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Hans-Peter Lütje im Interview : „Appen darf nicht zur Schlafgemeinde werden“

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Fragen an Hans-Peter Lütje, Fraktionsvorsitzender und Schatzmeister der Appener CDU.

Appen | Hans-Peter Lütje (CDU) ist Vorsitzender des Appener Finanzausschusses und schon seit fast zwei Jahrzehnten Mitglied der Gemeindevertretung. Im Sonntagsgespräch berichtet Lütje, was ihn an der Politik reizt und vor welchen Herausforderungen Appen in den kommenden Jahren steht.

In Appen stehen mit dem Neubau eines Kindergartens und der Schulsanierung derzeit gleich zwei Millionenprojekte auf der Agenda. Was bedeutet das für die Finanzen der Gemeinde?
Im Augenblick stehen wir dank des Verkaufs der Grundstücke in unserem Neubaugebiet Bargstücken noch relativ gut da. Diese Einnahmen brauchen wir dringend, um die Herausforderungen zu bewältigen, vor denen wir stehen. Ganz ohne Kredite werden wir diese Projekte aber nicht stemmen können. Trotzdem geht es uns im Vergleich zu anderen Kommunen ganz gut.

Sie sind schon seit Jahren Vorsitzender des Finanzausschusses. Was gefällt Ihnen an diesem Amt?
Das hängt sicherlich mit meinem Beruf zusammen. Ich arbeite bei der Haspa. Dass mir diese Aufgabe viel Freude bereitet, liegt auch daran, dass die Zusammenarbeit mit der Amtsverwaltung in Moorrege so gut funktioniert.

Sind Sie ein sparsamer Mensch?
Ja. Man wirft mir deshalb ja ab und an vor, dass ich Stacheldraht in der Tasche hätte, wenn es um die Finanzen der Gemeinde beziehungsweise der Vereine geht, bei denen ich für die Kasse zuständig bin. Das ist das Los eines Schatzmeisters und eines Finanzausschussvorsitzenden. Deren Aufgabe ist es nun einmal, das Geld zusammenzuhalten. Es ist aber natürlich klar, dass investiert werden muss, wenn es notwendig ist. Ich bin übrigens auch Kassenwart der Karnevalisten in Moorrege.

Was macht den Reiz der Kommunalpolitik aus?
Ich kann die Zukunft des Orts mitgestalten. Ich hätte kein Interesse daran, im Kreis- oder auf Landesebene aktiv zu sein. Mein Engagement in der Gemeinde habe ich als Kassenwart des Schulvereins begonnen. Zur Politik bin ich durch die frühere CDU-Ortsvereinsvorsitzende Hannelore von Engelhardt gekommen. 1996 bin ich Parteimitglied geworden, 1997 Kassenwart und 1998 wurde ich Mitglied der Gemeindevertretung.

Warum wurde die CDU Ihre politische Heimat?
Ich bin einerseits traditionsbewusst und wohl eher konservativ, andererseits auch Neuem gegenüber aufgeschlossen. Ich finde, Tradition und Moderne müssen zueinander passen. Das ist aus meiner Sicht am ehesten bei der CDU der Fall. Ich bin in die Partei eingetreten, um für die Gemeinde etwas zu bewegen. Das bedeutet für mich, dass man auch anerkennen muss, wenn die Ideen anderer Parteien besser sind. Einige sagen mir allerdings, dass es nicht immer ganz einfach ist, mich zu überzeugen. Da schlagen wohl meine Dithmarscher Wurzeln durch.

Gibt es etwas, was Ihnen an der Kommunalpolitik missfällt?
Ich finde es bedauerlich, dass sich Kommunen und auch Vereine mit völlig überzogener Bürokratie und unsinnigen Auflagen auseinandersetzen müssen. Ein Beispiel dafür ist aus meiner Sicht die Brandschutzverordnung. Die Bestimmungen waren der Hauptgrund dafür, dass es im Bürgerhaus keine „Appen classcis“ mehr gibt. Ich kann auch nicht nachvollziehen, dass die Schulsanierung in Appen laut Landesbauordnung mit der Installation von Aufzügen verbunden werden muss, obwohl selbst die Schule sagt, dass das nicht erforderlich ist. Trotz allem wird von uns gefordert, dafür 200.000 Euro auszugeben. So werden die Kommunen kaputt gemacht.

Sparkasse geschlossen, kein Supermarkt mehr − kann die Gemeinde etwas gegen den Aderlass im Ortskern tun?
Das ist schwer. Unterglinde, Appen-Etz, Appen-Dorf, dazu die lange Hauptstraße − wir sind in Appen so verstreut, dass es für einen Discounter nicht einfach ist, sich in Appen anzusiedeln. Dafür brauchen wir ein passendes Grundstück an der Hauptstraße. Das stand bisher aber nicht zur Verfügung. Da haben wir als Gemeinde keine Möglichkeit gegenzusteuern. Mich ärgert allerdings, dass das Sparkassengebäude nun schon seit Jahren leer steht und die Sparkasse weiter Miete zahlt. Zumindest den Geldautomaten hätte man in dem Gebäude lassen können.

Vor welchen Herausforderungen steht Appen in den kommenden Jahren?
Appen darf auf keinen Fall zur reinen Schlafgemeinde werden. Deshalb ist es wichtig, dass die Einwohnerzahl wächst und wir junge Familien nach Appen locken. Das nutzt den Vereinen und sorgt dafür, dass nicht weitere Geschäfte in Appen schließen. Zudem müssen wir ausnutzen, dass die Gemeinde dank der Nähe zur Autobahn und zur Westumgehung ein attraktiver Standort für Unternehmen ist. Wir werden also mittelfristig ein neues Gewerbegebiet entwickeln müssen.

Hans-Peter Lütje (62) ist in Appen Gemeindevertreter, Vorsitzender des Finanzausschusses sowie seit 2001 Fraktionsvorsitzender der CDU. Außerdem ist er stellvertretender Amtsvorsteher des Amts Geest und Marsch Südholstein. Lütje ist verheiratet und hat zwei erwachsene Kinder.
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