Interview mit Rolf Heidenberger : „Appen musiziert“: Nach 25 Jahren ist Schluss

25 Jahre „Appen musiziert“: Initiator und Organisator Rolf Heidenberger blättert in einem seiner zahlreichen Erinnerungsalben.
25 Jahre „Appen musiziert“: Initiator und Organisator Rolf Heidenberger blättert in einem seiner zahlreichen Erinnerungsalben.

Initiator und Organisator Rolf Heidenberger spricht im Interview über ein Vierteljahrhundert Benefiz-Veranstaltungen. Für die letzte Auflage am 20. September 2015 rechnet er mit mehr als 20.000 Besuchern.

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31. Dezember 2014, 12:00 Uhr

Appen | Vom Dorf-Konzert mit Hobby-Künstlern zur größten ehrenamtlichen Benefiz- und Feuerwehrveranstaltung in Deutschland: – „Appen musiziert“ hat seit 1990 eine atemberaubende Entwicklung genommen und mehr als 5,6 Millionen Euro für schwerkranke Kinder gesammelt. Jetzt steht fest: Zum ersten Jubiläum laden Initiator und Organisator Rolf Heidenberger und seine vielen Helfer für Sonntag, 20. September  2015, zur 30. und letzten Gala ein. Im Interview mit dieser Zeitung spricht Heidenberger über das furiose „Appen musiziert“-Finale, bewegende Momente aus den vergangenen 25 Jahren und verspricht, dass die Hilfe für kranke Kinder auch ohne Shows weitergeht.

Was haben Sie sich für die Jubiläumsgala einfallen lassen?

Rolf Heidenberger: Die Besucher dürfen sich auf die größte Veranstaltung freuen, die es jemals in Appen und Umgebung gegeben hat. Diesmal stehen nicht nur in der Distelkamphalle internationale Topstars auf der Bühne. Es ist außerdem auf dem Sportgelände des TuS Appen, im Almtweg und auf dem Hof von Henning Pein ein „Tag der Attraktionen“ geplant.

Wie sieht der „Tag der Attraktionen“ aus?

Erstmals wird „Appen musiziert“ - passend zum Weltkindertag am 20. September  – mit einem großen Kinderfest verbunden, das der Kreisjugendring Pinneberg organisiert. Anders als in den vergangenen Jahren wird die Veranstaltung also nicht erst am Abend, sondern bereits um 10.30 Uhr mit einem ökumenischen Gottesdienst beginnen. Danach geht es bis 22 Uhr Schlag auf Schlag weiter. Zum Abschluss ist ein in dieser Größenordnung noch nicht da gewesenes Feuerwerk geplant.

Es wird also eine Veranstaltung für die gesamte Familie?

Auf jeden Fall. Die Kinder dürfen sich unter anderem auf eine riesige Rutsche, die größte Hüpfburg Europas, eine Kletterwand, einen Telekran, das DFB-Mobil und viele andere Attraktionen freuen. Wir erwarten 6000  bis 8000 Kinder und insgesamt mehr als 20  000   Besucher. Erstmals soll eine Band auftreten, die eher die Jugendlichen anspricht. Wir sind mit Revolverheld im Gespräch.

Wer steht beim finalen Höhepunkt sonst noch auf der Bühne?

Zum Jubiläum und Abschluss von „Appen musiziert“ gibt es eine Best-of-Show mit den beliebtesten Künstlern aus den vergangenen 25 Jahren. Wer tatsächlich kommt, entscheiden die Leserinnen und Leser des Schleswig-Holsteinischen Zeitungsverlags (sh:z). Voraussichtlich im Januar startet der sh:z ein Online-Voting, bei dem etwa 40 Künstler zur Auswahl stehen. Die Zusagen der Stars haben wir bereits. Wer einmal in Appen gewesen ist, kommt immer gern wieder.

Was war der emotionalste Moment in 25 Jahren „Appen musiziert“?

Da gibt es unendlich viele. Ein bewegender Moment war sicherlich, als der an Leukämie erkrankte Kevin Krüger bei uns auf der Bühne stand und ich ihm einen Fußball mit den Unterschriften aller Spieler des FC Bayern München überreichte. Sehr emotional war auch die Gala am 20. April 2013. Ich erfuhr während des Events, dass die von uns unterstützte Tonia aus Haseldorf ihre Leukämieerkrankung nicht überleben wird und musste kurz danach wieder auf die Bühne. Zwei Tage nach der Veranstaltung war Tonia tot.

Und was denken Sie, wenn Sie das Bild vor Augen haben, zum Auftakt 1990 noch selbst an der Orgel gesessen zu haben?

Damals spielte ich „Herzilein“ auf der Orgel und wurde von Andreas und Werner Martens begleitet. Zehn Jahre später standen dann die Wildecker Herzbuben selbst auf der Bühne. Es ist einfach unglaublich, was aus „Appen musiziert“ geworden ist. Ich hätte es nicht für möglich gehalten, dass aus einer kleinen Veranstaltung mit Hobbykünstlern eine bundesweit anerkannte Erfolgsstory und das größte Ehrenamtsevent wird, bei dem – dank der vielen vorbildlichen und selbstlosen Helfer – mehr als 5,6 Millionen Euro für schwerkranke Kinder zusammengekommen sind.

Wer „Appen musiziert“ erlebt, hat den Eindruck, dass Sie nahezu alle Ehrenamtlichen Appens eingebunden haben. Was ist Ihr Erfolgsgeheimnis, um Menschen zu selbstlosem Handeln zu bewegen?

Begeisterungs-, Motivations-, aber auch Durchsetzungsfähigkeit gehören sicherlich nicht zu meinen Schwächen. Wer einmal geholfen hat, ist so begeistert, dass er immer wieder mithilft. Wir könnten inzwischen sogar eine Warteliste mit Helfern aufstellen. Es ist für jeden ein tolles Gefühl, ein wichtiges Glied bei „Appen musiziert“ zu sein und dadurch kranke Kinder zu unterstützen.

Sie haben schon öfter überlegt, Schluss zu machen. Jetzt haben Sie gesagt, dass 2015 der krönende Abschluss sein soll. Warum?

Ich werde im Mai 65 und die Organisation eines solchen Festes ist eine riesige Belastung. Zudem will ich auf dem Höhepunkt aufhören. Die Veranstaltung wird nicht mehr zu toppen sein. Ich glaube auch, dass ich nach über 50 Jahren Ehrenamt genug für die gute Sache und unsere schöne Gemeinde Appen geleistet habe.

Die Aufgabe, für die sich „Appen musiziert“ einsetzt, wird bleiben. Gibt es Überlegungen. „Appen musiziert“ in irgendeiner Form  – als Verein oder als Stiftung – fortzuführen?

Als Spendenorganisation bleibt „Appen musiziert“ bestehen. Dafür hat sich der Spielmannszug der Feuerwehr Appen als offizieller Träger von „Appen musiziert“ ausgesprochen. Spenden werden auch ohne Galas weiter eingehen. Allerdings nicht mehr in der heutigen Größenordnung. Mein Wunsch ist, dass die bisherigen Spender uns treu bleiben und neue dazukommen.

Zum Abschluss etwas sehr Persönliches: Sie haben im vergangenen Jahr die Diagnose Krebs erhalten. Operation, Tablettenbehandlung und mehr standen an. Wie geht es Ihnen heute?

Ich glaube, dass „Appen musiziert“ mit dazu beigetragen hat, mein Leben zu retten. Mein Beispiel zeigt, dass sich ehrenamtliches Engagement lohnt. Dank der dadurch, nicht mit Geld zu bezahlenden entstandenen Kontakte bekam ich – nicht innerhalb von Tagen oder Wochen, sondern innerhalb von Stunden – sofort die optimale Behandlung und fühle mich wieder gut, obwohl ich Medikamente nehmen und mit der Angst leben muss, dass die Krankheit wieder auftritt. Es war ein Pickel im Ohr, der sich als der aggressivste Krebs überhaupt entpuppte.

Würden Sie wieder so offen mit der Krankheit umgehen?

Auf jeden Fall. Das empfehle ich auch anderen Betroffenen. Man muss darüber sprechen und darf sich nicht selbst bedauern. Ich wollte nicht, dass hinter meinem Rücken über das Thema gesprochen wird. Schließlich sollte ursprünglich mein rechts Ohr amputiert werden. Die Diagnose zieht einem anfangs regelrecht die Beine weg. Ich habe mir aber sofort gesagt, dass der Krebs mich nicht besiegt, und hatte das große Glück, dass mich hervorragende Ärzte behandelten und den Krebs entfernten. Grundsätzlich gilt für mich unabhängig von der Krankheit: Positives Denken und Handeln, Hilfsbereitschaft und stets normal zu bleiben, ist mir sehr wichtig!
 

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