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Politik ist skeptisch : Appen verliert seinen Nahversorger

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Das Geschäft in Appen schließt spätestens im Mai. Ein Investor will den Supermarkt umbauen. Die Politik ist skeptisch nach der Vorstellung der Pläne.

Appen | Die Gemeinde Appen verliert ihren Nahversorger. Der Supermarkt im Ortskern, der zuletzt von der Rewe-Group betrieben wurde, schließt  im April, spätestens im Mai seine Türen. Das bestätigte gestern Angelika Heibeck, Projektplanerin der Grundstücksverwaltung Nord, auf Anfrage vin shz.de. Der Gesellschaft gehören Grundstück und Gebäude. Der Nahkauf habe sich finanziell nicht mehr gelohnt, so Heibeck. Sie plant, den Supermarkt zu einem Gästehaus umzubauen. Der Vorschlag soll bei der nächsten Gemeindevertretersitzung diskutiert werden. 

Im Oktober war das Gebäude als Sammelunterkunft für 70 bis 80 Flüchtlinge angeboten worden. Das geht aus Unterlagen hervor, die dieser Zeitung vorliegen. Der Investor wollte dies auf Nachfrage nicht kommentieren. Bürgermeister Hans-Joachim Banaschak (CDU) bedauert die Schließung. Die Nähe zu den Supermärkten in Moorrege und Pinneberg sei  der Auslöser gewesen. Er hält den Umbau in ein Gästehaus für eine „gute“ Lösung.

FDP-Fraktionsvorsitzende Jutta Kaufmann sagte: „Besonders bitter ist der Verlust des Nahversorgers für die Senioren im Ort.“ Auch SPD-Fraktionschef Walter Lorenzen und CDU-Fraktionsvorsitzender Hans-Peter Lütje beklagen die Schließung. 

Wird der Nahkauf zum Gästehaus?

Das Hickhack hat ein Ende: Der Nahversorger in Appen ist Geschichte. Spätestens Ende Mai, vielleicht auch schon im April gehen in dem Supermarkt endgültig die Lichter aus. Das bestätigt Angelika Heibeck, Projektplanerin der Gesellschaft Grundstücksverwaltung Nord auf Anfrage. Der Gesellschaft gehört das 860 Quadratmeter große Gebäude in der Hauptstraße.

Gerüchte und Diskussionen über eine Schließung gab es schon lange. Zuletzt war die Rewe-Group im Gespräch mit einer Einzelhandelskauffrau, die weiter in dem Gebäude einen Supermarkt betreiben wollte. Die Finanzierung sei aber geplatzt, so Heibeck.

In der kommenden Woche werden die Gemeindevertreter in einer außerordentlichen Sitzung über die Zukunft des Gebäudes entscheiden. Die Grundstücksgesellschaft hat den Vorschlag eingebracht, den Supermarkt in ein Gästehaus umzubauen. Die Idee hatte Bürgermeister Hans-Joachim Banaschak (CDU) auch schon selbst. Die Lage sei ideal gegenüber vom Bürgerhaus. Bei Familienfeiern könnten Gäste dort übernachten. Parkplätze seien vorhanden und der Bedarf auch, bekräftigte Banaschak gestern. Er hätte zwar am liebsten den Supermarkt in verkleinerter Form erhalten, ihm sei aber bereits im Oktober 2015 vom Inhaber signalisiert worden, dass der Nahversorger in der derzeitigen Form nicht mehr rentabel sei.

Wird der Nahkauf zum Gästehaus?

Nach Informationen von shz.de könnten in dem Gästehaus 19 Zimmer à zwei Betten mit Duschen entstehen. Eine Gemeinschaftsküche sei auch geplant. Über mögliche Summen für den Umbau wollte Heibeck nicht sprechen. Die Unterbringung von Flüchtlinge sei nicht vorgesehen, fügte sie an. Die Statik lasse keinen Bau von Wohnungen zu. Allerdings war das Gebäude im Oktober 2015 als Sammelunterkunft für 70 bis 80 Flüchtlinge angeboten worden. Das geht aus Unterlagen hervor, die dieser Zeitung vorliegen. Der Investor wollte zu dem Sachverhalt auf Nachfrage nichts sagen.

CDU-Fraktionsvorsitzender Hans-Peter Lütje bedauert den Rückzug des Investors. Allerdings sei die Situation für einen Supermarkt in Appen schwierig. Er glaubt, dass ein Gästehaus besonders für Handwerker auf Montage interessant sein könnte. „Da gibt es auf jeden Fall eine Nachfrage.“ Dazu müsste die Unterbringung allerdings auch gut geführt werden. Zu den Plänen des Investors wollte er sich vor der Sitzung der Gemeindevertreter nicht äußern.

Die FDP-Fraktionsvorsitzende Jutta Kaufmann beklagt ebenfalls die Schließung des Nahversorgers. „Wir sind alle sehr unglücklich darüber. Besonders bitter ist es für die Senioren im Ort.“ Sie hofft, dass der Seniorenbeirat einen Bus-Service einrichtet, um die Mobilität der alten Menschen zu verbessern.

„Uns fehlt das Vertrauen in dieses Projekt.“

An den Erfolg eines Gästehauses glaubt sie aber nicht. „Uns fehlt das Vertrauen in dieses Projekt.“ Der Vorschlag sei nicht überzeugend. „Das Gästehaus müsste ja permanent mit 40 Personen ausgebucht sein, damit sich das lohnt. Daran glauben wir nicht und werden dagegen stimmen.“ Sie bringt einen Neubau ins Spiel:„Wenn da Wohnungen mit Fahrstuhl reinkämen, wäre das nach zwei Tagen vermietet.“ Viele ältere Menschen, die sich nicht mehr um Haus und Garten kümmern könnten, würden gern in Appen wohnen bleiben. Die Lage mitten im Ort wäre dazu ideal.

Diesen Vorschlag findet auch SPD-Fraktionschef Walter Lorenzen sinnvoll . Er bedauert, dass es künftig keinen Nahversorger mehr in Appen gibt. Für ein Gästehaus sieht er aber keinen Bedarf. „Wir haben einen dringenden Bedarf an Mietwohnungen.“ Außerdem bräuchte man dafür einen „professionellen Gastwirt. Ich habe nicht den Eindruck, dass der derzeitige Inhaber vom Fach ist.“ Zudem passe ein Gästehaus nicht in ein Wohngebiet. Ferner hegt er Zweifel, ob nicht doch am Ende daraus eine Sammelunterkunft für Flüchtlinge werden soll. „Wir wollen aber auf keinen Fall, dass das Haus leer steht und verfällt.“ Deshalb werde man sich eine Lösung überlegen müssen.

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erstellt am 03.Feb.2016 | 10:00 Uhr

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