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„Die Finanzierbarkeit entscheidet“ : Appens Bürgermeister Banaschak spricht im Interview über die Entwicklung der Gemeinde

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Hans-Joachim Banaschak wagt einen Blick in die Zukunft.

Appen | Kita-Neubau, Raumbedarf der Schule, Fertigstellung eines Neubaugebiets, Debatten über den Bau eines neuen Amtsgebäudes und auch die Frage nach seiner eigenen Zukunft – in Appen steht derzeit einiges an. Im Interview spricht Bürgermeister Hans-Joachim Banaschak (CDU) über die wichtigsten Themen.

Wie ist der Sachstand im Baugebiet Bargstücken/Op de Lohe?
Banaschak: Insgesamt standen 35 Bauplätze zur Verfügung, von denen 31 von uns angeboten wurden. Bis auf ein Grundstück konnten bereits alle Flächen verkauft werden. Das Baugebiet wird demnächst abgenommen und freigegeben. Auch die Erschließung ist praktisch abgeschlossen. Die Eigentümer dürfen also bald mit dem Bau ihrer Häuser beginnen. Die große Nachfrage zeigt, dass Appen ein attraktiver Standort ist.

Sind weitere Neubaugebiete geplant?
Die Gemeinde will ein Dorfentwicklungskonzept erstellen, um für die Zukunft gerüstet zu sein. Ein Teil des Plans ist auch die bauliche Entwicklung. Wenn die Ergebnisse Anfang 2018 vorliegen, wissen wir mehr. Wichtig ist, dass dieser Plan nur realistische Vorhaben aufnimmt und diese auch mit den übergeordneten Behörden abgestimmt werden. Nahversorgung, Sport, Freizeit, Verkehr, Schulen, Kindergärten, neue Baugebiete - das Konzept soll alle wichtigen Bereiche aufgreifen.
Viele Appener wünschen sich einen Nahversorger.

Sehen Sie dafür Chancen?
Es ist schwierig, eine Lösung zu finden. Wir sind in vertretbarer Entfernung von Supermärkten umkreist. Das schreckt viele Anbieter ab. Als Standort kämen ohnehin nur 4000 bis 5000 Quadratmeter große Grundstücke an der Hauptstraße in Frage. Wenn überhaupt, stünden diese bestenfalls an den Ortsausgängen zur Verfügung. Siedelt sich dort ein Markt an, wäre es für die meisten Bürger aber immer noch einfacher, im Nachbarort einzukaufen. Zum Glück beliefern mehrere Märkte aus dem Umland unsere älteren Mitbürger mit Lebensmitteln.

Was passiert auf dem ehemaligen Nahkauf-Gelände?
Ich bin nicht informiert, weil das Grundstück in Privatbesitz ist. Ich weiß nur, dass das Objekt im Internet angeboten wird.
Hinter dem Bürgerhaus stehen Container, die das Amt Geest und Marsch Südholstein angemietet hat, um dort Flüchtlinge unterzubringen.

Werden diese Container weiterhin gebraucht?
Derzeit wohnen nur in einem Haus Flüchtlinge. Wir sind aber froh, dass wir die Räume anderweitig nutzen können. So haben wir zum Beispiel Platz für die Betreuungsgruppe der Grundschule. Die kann in den Sommerferien nicht auf das Schulgelände; weil dort Bauarbeiten anstehen. Als vor kurzem ein Gebäude an der Hauptstraße brannte, konnten wir die Bewohner dank der Container kurzfristig unterbringen.

Die Gemeinde plant hinter dem Bürgerhaus den Bau eines neuen Kindergartens. Wie laufen die Planungen?
Derzeit stellen sich mögliche Träger vor. Zur Auswahl stehen Awo, DRK und die Kirche. Die Entscheidung fällt nach den Sommerferien. Dann beschäftigen sich auch die politischen Gremien mit dem Thema. Es dürfte nach meiner Auffassung allerdings schwer werden, den Kindergarten tatsächlich wie geplant im August 2019 zu eröffnen.
Sorgen bereitet der Umbau der Schule.

Woran hakt es?
Es ist schwierig, bei laufendem Betrieb zu arbeiten. Dazu kommt, dass der Kreis von uns fordert, einen Aufzug einzubauen, um die Barrierefreiheit sicherzustellen. Das ist aus meiner Sicht nicht nachvollziehbar, da das Baurecht Aufzüge nicht zwingend vorschreibt und die Barrierefreiheit aus Sicht der Gemeinde und der Schule auch ohne Lift gegeben wäre. Wenn wir dagegen angehen, würde sich das Vorhaben aber weiter verzögern. Deshalb müssen wir nun den Bauantrag stellen und die Kröte schlucken. Ich weiß noch nicht, welche Mehrkosten entstehen. Ich rechne aber damit, dass insgesamt mindestens zwei Millionen Euro für den Schulumbau anfallen.

Wäre bei diesen Kosten ein Neubau nicht sinnvoller gewesen?
Grundsätzlich ist ein Neubau immer besser. Dafür fehlt aber die Zeit. Die Schule braucht möglichst schnell zusätzliche Räume. Ein Neubau wäre vermutlich frühestens in fünf Jahren fertig. Viele Bürger ärgerten sich, dass Appen bei den Landtagswahlen weniger Wahllokale hatte und die Bürger weitere Wege in Kauf nehmen mussten, um ihre Stimme abzugeben.

Wurde für die Bundestagswahl eine bessere Lösung gefunden?
Die Gemeinde wollte, dass Appen-Etz und Unterglinde am 24. September zwar einen Wahlkreis bilden - allerdings mit getrennten Wählerverzeichnissen. So hätte jeder Bürger in seinem Bereich abstimmen können, was gerade für die Älteren eine große Erleichterung wäre, da sie nicht mehr so weite Wege zurücklegen müssten. Eventuelle Mehrkosten wollte die Gemeinde tragen. Das wurde jedoch vom Kreis abgelehnt. Ich hoffe, dass wir zumindest für die Kommunalwahl im kommenden Jahr eine Lösung im Sinne der Bürger finden.

Ein Dauerärgernis ist die marode Hauptstraße durch den Ort, für die das Land zuständig ist. Wann wird das Land dort aktiv?
Wir hatten mit der zuständigen Behörde zuletzt vor zwei Jahren diskutiert. Dort ging es auch darum, wie wir die Kreuzung Appener Straße/Hauptstraße sicherer gestalten. So sollten beispielsweise in diesem Bereich Pfeiler auf dem Bürgersteig an der Hauptstraße aufgestellt werden, damit Autofahrer nicht auf diesen und den angrenzenden Parkplatz ausweichen, weil sie nicht hinter Linksabbiegern warten wollen. Die Pfeiler sind dringend erforderlich, weil es sich um einen Schulweg handelt. Die Zusage des Landes, dass diese aufgestellt werden, lag Anfang 2016 vor. Passiert ist bisher nichts. Angeblich soll die Sanierung der Hauptstraße nun 2018 erfolgen. Ich lasse mich überraschen.

Kandidieren Sie 2018 noch einmal als Bürgermeister?
Ich bin gefragt worden, ob ich dazu bereit wäre. Wenn ich gesundheitlich in der Lage bin, dieses Amt auszufüllen, würde ich meine Arbeit weiterführen. Ob ich tatsächlich Bürgermeister bleibe, hängt aber ohnehin vom Ergebnis der Bürgermeisterwahlen ab.

Diskussionen gibt es über den Neubau eines Amtsgebäudes. Was halten Sie davon?
Es ist unbestritten, dass die Kapazität des jetzigen Gebäudes nicht ausreicht. Sonst bräuchten wir nicht Teile der Verwaltung nach Haseldorf auszulagern. Ob es einen Neubau oder eine Erweiterung geben wird, dürfte die Finanzierbarkeit entscheiden. Appen und Moorrege müssen als die beiden größten Gemeinden den Löwenanteil zahlen. Deshalb werden wir sehr genau hinschauen, was wirklich notwendig ist. Schließlich müssen wir ja auch noch unsere eigenen Großprojekte finanzieren.

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