zur Navigation springen
Pinneberger Tageblatt

23. Oktober 2017 | 23:18 Uhr

Appen : Appener wollen Flüchtlingen helfen

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Veranstaltung der evangelischen Kirchengemeinde stößt auf großes Interesse. 47 Asylbewerber leben derzeit in der Kommune.

shz.de von
erstellt am 06.Feb.2016 | 16:27 Uhr

Appen | Der Saal reichte nicht aus. Selbst im Foyer des evangelischen Gemeindehauses drängten sich die Leute, um mit Ulrich Rahnenführer über Flüchtlingsintegration in Appen zu sprechen. Viele Jugendliche waren unter den weit über 100 Besuchern, die Pastor Frank Schüler zu der Informationsveranstaltung begrüßte.

Zwei der jungen Leute wurden bereits aktiv, ehe der Appener Koordinator für die Flüchtlingsarbeit seinen Einführungsvortrag beginnen konnte. Nele Schüler und Gabriela Mihl, Schülerinnen der Johannes-Brahms-Schule (JBS) in Pinneberg, baten um Hilfe für ein Unterrichtsprojekt. Dazu verteilten sie Fragebögen. Lauter Fragen, die Rahnenführer dann auch in seinem kurzen Referat ansprach.

Zum Beispiel: „Welche Erfahrungen haben Sie bisher mit den Flüchtlingen in Appen gemacht?“ So lautete die erste Frage des Schülerprojekts. Rahnenführer hatte dazu ganz unterschiedliche Antworten parat: Erlebnisberichte der etwa 50 Mitstreiter seiner „Flüchtlingshilfe Appen“.

Neun Familien und 17 junge Männer, insgesamt 47 Flüchtlinge, leben zurzeit in Appen und werden von Rahnenführers Gruppe betreut. „2,3 pro Quadratkilometer. Auf der gleichen Fläche leben 250 Appener“, rechnete der Referent vor. Je rund 40 Prozent kommen aus Afghanistan und Syrien. Weitere Herkunftsländer seien Iran und Jemen.

Untergebracht seien die Menschen in sieben Häusern. Wo diese Häuser seien, wollte ein Besucher wissen, aber Adressen wurden nicht herausgegeben. „Es ist doch gut, dass die gar nicht weiter auffallen“, war die diplomatische Antwort des Koordinators. Jedenfalls seien die Unterkünfte über das ganze Dorf verstreut, das erleichtere die Integration.

Unter den Betreuten seien sowohl Analphabeten als auch Menschen mit Universitätsabschlüssen, sagte der Referent, das habe entscheidende Auswirkungen auf die Erfolgschancen: „Je höher das Bildungsniveau, umso leichter fällt die Integration.“ Es komme freilich stark auf die Beteiligung der Flüchtlinge an. Die Bereitschaft dazu sei bei Familien in der Regel stärker als bei Einzelnen. „Da stoßen wir hin und wieder auf vollkommene Gleichgültigkeit. Die wollen meistens sowieso nicht in Appen bleiben, sondern so schnell wie möglich weiter nach Hamburg“, lautete die Erfahrung der Appener Helfergruppe.

Wie er auf seine Arbeit vorbereitet worden sei, fragte ein Besucher: „Ichhabe einfach angefangen“, war Rahnenführers entwaffnende Antwort. Von da an habe er allerdings sehr schnell sehr viel gelernt, oft beim Teetrinken auf den Teppichen der Unterkünfte. Die erste große Herausforderung sei Vertrauensbildung, verriet er. Man komme schließlich als Fremder zu Leuten, die durch schlimme Erlebnisse misstrauisch geworden seien. Der zweite Lernprozess beginne mit der Begleitung zu Ämtern. „Der Behördendschungel erscheint manchmal undurchdringlich“, ergänzte der Redner.

Das schreckte die Appener offenbar nicht ab. Viele fragten, ob und wie sie mithelfen könnten. „Dürfen auch Schüler mitmachen“, wollte Nele wissen. „Alle sind herzlich willkommen“, war die Antwort. Und gerade die Jungen hätten den Vorteil, sich mit Smartphone-Apps auszukennen. Das sei ein wichtiges Werkzeug.

Karte
zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Die Kommentare wurden für diesen Artikel deaktiviert