Mit Gastbeitrag : Arbeitsmarkt in der Region: Im Kreis Pinneberg werden Auszubildende gesucht

Immer schwieriger wird es für Arbeitgeber des Kreises, geeignete Bewerber für ihre Ausbildungsstellen zu finden.

Immer schwieriger wird es für Arbeitgeber des Kreises, geeignete Bewerber für ihre Ausbildungsstellen zu finden.

Die Lücke zwischen Bewerbern und offenen Stellen wird immer größer. Die Arbeitslosigkeit insgesamt sinkt.

shz.de von
31. Mai 2018, 14:35 Uhr

Kreis Pinneberg | Die Schere zwischen Ausbildungsplätzen und Ausbildungsplatzbewerbern im Kreis Pinneberg geht weiter auseinander. Für Arbeitgeber wird es immer schwieriger, Kandidaten zu finden. Das zeigen aktuelle Zahlen der Arbeitsagentur Elmshorn.

Weniger Bewerber und mehr offene Stellen

Von Oktober 2017 bis Ende Mai meldeten sich laut Arbeitsagentur im Kreis Pinneberg 1554 Lehrstellenbewerber bei der Berufsberatung. Das waren 133 weniger als im gleichen Vorjahreszeitraum. Von den gemeldeten Bewerbern waren Mitte Mai noch 739 auf der Suche. Im gleichen Zeitraum haben die Unternehmen 1600 Lehrstellen zur Besetzung gemeldet. Das sind 53 mehr als im Vorjahreszeitraum. Von den gemeldeten Stellen waren im Mai noch 825 unbesetzt. Die Top-Zehn der unbesetzten Ausbildungsstellen: Kaufleute im Einzelhandel, Verkäufer, Bürokaufleute, Groß- und Außenhandelskaufleute, Fleischer, Kfz-Mechatroniker, Sanitär-Anlagenmechaniker, Lagerlogistiker, Fleischereifachverkäufer und zahnmedizinische Fachangestellte.

„Ein positives Firmenimage und ein modernes Marketing der Ausbildungsangebote helfen, junge Menschen zu begeistern. Mit Ausbildungsmöglichkeiten in Teilzeit oder für Migranten und ältere Ausbildungssuchende können die Zielgruppen erweitert werden. Keinesfalls sollten die Betriebe in unserer Region auf Ausbildung verzichten. Viele Ausbildungsbewerber sind derzeit noch auf der Suche“, sagt Thomas Kenntemich, Leiter der Arbeitsagentur Elmshorn. Er appelliert an die Unternehmen, offenen Lehrstellen der Agentur zu melden.

Schulabgängern, die noch keinen geeigneten Platz gefunden haben, empfiehlt Kenntemich einen Blick in die Jobbörse der Agentur. „Häufig gibt es zum Wunschberuf auch Alternativen, die noch bessere Chancen bieten. Hörgeräteakustiker, Drogist, Sport- und Fitnesskaufleute sind aktuelle Angebote, an die nicht jeder denkt“, sagt Kenntemich.

Leichtes Minus bei den Arbeitslosenzahlen

Insgesamt hat sich die Frühjahrsbelebung auf dem Arbeitsmarkt fortgesetzt. Die Zahl der Arbeitslosen ist im Kreis Pinneberg um 357 Personen oder 4,3 Prozent zum Vormonat gesunken. Damit waren im Mai noch 8002 Männer und Frauen ohne Job. Im Vergleich zum Vorjahr ist die Zahl um 363 Personen oder 4,3 Prozent gesunken. Die Arbeitslosenquote ist von 4,9 Prozent im Vormonat auf 4,6 Prozent zurückgegangen. Vor einem Jahr hatte sie 4,9 Prozent betragen.

„Der Arbeitsmarkt zeigte sich im Mai sehr kraftvoll saisonale Effekte und die anhaltend gute Konjunktur wirkten positiv. Der Abbau der Arbeitslosigkeit beschleunigte sich gegenüber dem Vormonat nochmals“, sagt Kenntemich. Die Frühjahrsbelebung habe damit ihren Höhepunkt erreicht. Während der kommenden Tage werde sich der positive Trend wegen des Schul- und Ausbildungsendes und der saisonal geringeren Arbeitskräftenachfrage vorübergehend abschwächen, so Kenntemich.

Die Zahl der vom Jobcenter betreuten Menschen, in der Regel Langzeitarbeitslose, sank um 3,3 Prozent im Vergleich zum April und im Vergleich zu Mai 2017 um 3,6 Prozent.

Wie die Agentur für Arbeit am Mittwoch mitteilte, sind insgesamt in Schleswig-Holstein derzeit 83.900 Frauen und Männer ohne festen Job. Das waren 4,1 Prozent weniger als im April und 6,7 weniger als vor einem Jahr. Die Arbeitslosenquote für das Bundesland sank auf 5,4 Prozent, nach 5,9 Prozent vor einem Jahr.

Viele können nach der Ausbildung übernommen werden

Zu den 8002 Arbeitslosen kamen im Mai 3179 weitere Menschen, die ohne Arbeit waren, etwa weil sie sich derzeit qualifizieren oder vorübergehend arbeitsunfähig sind. Somit waren insgesamt 11 181 Menschen in sogenannter Unterbeschäftigung. Die Unterbeschäftigung ist in den letzten zwölf Monaten um 586 Personen gesunken. Damit liegt sie um 5,0 Prozent niedriger als im Mai 2017.

Zu den Perspektiven von Absolventen einer Ausbildung sagt Kenntemich: „Mit den Abschlussprüfungen endet für viele junge Menschen ihre Ausbildungszeit, die meisten können übernommen werden. Wer jedoch noch keinen Anschlussvertrag sicher in den Händen hält, sollte sich umgehend bei der Arbeitsagentur melden. Die Zahl der Stellenangebote in unserer Jobbörse liegt auf Höchststand. Unser Arbeitgeber-Service hat für „frische“ Fachkräfte oft sogar mehrere interessante Jobangebote parat“, sagt Kenntemich. Im Jobportal stehen derzeit insgesamt 2792 offene Stellen.

Modernes Marketing für Ausbildung!

Ein Gastbeitrag von Thomas Kenntemich, Leiter der Agentur für Arbeit Elmshorn

Die Wirtschaft brummt, Auftragsbücher sind voll und immer weniger Menschen sind arbeitslos. Und der Ausbildungsstellenmarkt hat sich verändert: Es gibt mehr Ausbildungsstellen als Bewerber. Vor allem kleine Betriebe finden keine Azubis mehr, haben zu wenig Personal, um weitere Aufträge annehmen zu können. Auf diese grundlegenden Veränderungen müssen Betriebe reagieren, sie sollten ihr Vorgehen anpassen.
Wie für Produkte oder Dienstleistungen brauchen sie ein Marketing für ihre Ausbildung. Hoher Bekanntheitsgrad, gutes Image, zufriedene Kunden und Mitarbeiter erhöhen auch die Bewerberzahl.
Weil die Werbung der 60er-Jahre heute nicht mehr wirkt, sollte auch die Werbung um Azubis modern sein, witzig, ungewöhnlich, auffallend – dennoch authentisch. Mund-zu-Mund-Propaganda wirkt gut, auch digitale und soziale Netzwerke.
Die Gesellschaft verändert sich – so auch diejenigen, die sich für eine betriebliche Ausbildung interessieren. Neue Zielgruppen sollten angesprochen werden. Erfahrungen und Kompetenzen sind wichtiger als Formalien – die Persönlichkeit der Bewerber wird entscheidend. Die Experten von Arbeitsagentur und Jobcenter stehen mit Rat und Unterstützung bei der Suche nach dem passenden Azubi beiseite. Auch bei ungewöhnlichen Aktionen helfen wir gerne.
Oft werden Veränderungen zu lange ignoriert. Noch ist Zeit, um für den erfolgreichen Ausbildungsbeginn im Herbst zu reagieren. Packen Sie es jetzt an!

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