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Verkehr quält sich durchs Quellental : Anwohner ärgern sich über aktuelle Umleitungen

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Der große Reitweg wird als Verkehrsumleitung genutzt. Doch es gibt keine gesicherten Übergänge für Kinder.

von
erstellt am 28.Jun.2017 | 14:00 Uhr

Pinneberg | Im Quellental in Pinneberg ist die Stimmung derzeit nicht gut. Seit fast einem Jahr baut die Stadt am Thesdorfer Weg. Immer wieder wird die Straße aufgerissen, Bagger rollen an. Die offizielle Umleitung über Waldenau nutzt aber kaum einer, weil sie mit etwa zehn Kilometern Länge für viele Verkehrsteilnehmer einen zu großen Umweg darstellt – mit der verheerenden Folge, dass sich Autos und Lkw durch die kleinen Straßen und Wege des dicht besiedelten Stadtteils quälen.

Sehr zum Ärger der Anwohner des Großen Reitwegs: „Zur Hauptverkehrszeit sind es etwa 730 Autos in der Stunde“, sagt Regina Spitzmann, eine der Betroffenen. Spitzmann und ihre Nachbarn haben beobachtet, dass die Autos viel zu schnell fahren, obwohl in der Anliegerstraße Tempo 30 gilt. „Es fährt keiner 30“, so Spitzmann. Auch Lkw nutzten die Straße, obwohl diese dort gar nicht fahren dürften. Kontrollen blieben jedoch aus. Es habe eine in diesem Jahr gegeben. Der tägliche Wahnsinn: Breite SUV würden auch schon mal zwecks Platzmangels den Bürgersteig befahren – Gefahr ist im Verzug.

Große Sorgen machen die Bürger sich um ihre Kinder auf dem Weg zur Schule. Gesicherte Umwege gebe es nicht. Anwohnerin Dörte Baltruschat weiß, dass der Freund ihres Sohnes einmal 20 Minuten gewartet hat, um die Straße überqueren zu können. Immer sei er hin- und hergelaufen, fast verzweifelt ob des Verkehrs, der ihm keine Chance ließ, auf die andere Seite zu gelangen. Außerdem herrsche eine aggressive Stimmung unter den Autofahrern. Es werde gehupt und geschimpft. „Pflegekräfte von älteren Bewohnern der Straße berichten von Unfällen“, sagte Spitzmann. Parkende Autos würden touchiert.

Eigentlich eine Anliegerstraße

Was die ganze Sache auf die Spitze treibt: 2013 wurde der Große Reitweg trotz Protests der Anwohner zwecks Zahlung der Straßenerneuerung immer noch als Anliegerstraße eingestuft. „Die Anwohner haben 75 Prozent der Kosten zu tragen“, erklärt Spitzmann. Dabei sei diese doch jetzt schon zu einer Durchgangsstraße geworden. Die Verkehrsplanung halten sie für dilettantisch.

Spitzmann und ihre Nachbarn fürchten, dass es auch so bleibt, denn neues Unbill droht: ein Verkehrschaos im Quellental durch die dichte Bebauung des Ilo-Geländes. Wie berichtet, sollen dort 360 Wohneinheiten entstehen – neben der Parkstadt ein weiterer zusätzlicher Stadtteil in der Kreisstadt, was die Verkehrssituation wohl nicht verbessern wird. Die Betroffenen haben ihrem Ärger in einem Brief an die Bürgermeisterin Luft gemacht. Die Antwort auf ihre Bedenken zum künftigen Verkehrsaufkommen finden sie befremdlich. Das Schreiben liegt unserer Redaktion vor.

„Mit großer Wahrscheinlichkeit werden viele Bewohner des neuen Quartiers aufgrund des guten Angebots den öffentlichen Nahverkehr nutzen“, so die Verwaltung. „Die meisten Familien haben zwei Autos“, erwidert Spitzmann. „Wir finden es schön, wenn Pinneberg wächst, aber doch nicht auf Kosten der hier bereits wohnenden Bürger.“

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