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Flüchtlinge: Keine jungen Männer : Anwohner in Hasloh fürchten um ihre Lebensqualität

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Das Problem, das die Anwohner sehen - eine räumliche Abgrenzung ist kaum möglich. Familien würden akzeptiert werden.

von
erstellt am 08.Jun.2016 | 16:00 Uhr

Hasloh | Die Lage ist verzwickt: Kaum hat Hasloh endlich die erste Wohnung angemietet, um Geflüchtete einquartieren zu können, regt sich Widerstand in der unmittelbaren Nachbarschaft. Grund dafür ist, dass dort zehn Männer, die derzeit gemeinsam in Tangstedt leben, einziehen sollen.

„Dort zehn junge Männer auf engstem Raum unterzubringen, stellt für uns eine Bedrohung dar – ganz egal, woher sie kommen. Ich wollte da auch keine zehn deutsche Studenten wohnen haben“, sagte Werner Schmidt im Gespräch mit dem Quickborner Tageblatt. Im Erdgeschoss der Doppelhaushälfte haben er und seine Frau Angelika ihr Büro untergebracht, im rückwärtigen Anbau des Hauses wohnen sie.

Problematisch ist für beide insbesondere, dass eine räumliche Abgrenzung kaum möglich ist: Die Wohnung im Vorderhaus hat in der Küche einen zweiten Ausgang – der unmittelbar vor dem Wohnzimmerfenster der Schmidts liegt. „Wenn da ständig Leute ein- und ausgehen, ist das schon eine erhebliche Beeinträchtigung unserer Lebensqualität“, sagte der Nachbar.

Das Paar betonte, dass sich ihre Ablehnung keineswegs grundsätzlich gegen Menschen anderer Herkunft richte. „Ich arbeite mit Personen vieler Nationen zusammen, es ist mir ganz gleich, woher jemand kommt“, sagte Schmidt, der weltweit Werbeartikel vertreibt. Er sei generell ein eher unpolitischer Mensch. „Aber wir wollen nicht gezwungen werden, etwas zu akzeptieren, das wir so nicht wollen“, sagte er.

Familien wären kein Problem

Es sei ihm bewusst, dass die geflüchteten Männer in einer schwierigen Lage seien. „Aber wenn sie hier leben, würde ihnen viel Ablehnung entgegenschlagen – das haben sie nicht verdient“, ist Schmidt überzeugt. Integration sehe für ihn anders aus.

Kein Problem sei es indes, wenn eine oder zwei Familien ihre neuen Nachbarn werden würden. „Das sehen alle ringsherum ganz genauso“, sagte Schmidt. Es gebe viele Kinder in der Straße, da fiele es leicht, Kontakte zu knüpfen. „Da wären alle bereit zu helfen, sei es mit Patenschaften, Einkaufsfahrten oder der Suche nach Tagesmüttern“, sagte Schmidt. Er könne die Not der Gemeinde, Flüchtlinge unterzubringen, zwar verstehen, hätte sich jedoch gewünscht, dass sie vor der Anmietung wenigstens informiert worden wären. „Mit dem Koordinator Kay Löhr haben wir inzwischen ein konstruktives Gespräch geführt“, berichtete Schmidt. Er hoffe nun, dass die Gemeinde andere Personen in die Wohnung einquartiert.

„Die Frage ist: ,Was ist zweckmäßig?‘“, sagte dazu Löhr. Unfrieden im Dorf auf dem Rücken der Flüchtlinge auszutragen sei jedenfalls keine gute Lösung. „Ich kann die Nachbarn nicht davon überzeugen, dass es sich bei diesen jungen Männer um ausgesprochen nette und freundliche Zeitgenossen handelt“, bedauerte er. Es sei sehr schade, dass nicht wenigstens die Bereitschaft, diese Menschen erst einmal kennenzulernen, vorhanden sei. „Es wird ihnen keine Chance gegeben, daran kann ich leider nichts ändern“, sagte Löhr. Derzeit sei keine einzige Familie der Gemeinde zugeteilt. „Lediglich ein Ehepaar und die vier allein stehenden Frauen, die jetzt im Gemeindehaus untergebracht sind – alles andere sind Männer“, berichtete Löhr. Natürlich könne sich das ändern – aber in welche Richtung und wann, sei beim besten Willen nicht vorherzusehen.

Bürgermeister Brummund setzt auf Kompromissbereitschaft

Wie Löhr setzte auch Bürgermeister Bernhard Brummund (SPD) auf Kompromissbereitschaft. „Wir haben inzwischen weiteren Wohnraum anmieten können und hoffen nun, eine Lösung zu finden, mit der alle einverstanden sind“, sagte er. Gespräche über weitere Unterbringungsmöglichkeiten seien ebenfalls im Gang. „Dann können wir so verteilen, dass es keine Konflikte gibt“, hofft der Bürgermeister.

Zudem lägen inzwischen Angebote für die Anmietung von Containern vor. „Jetzt müssen wir die Kosten für das Herrichten der Fläche und der Anschlüsse prüfen“, kündigte Brummund an. Außerdem müsse in den zuständigen Gremien besprochen werden, wie lange und wie viele Wohneinheiten aufgestellt werden sollen. „Sobald das klar ist, kann die Containerlösung relativ schnell umgesetzt werden“, gab er sich zuversichtlich.

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