„Helfen Sie uns bitte, Herr Albig“ : Anwohner kämpfen gegen XXL-Wohnhaus

Suchen das Gespräch im Rathaus: Die Anwohner der Schloßstraße.
Suchen das Gespräch im Rathaus: Die Anwohner der Schloßstraße.

Brief an Ministerpräsident. Anwohner der Schloßstraße kämpfen gegen den Bau eines XXL-Wohnhauses . Angst vor Wasser im Keller.

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05. Juni 2015, 10:00 Uhr

Pinneberg | Sie ziehen lange Gesichter. Sie sind enttäuscht. Aber sie wollen weiterkämpfen. „Bei dem Gespräch mit der Pinneberger Verwaltung ist nichts herausgekommen“, sagt Birgit Suhl. Sie ist die Sprecherin der Anwohner der Schloßstraße. Die Initiative will den Bau eines XXL-Wohnhauses mit ausgebautem Satteldach und Tiefgarage für 24 Parteien verhindern. Der Bauträger ist die Firma Noah GmbH aus Heede.

„Bei dem Gespräch war leider vom Bauamt niemand dabei“, berichtet Suhl weiter. Das hätten die Anwohner sich jedoch gewünscht. Nun erhoffen sie sich von Ministerpräsident Torsten Albig Hilfe. Sie haben einen Brief an ihn geschrieben.

Im Wesentlichen geht es um drei Kritikpunkte: Weil Villen aus der Jahrhundertwende das Bild der Schloßstraße prägen, würde das Riesenhaus nicht in das Bild passen. Außerdem fürchten die Anwohner, dass sich durch den Neubau der Grundwasserdruck weiter erhöhe und als Folge die Keller überschwemmt würden. Als dritten Kritikpunkt führt die Initiative an, dass die kleine Straße durch den zusätzlichen Verkehr überlastet werde.

Das alles kam  auch während des Gesprächs im Rathaus aufs Tapet. Antworten von Bürgermeisterin Urte Steinberg  gab es per Brief. Das geplante Bauvorhaben füge sich städtebaulich von der Anzahl der Vollgeschosse und auch von der absoluten Höhe in diesen Bereich ein, heißt es in dem Brief. Zudem sei geplant, weniger Grundfläche zu bebauen als  bisher geplant. Auch seitens der Wasserbehörde beständen keine Einwände gegen das Vorhaben. Zwar räumt die Verwaltung ein, dass es Verkehrsprobleme geben könnte, aber: „Ich bin sicher, dass es durch die Realisierung der Westumgehung zu einer entsprechenden Entlastung kommen wird“, schreibt Steinberg.

Auf diesem Grundstück soll das Megahaus  gebaut werden. (Foto: Erdbrügger)
Auf diesem Grundstück soll das Megahaus gebaut werden. (Foto: Erdbrügger)
 

Nun geht das Bangen weiter. „Wir haben beobachtet, wie ein Bagger ein Loch gegraben hat, in dem sich sofort Wasser sammelte. Es wurde sofort wieder zugeschüttet.“ Suhl befürchtet das Schlimmste, sollte das XXL-Wohnhaus gebaut werden.

Unterdessen hat sich auch die Politik eingeschaltet: Die Fraktion Grüne & Unabhängige möchte auf der nächsten Sitzung des Ausschusses Stadtentwicklung geklärt wissen, ob nur die Mühlenstraße begutachtet wurde, um zu ermitteln, ob sich das Bauvorhaben gestalterisch in die Umgebung einfügt. Der weitaus größte Teil des Bauvorhabens besitze eine Front zur Schloßstraße, ein geringerer Teil bestimme das Bild der Mühlenstraße, argumentieren die Grünen. Konsequenterweise müssten Zufahrt und Zugänge in der Schloßstraße liegen. „Nach unserer Auffassung passt sich das Bauvorhaben in keiner Weise an die vorhandene Bebauung in der Schloßstraße an“, sagte Fraktionschef Joachim Dreher. Des Weiteren soll geklärt werden, welche Gründe dafür sprachen, ein Gelände mit Gewerbe in eines mit Wohnbebauung umzuwandeln? Auf dem Gelände, wo das Riesengebäude gebaut werden soll, befand sich früher eine Schlosserei.  

Außerdem werden die Grünen Anträge stellen. So soll für das Gebiet nördlich der Mühlenstraße zwischen Hochstraße (Hans-Hermann-Kath-Brücke) und der westlichen, sowie nördlichen Grundstücksgrenzen der Paulstraße ein Bebauungs-Plan aufgestellt werden, mit dem Ziel, den Charakter des Gebietes zu erhalten. Für das Gebiet des neuen B-Plans soll eine Veränderungssperre ausgesprochen werden. Bei zukünftigen Bauvorhaben, die mehr als sechs Wohneinheiten umfassen, ist die Verwaltung aufgefordert, vor einer Baugenehmigung den Ausschuss Stadtentwicklung zu informieren, lautet ein weiterer Antrag der Grünen.

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