch, dass wir die Ausrüstung und Übungsleiter selbst stellen, ist das relativ günstig“ sagte Kreisfeuerwehrsprecher Renk. Um die freiwilligen Feuerwehrkräfte so gut wie möglich auf den Ernstfall vorzubereiten, sei die realitätsnahe Simulation im Container ein hervorragendes Mittel.

Am Sonntag, 10. September, wird gleich doppelt Geburtstag gefeiert: Der Kreisfeuerwehrverband Pinneberg feiert sein 125-jähriges Bestehen und der Kreisjugendring Pinneberg seinen 70. Geburtstag. Als dritter Veranstalter ist der Pinneberger A. Beig-Verlag dabei. Auf dem Gelände der Feuerwehrtechnischen Zentrale, Alte Bundesstraße 10, wird es in der Zeit von 11 bis 17 Uhr Konzerte auf mehreren Bühnen, viele Imbissstände und jede Menge Spiel- und Spaßaktionen geben. Alle Infos finden Sie hier.
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