Uetersen : Asylrecht für Afghanen wird in Deutschland eröffnet

Der Asylbewerber aus Uetersen, dem die Abschiebung drohte, darf nun doch bleiben.

shz.de von
09. Januar 2015, 17:30 Uhr

Uetersen | Mohammed Reza Azizi hat wieder ein Lächeln auf den Lippen. Dazu hat der Afghane auch allen Grund: Denn der Asylbewerber aus Uetersen, dem die Abschiebung drohte, darf nun doch bleiben. Das hat das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge entschieden. Das Asylverfahren wird in Deutschland und nicht in Polen eröffnet. Das teilte der CDU-Bundestagsabgeordnete und Parlamentarische Staatssekretär Ole Schröder auf Nachfrage mit. Dass der 24-Jährige wieder zurück nach Afghanistan muss, ist angesichts der Anschlagsgefahr unwahrscheinlich. Azizi reagierte froh und dankbar als er von den Neuigkeiten hörte. „Ich freue mich sehr und danke denen, die mir geholfen haben – besonders Claus Crapengießer.“ Der Tornescher, der sich ehrenamtlich im Sprachcafé engagiert, hatte sich für den Asylbewerber eingesetzt und die  Bundestagsabgeordneten angeschrieben. Azizi ist nun voller Zuversicht: „Meine Zukunft wird gut. Meine Pläne werden klappen.“

Der Bauingenieur aus Afghanistan hatte sich innerhalb kürzester Zeit Deutsch beigebracht, bemüht sich sehr, integriert zu werden – und er arbeitet in einer der Branche in denen der Fachkräftmangel beklagt wird. Trotzdem sollte er am 13. Januar zurück nach Polen, da er über ein polnisches Visum nach Europa kam.

Deutliche Worte findet Valerie Wilms (Die Grünen). Der Fall des 24-Jährigen zeige, wie reformbedürftig die derzeitigen Regelungen sind. „Da kommt einem die Galle hoch. Das sind die Abgründe des europäischen Asylrechts, das wir schnellstens beseitigen müssen.“ Derzeit würden alle Fälle über einen Kamm geschert. CDU und SPD hätten das Thema „zu lange verschlafen“. Auch Ernst Dieter Rossmann (SPD) sieht Handlungsbedarf. „Wir werden das von Deutschland aus anstoßen müssen, damit es eine neue Regelung gibt. Wir müssen große Räder zügig drehen. Aber das geht nicht über Nacht.“ In Fällen wie Mohammed Azizi müsse es eine Möglichkeit geben, aufgrund des Fachkräftemangels das Asylverfahren hinten anzustellen. Deutschland brauche eine neue Debatte über Einwanderungspolitik.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Die Kommentare wurden für diesen Artikel deaktiviert