Rellingen : Anwohner außer sich: Widerstand gegen Hass & Hatje-Erweiterung

Rellinger Unternehmen Hass & Hatje will eine zweite Lagerhalle auf altem Baumschulgelände bauen.

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21. Mai 2015, 10:00 Uhr

Rellingen | Es ist ein Großprojekt, das schon jetzt für reichlich Zoff sorgt: Das Rellinger Unternehmen Hass & Hatje in der Eichenstraße plant auf einem angrenzenden Gelände den Bau einer zusätzlichen Lagerhalle. Die Anwohner sind auf den Barrikaden – sie befürchten Lärm, mehr Verkehr und den Wertverlust ihrer Immobilien.

Entstehen soll das zehn Meter hohe, 100 Meter lange und 33 Meter breite Gebäude auf dem Grundstück der Baumschule Stoldt, das das Unternehmen erworben hat. Direkt zwischen Hass & Hatje und den Wohnsiedlungen am Eichenplatz sowie der Gärtnerstraße gelegen, sind auf diesem zudem eine weitere überdachte Ladezone, ein Palettenlager sowie 103 Parkplätze für Mitarbeiter des Unternehmens geplant. Gesamt-Investitionssumme: zwischen 2,5 und drei Millionen Euro.

„Die Baumaßnahme betrifft ausschließlich den Baustoffgroßhandel, der unser Kerngeschäft darstellt. Zusätzliche Verkaufsfläche wird damit nicht geschaffen“, sagt Ralf Lüthje, einer der beiden Geschäftsführer, der die Pläne gestern offiziell vorstellte. Von einer Verdopplung des Umsatzes durch eine Verdopplung der Lagerfläche – eine baugleiche Halle existiert auf dem Hass-&-Hatje-Grundstück bereits – könne deshalb keine Rede sein.

Die Hass & Hatje-Geschäftsführer Ralf Lüthje und Ines Kitzing halten die Erweiterung für eine wirtschaftliche Notwendigkeit. Im Hintergrund ist die alte Lagerhalle zu sehen.  (Foto: Werner)
Die Hass & Hatje-Geschäftsführer Ralf Lüthje und Ines Kitzing halten die Erweiterung für eine wirtschaftliche Notwendigkeit. Im Hintergrund ist die alte Lagerhalle zu sehen. (Foto: Werner)
 

Die Erweiterung der Lagerkapazitäten sei vielmehr aus zwei Gründen wichtig. „Erstens nimmt die Zahl unterschiedlicher Produkte immer stärker zu, die wir allesamt vorhalten müssen. Und zweitens müssen wir die Auslastung der LKW verbessern, die uns beliefern. Wegen des beschränkten Platzes ist derzeit im Schnitt nur ein Fünftel der Ladungen für uns bestimmt“, so Lüthje. Deswegen werde sich der Bau der Zusatzhalle sogar positiv auf den Anlieferverkehr auswirken. Auch ein seitens des Unternehmens in Auftrag gegebenes Gutachten geht von einer Reduzierung um etwa 35 Prozent aus.

Die Anwohner im Umfeld indes glauben nicht daran. Ganz im Gegenteil: Schon am Dienstagabend machten etwa 30 Bewohner von Eichenplatz und Gärtnerstraße ihrem Ärger im Rellinger Bauausschuss Luft – auf der Tagesordnung stand ein formloser Antrag auf Einleitung eines vorhabenbezogenen Bebauungsplanverfahrens. „Statt auf eine Grünfläche starren wir dann auf eine weiße Wand. Die Wertminderung meines Eigentums ersetzt mir Hass & Hatje sicherlich nicht“, schimpfte Ingrid von Stamm, die am Eichenplatz wohnt.

Jürgen Schleser (v. l.) sowie Margrit und Wolfhart Paucksch gehören zu den Anwohner, die die Erweiterung unbedingt verhindern wollen. (Foto: Werner)
Jürgen Schleser (v. l.) sowie Margrit und Wolfhart Paucksch gehören zu den Anwohner, die die Erweiterung unbedingt verhindern wollen. (Foto: Werner)
 

Wolfhart Paucksch aus der Gärtnerstraße sprach von einem „Krebsgeschwür“, das immer weiter in eine geschlossene Siedlung hineinwachse. An einen Rückgang des Lieferverkehrs glaube er in keiner Weise. Laut einem weiteren betroffenen Bürger, Jürgen Schleser, habe das Unternehmen bei der letzten Erweiterung vor einigen Jahren den Anwohnern einen Verzicht auf weitere Baumaßnahmen zugesichert. Schon deshalb sei das Projekt nicht akzeptabel. Auf mögliche Kompromisse – beispielsweise eine kleiner dimensionierte Lagerhalle – wolle man sich nicht einlassen. „Wann der Bau der Lagerhalle beginnt? Wir sagen: Nie!“, so Paucksch.

Doch wie geht es nun weiter? Klar ist: Für Hass & Hatje wird es ein steiniger Weg. Allein die notwendige Änderung des Flächennutzungsplans – das Baugrundstück, bis jetzt landwirtschaftliche Nutzfläche, muss zur Gewerbefläche umgewidmet werden – könnte etwa ein Jahr in Anspruch nehmen. Doch auch soweit ist es noch nicht. Stattdessen einigten sich die Mitglieder von CDU, SPD und Grünen am Dienstag im Bauausschuss darauf, das Thema zunächst zurück in die Fraktionen zur Beratung zu schicken. „Wir müssen uns selbst erst einmal ein vollständiges Bild von der Geschichte machen“, sagte SPD-Fraktionschef Gunnar Koltzk. Im Juni soll die Thematik dann erneut auf der Tagesordnung des Rellinger Bauausschusses erscheinen: Mit einem Rückgang des Bürgerinteresses ist eher nicht zu rechnen.

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