Arbeitswelt im digitalen Zeitalter

Die Bönningstedterin Christiane Brandes-Visbeck veröffentlichte im vergangenen Jahr ihr erstes Buch, das sich mit dem Thema Führung im digitalen Zeitalter beschäftigt.
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Die Bönningstedterin Christiane Brandes-Visbeck veröffentlichte im vergangenen Jahr ihr erstes Buch, das sich mit dem Thema Führung im digitalen Zeitalter beschäftigt.

Bönningstedter Autorin veröffentlicht Buch

shz.de von
15. Februar 2018, 16:00 Uhr

Das digitale Zeitalter ist schon in vollem Gang. Doch wie führe ich, wenn alles digital ist? Dieser Frage sind Christiane Brandes-Visbeck und Ines Gensinger auf die Spuren gegangen. Herausgekommen ist das gemeinsame Werk „Netzwerk schlägt Hierarchie – Neue Führung mit Digital Leadership“.

Brandes-Visbeck lebt in der Gemeinde Bönningstedt. Seit vielen Jahren beschäftigt sich die Kommunikationswissenschaftlerin mit diesem Thema. Seit den 1990er Jahren ist sie fasziniert von den Neuen Medien und den vielfältigen digitalen Möglichkeiten und ist sich sicher: „Der digitale Wandel trifft früher oder später jeden von uns.“

Sie sehe sich auf einer Mission. „Es gibt ein neues Denken und bei diesem Umdenken möchte ich helfen.“

Neue Technologien seien eine Chance, die man nutzen, vor der man sich jedoch nicht beherrschen lassen sollte. Während ihrer vielfältigen Berufserfahrungen lernte sie Unternehmensstrukturen von innen kennen.

„Es geht um Macht, Hierarchien und das sich-nicht-trauen, etwas zu sagen. Als Festangestellte habe ich das selbst erlebt“, erklärt Brandes-Visbeck im Gespräch mit unserer Zeitung. Die Digitalisierung verändere die ganze Gesellschaft. „Es ist eine Revolution für unser Leben. Einige stellen sich ihr, andere aber nicht“, erklärte die Bönningstedterin. Über diese Erfahrungen wollte sie ein Buch schreiben. Zuerst startete sie alleine. Nach kleineren Umwegen, lernte sie die Microsoft-Managerin Gensinger kennen und die beiden Frauen beschlossen, ihre Erfahrungen und Motivation zu bündeln und gemeinsam das Buch zu veröffentlichen.

Wer den Titel des Buchs hört, erwartet vermutlich ein schwer verständliches Fachbuch. Doch das war nicht die Intention der Autorinnen: „Genau das wollten wir nicht. Wir haben es sehr menschennah geschrieben“, sagt Brandes-Visbeck. Beispiele aus ihrem und Gensingers Berufsleben frischen das Buch auf und machen es dem Leser zugänglich.

Für das Buch haben sie den direkten Kontakt zu Führungskräften gesucht. Fünf Führungspersönlichkeiten haben Brandes-Visbeck und Gensinger für ihr Lesewerk interviewt. Darunter Microsoft-Chefin Sabine Bendiek, den Philips CEO Peter Vullinghs und Thomas Jorberg vom Vorstand der GLS-Bank.

„Mich interessierte die Frage, wie sie ihre Unternehmen führen. Herausgekommen ist, dass sie sehr unterschiedlich vorgehen“, sagte Brandes-Visbeck. Es gebe bestimmte Kernmerkmale für moderne Führung wie Innovationen zuzulassen, alte Zöpfe abzuschneiden, mehr Coach als Boss zu sein und mit den Mitarbeitern auf Augenhöhe zu kommunizieren, wie diese jedoch umgesetzt werden, sei bei jedem anders.

„Umwege erhöhen die Ortskenntnis“, betont die Autorin. Doch was genau meint sie damit? „Keiner weiß, wohin uns die Digitalisierung der Welt führen wird. Deshalb ist es wichtig, mutig Entscheidungen zu treffen und die Gefahr des Scheiterns in Kauf zu nehmen. Man kann aus Fehlern lernen und eine neue Richtung einschlagen.“

Wer positiv mit Niederlagen umgehe, erlebe sie als Gewinn. Auch während des Schreibprozesses des Buchs habe sie zwischendurch gedacht, sie schaffe es nicht. „Es ist für mich nicht typisch, dass ich so lange Zeit an nur einer Sache intensiv arbeite. Das war eine neue Erfahrung“, so die Autorin. Doch sie habe es über kleinere Umwege geschafft, das Buch herauszugeben.

Ihre frühe Faszination für die Digitalisierung konnte ihr Freundeskreis anfänglich nicht nachvollziehen. „Sie haben sie gewundert, warum ich ständig online und mit so vielen Menschen digital vernetzt bin“, erinnert sich Brandes-Visbeck.

Auch dies sei eine Motivation für sie gewesen, das Buch zu schreiben. „Die Menschen, die gezweifelt haben, dass heutzutage die digitale Vernetzung notwendig ist, können meinen Antrieb jetzt besser verstehen.“

Und was tut eine Buchautorin, um zwischendurch runterzukommen? „Ich fahre sehr gerne in das Quickborner Himmelmoor um Durchzuatmen. Ich liebe die Verbindung von Natur und den sichtbaren Spuren vom früheren Torfabbau“, sagt Brandes-Visbeck.

Seit 2006 wohnt die gebürtige Nierdersächsin zusammen mit ihrem Ehemann in Bönningstedt. Die meiste Zeit ihres Lebens verbrachte sie jedoch in Hamburg. „Zur Entspannung fahre ich immer noch gern an Alster und Elbe“, schwärmt die Autorin.

Und was plant Brandes-Visbeck als nächstes? „Als Autorin kommt man viel rum. Ich halte Vorträge und gebe Workshops über Führung im digitalen Zeitalter. Und mein Verlag hat mir inzwischen ein zweites Buch angeboten. Darauf freue ich mich schon“, sagt die Bönningstedterin und lacht.

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